Danke, Micky Maus!

Iserlohn. (Red/clau) Es ist begeisternd, viel viele Leserinnen und Leser unserem Aufruf folgen und Zutaten für unsere diesjährige bunte Weihnachtsmischung einsenden. Vielen Dank dafür!

In der Iserlohner wochenkurier-Ausgabe vom 10. Dezember 2011 erzählt wochenkurier-Leserin Susanne Hilpke – von der Redaktion leicht gekürzt – , wie sie als Kind eine englische Weihnachtsfeier erleben durfte.

Nach wie vor begeistert Micky Maus alle Kinder. Kurz nach dem Krieg aber brachte die freche Maus für wochenkurier-Leserin Susanne Hilpke und viele andere Iserlohner Kinder bei einem englischen Weihnachtsfest einen wahren Lichtblick in Zeiten großer Not. (Foto: Claudia Eckhoff)

Dankbar sein

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging es den meisten Menschen schlecht, am schlechtesten wohl den Flüchtlingen und Vertriebenen. Sie kamen an mit nicht viel mehr, als dem, was sie auf dem Leib trugen und mussten dennoch dankbar sein, überlebt zu haben.

Dazu gehörten auch wir. Meine Eltern, meine ältere Schwester und ich lebten in einer Notwohnung und waren ganz einfach täglich mit dem Überleben beschäftigt. Unsere Eltern haben ständig zu unseren Gunsten verzichtet, um uns die Not zu erleichtern.

Zum Glück fand mein Vater dann eine Anstellung bei der englischen Armee: Das brachte neben einem kleinen Verdienst auch ab und zu ein Stückchen Weißbrot oder einen Keks für uns Kinder ins Haus.

Kurz vor Weihnachten kam mein Vater mit einer wundervollen Nachricht nach Hause: Die Engländer veranstalteten eine Weihnachtsfeier für die Kinder ihrer deutschen Mitarbeiter und auch meine Schwester und ich seien eingeladen!

Von Stund‘ an konnte ich an gar nichts anderes mehr denken. Das Wort „Weihnachtsfeier“ ließ mein Kinderherz höher schlagen.

Meine Mutter begann sofort, mit ihren bescheidenen Mitteln zu zaubern, nähte, strickte und arbeitete alte Sachen um, damit ihre Kinder bei dieser Feier genauso gut angezogen sein konnten wie die Einheimischen.

Meine Schwester und ich lernten jede ein Weihnachtsgedicht und dann waren wir bereit.

Der große Tag

Der große Tag kam und ich war aufgeregt wie nie zuvor. Im festlich geschmückten Raum waren in langen Reihen viele, viele Tische und Stühle aufgestellt, an denen schon einige Kinder saßen. Ein großer Weihnachtsbaum stand auf einer kleinen Bühne. Auf den Tischen wartete bereits an jedem Platz ein Teller voll rotem und grünem mit Vanillesoße übergossenen Wackelpudding. So etwas Schönes hatte ich in meinem kurzen Leben noch nie gesehen und schon gar nicht probiert. Ich kostete vorsichtig und fand den Geschmack himmlisch.

Wir sangen Weihnachtslieder, es wurde musiziert und auch ich durfte schließlich mein Gedicht vortragen. Dafür bekam ich – ein weiteres Wunder – einen ganzen Riegel Schokolade.

Dann löschte man das Licht und zeigte uns einen Micky-Maus-Film. Micky Maus und A-Hörnchen und B-Hörnchen feierten darin Weihnachten und fraßen den ganzen Weihnachtsbaum leer. Es war so lustig! Ich war vollkommen überwältigt, denn ich hatte bis dahin überhaupt noch nie einen Film gesehen und auch von Micky Maus noch nie etwas gehört.

Als das Licht wieder anging, kam ein Soldat mit einem großen Sack in den Saal. Darin waren für mich wunderbarer Weise und – wie ich heute weiß dem englischen Brauch entsprechend – mit Süßigkeiten gefüllte Weihnachtsstrümpfe, die der Soldat an uns Kinder verteilte. Es gab einiges Gedränge und ich dachte schon, ich bekäme keinen mehr. Als ich dann endlich einen ergattert hatte, hätte ihn mir keine Macht der Welt mehr entreißen können.

An diesem Abend schlief ich erschöpft von all‘ diesen märchenhaften Erlebnissen sofort ein. Am anderen Morgen fürchtete ich zuerst, es sei alles nur ein Traum gewesen. Doch vor meinem Bett lag der Weihnachtsstrumpf in seiner vollen Pracht!

Seitdem und bis heute habe ich eine ausgeprägte Schwäche für alles Britische. Das hat ganz sicher mit jener Weihnachtsfeier, mit Micky Maus und dem Weihnachtsstrumpf zu tun.

Glöckchen zählen

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