„Bruchbude“ wird Musterwohnung

Hemer. (Red.) Die städtebauliche Entwicklung in Hemer schreitet mit riesigen Schritten voran. Die ehemaligen Notunterkünfte an der heutigen Brahmsstraße (ehemalige Lange Rute 25-33) und der Bräuckerstraße sind bereits renoviert und bezogen beziehungsweise kurz vor der Fertigstellung.

Ursprünglich Notunterkünfte

Die Wohnhäuser an der ehemaligen Lange Rute 25 bis 33 und Bräuckerstraße 62 wurden in den 60er Jahren zur Unterbringung von in Not geratenen Menschen gebaut. Mit der Veränderung der Asylgesetzgebung wurden dort später Menschen untergebracht, deren Asyl-Antrag in Deutschland bearbeitet wurde. Die Kommunen wurden verpflichtet, diesen Menschen zu helfen und ihnen Wohnraum bereit zu stellen.

Abriss? – Neubau?

Im Laufe der Jahre fehlten jedoch die finanziellen Mittel, die Gebäude laufend instand zu halten, so dass die Gebäude baulich leider immer mehr verfielen. 2008 fasste die Politik den Beschluss, das Gebäude „Lange Rute“ abreißen und dort einen Neubau errichten zu lassen. Geplant war es, das Grundstück mit Erbbaurecht an einen Investor zu verpachten. Ein neues modernes Wohnhaus mit 22 Wohnungen sollte entstehen und 30 Jahre lang an die Stadt vermietet werden. Die Stadt Hemer hätte für die Anmietung von 30 Jahren etwa sieben Millionen Euro zahlen müssen.

Früher städtische Notunterkünfte - heute echte Sahne-Schnittchen. Die grundsanierten Häuser an der Ecke Bräuckerstraße/Brahmsstraße. (Foto: Claudia Eckhoff)

Eine genauere Prüfung der Wirtschaftlichkeit wurde angestellt, und es stellte sich heraus, dass ein Eigenbau durch die Stadt Hemer wesentlich günstiger war, als die jahrzehntelange Anmietung.

„Bruchbuden“ sollen weg!

Das neue Projekt wurde im Sommer 2009 in einer Bürgerversammlung präsentiert. In dieser Bürgerversammlung gaben die Anwohnerinnen und Anwohner allerdings deutlich zu verstehen, dass sie Notunterkünfte in direkter Nachbarschaft nicht länger hinnehmen wollten. Gründe dafür waren erhebliche Lärm- und Anwohnerbelästigungen. Und auch bautechnisch war das Objekt in den letzten Jahren extrem heruntergekommen, so dass eine Nutzung als Wohnhaus gar nicht mehr möglich war. Die städtebaulichen Auswirkungen auf die Umgebung waren nicht zu übersehen. Kurzum: Die Bruchbuden sollten weg!

Investor gesucht

Nachdem eine Bürgerinitiative gegründet worden war und zahlreiche Gespräche zwischen Politik, Stadtverwaltung und der Bürgerinitiative geführt worden waren, kamen Politik und Stadtverwaltung dem Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach: Die Stadt ließ ein neues dezentrales Konzept zur Unterbringung von in Not geratenen Bürgerinnen und Bürgern entwickeln. Da das Gesamtkonzept, Abriss, Neubau und Vermietung für die Lange Rute nun nicht mehr realisiert werden sollte, ergab sich für die Stadt Hemer auch keine Gesamtwirtschaftlichkeit mehr. Dies hätte bedeutet, dass das Gebäude noch mehr verfallen wäre. Um jedoch eine städtebauliche Lösung zu finden, suchte Andrea Wolf, Leiterin des Zentralen Immobilienmanagements (ZIM), einen Investor zwecks Sanierung der Immobilie.

Sanierung gelungen

Ende 2009 war es dann soweit, das ZIM schlug dem Betriebsausschuss und dem Rat der Stadt Hemer einen Mendener Investor, die Gebrüder Tierling, vor. Diese haben sich auf die Sanierung von maroden Immobilien spezialisiert und waren in Hemer keine Unbekannten. Schließlich haben sie vor rund acht Jahren bereits einen Hemeraner Fassadenwettbewerb gewonnen. Sie erwarben die Objekte – also die Bauten ehemals Lange Rute 25-33 und Bräuckerstraße 62 – im Mai 2010. Nach etwa sechs Monaten Bauzeit waren die Wohnungen an der Bräuckerstraße bezugsfertig und sind mittlerweile komplett vermietet. Das Gebäude an der heutigen Brahmsstraße soll bis spätestens April 2012 fertig gestellt sein. Die Hälfte der Mietwohnungen ist bereits reserviert.

Zum Wohle des Stadtbildes wurde es geschafft, die alten Bruchbuden in mustergültige Wohnungen zu verwandeln.

Am Donnerstag, 20. Oktober 2011, konnten Bürgermeister Michael Esken und Andrea Wolf, Leiterin des Zentralen Immobilienmanagements/ZIM) die grundsanierten, nun schmucken Objekte der Öffentlichkeit vorstellen. Manfred Tierling als Investor betonte: „Hier leben in Zukunft Familien mit Kindern, ältere Alleinstehende und junge Paare in gepflegter Umgebung zusammen. Wir legen Wert darauf, bei der Belegung der Wohnungen gut zu mischen.“ Zu den ebenerdigen Wohnungen gehören Gartengrundstücke. Die höher gelegenen Wohnungen profitieren von den neu angebrachten weitläufigen Balkonen zur Gartenseite.