Damit Senioren weiter Auto fahren

Fahrsicherheitstraining hilft, Defiziten vorzubeugen

Fahrsicherheitstraining für Senioren
Mit ganzem Herzen für die Verkehrsunfallprävention im Einsatz: (v.l.) Andreas Filthaut, Uwe Düchting und Oliver Meyer mit Kurt. Die drei Polizeihauptkommissare sind auch aktiv, wenn es um Fahrsicherheitstrainings für Senioren geht. (Foto: A. Schneider)

Hemer/Iserlohn. 70, so sagt man, ist das neue 60. Und 80 wahrscheinlich das neue 70. Doch Hand aufs Herz: Auch wenn man sich als Silversurfer und aktiver Rentner zehn Jahre jünger fühlt, als der Personalausweis tatsächlich bezeugt – ein paar Wehwehchen oder Handicaps schleppt man doch mit sich herum. Die Augen gucken nicht mehr wie ein Luchs, sondern haben eher Maulwurf-Qualitäten angenommen, Beweglichkeit und Reaktion haben irgendwann begonnen, schleichend nachzulassen. Vielleicht ist jetzt genau die richtige Zeit, sich auch einmal im Straßenverkehr zu überprüfen. Bei einem Fahrsicherheitstraining für die Generation 65 plus beispielsweise. Solch ein Sicherheitstraining wird am Donnerstag, 23. August, um 9 Uhr auf dem Trainingsplatz neben dem Sauerlandpark, Sonnenblumenallee in Hemer, von Verkehrswacht Iserlohn, Kreispolizeibehörde und der Stadt Hemer angeboten.

Bevor es jetzt zu Missverständnissen kommt. „Wir nehmen niemandem den Führerschein weg“, sagt Andreas Filthaut, Kriminalhauptkommissar und Leiter der Dienststelle Verkehrsunfallprävention und Opferschutz bei der Kreispolizeibehörde. „Genau das Gegenteil ist der Fall“, ergänzt er. „Unser Ziel ist, dass Senioren weiter am Straßenverkehr teilnehmen, aber sicherer.“

Wie das geht? Uwe Düchting, Polizeihauptkommissar und vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat ausgebildeter und zugelassener Verkehrssicherheitstrainer, schmunzelt. „Ganz einfach“, sagt er. „Bei unserem Verkehrssicherheitstraining erlebt man, wo es vielleicht hapern kann.“ Denn neben einem theoretischen Teil geht‘s mit den eigenen Wagen raus auf die Piste. „Da muss man auch mal eine Vollbremsung machen“, sagt Uwe Düchting. Er weiß, dass bei dieser Übung schon einige Teilnehmer ins Grübeln gekommen sind. Sanft abbremsen, okay. Aber, wie es so schön heißt, voll in die Eisen zu steigen mit zwei neuen Hüften oder einem neuen Kniegelenk – das hat schon für so manchen Aha-Effekt gesorgt. Doch keine Angst: Wer um dieses Handicap weiß, kann sich wappnen. „Assistenzsysteme im Auto können helfen“, sagt Andreas Filthaut. Gemeinsam mit Uwe Düchting sagt er, wie das möglich ist: „Ein Brems- oder Notbremsassistent hilft, wenn es wirklich eng wird und eine Vollbremsung nötig ist. Ein Spurwechselassistent verschafft einem einen Rundumblick, auch wenn der Kopf vielleicht nicht mehr so ganz den Schulterblick schafft.“ So können persönliche Defizite wieder aufgefangen werden.

„Unsere Arbeit ist nicht messbar“, sagt Andreas Filthaut und spricht im Namen der gesamten Dienststelle Verkehrsunfallprävention und Opferschutz. Wenn die Kollegen vom Verkehrsdienst mit dem Radarwagen unterwegs sind und 20 Mal hat es geblitzt, dann wissen sie, dass sie 20 potenziellen Rasern etwas zu Denken gegeben haben. Aber wie misst man Prävention? Polizeihauptkommissar Oliver Meyer, der mit der Puppe Kurt und seinen Auftritten im Filmpalast beim Seniorenkino mit „Lotti und Kurt“ Kultstatus gewonnen hat, zuckt mit den Schultern. Er weiß, dass er sein Publikum zum Nachdenken und zum Lachen bringen kann. Und sonst? Andreas Filthaut präsentiert Zahlen: „Seit wir die intensive Aufklärungsarbeit unter anderem mit Lotti und Kurt und den Fahrsicherheitstrainings betreiben, sinken die Unfallzahlen mit Seniorenbeteiligung im Märkischen Kreis“, sagt er. „Das ist beeindruckend, weil die Zahlen in Nordrhein-Westfalen gestiegen sind.“

Konkret: Gerade in Iserlohn ging die Zahl der verletzten Senioren bei Verkehrsunfällen von 2015 bis einschließlich 2017 von 45 auf 30 zurück. Im Landesvergleich NRW sind sie hingegen im gleichen Zeitraum angestiegen – von 9.218 auf 9.611.
Alles eine Folge der Präventionsarbeit? „Wir hoffen es“, sagt Andreas Filthaut. „Wir sind mit Herz bei der Sache. Wir können aber nur Denkanstöße geben und hoffen, über das Herz die Köpfe unseres Publikums zu erreichen.“

Wer grundsätzliche Fragen zum Verkehrssicherheitstraining für Senioren hat, kann sich mit der Dienststelle Unfallprävention und Opferschutz in Verbindung setzen. Die Telefonnummern lauten 02374 / 5029-7071 und -7070.

Fahrsicherheit für Senioren: Anmelden

Die Verkehrswacht Iserlohn und die Kreispolizeibehörde MK, Dienststelle Verkehrsunfallprävention, laden in Kooperation mit der Stadt Hemer zu einem Senioren-Fahrsicherheitstraining am Donnerstag, 23. August, ein. Das Training beginnt um 9 Uhr auf dem Trainingsplatz neben dem Sauerlandpark, Sonnenblumenallee in Hemer. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde folgt der theoretische Unterrichtsteil, bevor mit den Fahrübungen begonnen wird.

Trainiert werden unter anderem Abbiegen und Spurhalten, Ausweich- und Bremsmanöver, Parken und Rangieren. Das speziell an die Bedürfnisse älterer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer angepasste Training schult die Fahrsicherheit und hilft, Unfälle zu vermeiden.

Eine vorherige Anmeldung ist aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl erforderlich. Die Kursgebühren in Höhe von 50 Euro werden am Veranstaltungstag bezahlt, wobei ein Mittags-Imbiss und Getränke im Preis inbegriffen sind.
Anmeldungen nimmt Marie-Luise Risse von der Fachstelle Senioren und Behinderte bei der Stadt Hemer unter Tel. 02372 / 551-267 (E-Mail m.l.risse@hemer.de) entgegen.