Cari-Point lädt zur Feier

Suchttherapeutin Uta von Holten und Cari-Point-Gruppenleiter Peter freuen sich auf die Weihnachtsfeier. (Foto: Caritas)

Iserlohn. (Red.) Peters Erfahrungen sind Gold wert. „Mit Therapien kenne ich mich aus“, sagt der 60-Jährige. Nicht selbstbewusst klingt dies. Sondern lebenserfahren. Entzug, Therapie, ambulante Nachsorge, Selbsthilfe – Peter weiß genau, wovon er spricht. Und er weiß daher, was er nicht will. „Keinen erhobenen Zeigefinger“, sagt der trockene Alkoholiker. „Gespräche auf Augenhöhe sind wichtig. Mir hilft es nicht, wenn jemand erzählt, dass er seit 30 Jahren nicht mehr trinkt. Da bekomme ich nur Angst, es selber nicht zu schaffen.“ Also gründete Peter eine eigene Selbsthilfegruppe (SHG).

Suchthilfe im reinsten Sinne

Begleitet von der Psychosozialen Suchtberatung des Caritasverbandes Iserlohn leitet Peter seit August nun jeden Mittwochabend den „Cari-Point“. „Wir möchten damit verdeutlichen, dass die Caritas uns bei unseren Problemen immer hilft“, erklärt er den Namen der Gruppe. Das bestätigen die anderen neun Besucher an diesem Abend. Sie alle kommen in die selbstständig geführte Selbsthilfegruppe der Caritas, weil sie das Gleiche suchen, wie Peter: „Suchthilfe im reinsten Sinne. Wir reden eigentlich über alles. Aber: Keiner „muss“ hier etwas sagen. Jeder ist willkommen, erst einmal nur zuzuhören.“

So geht es in den zwei Stunden im Tagungsraum in der Karlstraße um alles, was die Runde bewegt. So unterschiedlich die Süchte sind – Alkohol, Medikamente oder Drogen -, so ähnlich sind die Sorgen und Probleme, die aufkommen. „Rückmeldung ist das wichtigste“, sagt Harry. Das lerne man auch in den stationären Therapien, das setze sich im Alltag einer Selbsthilfegruppe fort. Denn mit dem Schildern eines Problems – ob in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz, mit der Arbeitsagentur, mit Tod und Trauer – gibt man nicht nur ein Stück davon ab, zumeist erfährt man auch, dass es anderen Süchtigen ganz ähnlich ging oder geht. Und so profitiert ein jeder vom Austauasch, selbst wenn er nur zuhört.

Niedrige Schwelle

Peter setzt die Schwelle bewusst ganz niedrig an. „Zunächst muss man Vertrauen fassen“, sagt er. Wichtig sind ihm „offene Gespräche“. Selbsthilfe-erfahren sind die meisten Teilnehmer und Teilnehmerinnen. „Ich war in einer Gruppe, da bin ich gar nicht gerne hingegangen. Denn ich kam mit mehr Sorgen wieder raus als ich hingetragen habe“, erinnert sich Teilnehmerin Anne. Hier sei das anders – ohne dass die Probleme verharmlost werden. Denn die treiben sie alle um. „Die Gefahr nach der Therapie wieder rückfällig zu werden, ist groß„, sagt Harry. „In der Therapie lebst du im geschützten Raum und alles ist prima. Ernst wird es erst wieder im Alltag.“ Da ist das Thema „Suchtdruck“, das sie alle kennen – und bei dem die Gruppe helfen kann, damit umzugehen.

„Es hilft den Teilnehmern zu hören, wenn jemand berichten kann, dass er diese Phasen auch durchgemacht hat“, sagt Uta von Holten, Suchtherapeutin der Caritas. Sie freut sich über das Engagement von Peter und seinen Mitstreitern, sieht sie es doch als gelungene Fortführung der professionellen Suchtberatung an. Bald hat die Gruppe das erste halbe Jahr hinter sich, dann erfolgt die offizielle Eintragung als Selbsthilfegruppe. Das wiederum sichert die finanzielle Unterstützung durch die Krankenkasse. Auch die Aufnahme in den Selbsthilfegruppen-Führer für den Märkischen Kreis kann dann erfolgen.

Eingeladen

Da kommt die Weihnachtsfeier am Mittwoch, 15. Dezember, gerade recht. Von 17.30 bis 19.30 Uhr trifft sich Cari-Point in der Karlstraße 15 – und freut sich über interessierte Gäste. Eingeladen sind Betroffene und derne Angehörige, Teilnehmer und Teilnehmerinnen anderer Selbshtilfegruppen und Mitarbeiter und Cari-Point-Selbsthilfegruppe für Menschen mit einer Alkohol-, Medikamenten- und/oder Drogenabhängigkeit, mittwochs, 17.30 bis 19.30 Uhr, Karlstraße 15, iselrohn.