Demenz: So können Freunde helfen

Iserlohn. (Red.) Wenn Menschen an Demenz erkranken, bleiben
oft nur die Angehörigen als Bezugspersonen. Dabei sind gerade Freunde für
Demenzkranke sehr wichtig – wenn sie sich trauen, auf die Erkrankten zuzugehen.

Wie Menschen auf eine Demenzerkrankung im persönlichen Umfeld reagieren
können und was sie über die Krankheit wissen sollten, fasst Dr. Wolfgang Reuter,
Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung, zusammen.
1,6 Millionen Menschen sind laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG)
aktuell an Demenz erkrankt – mit steigender Tendenz. Die DAlzG geht davon aus,
dass sich die Zahl bis 2050 sogar auf etwa 3 Millionen erhöhen kann. „Umso
wichtiger ist es, dass die Menschen im Umfeld der Erkrankten verstehen, was
Demenz ist, und keine Berührungsängste haben“, so Dr. Wolfgang Reuter. Denn die
liebevolle Zuwendung von vertrauten Personen ist für ­Demenzkranke sehr
wichtig. Aus Hilflosigkeit und Unsicherheit meiden Freunde und Bekannte aber oft
den Umgang.
Erste Anzeichen
„Demenzkranke verlieren nach und nach ihre geistigen, emotionalen und
sozialen Fähigkeiten, auch die Sprache“, erklärt Reuter. „Die Krankheit führt
irgendwann zu einem schleichenden Verlust der Persönlichkeit.“
Demenz beginnt aber zunächst mit Kleinigkeiten: eine wachsende Zerstreutheit,
Schwierigkeiten beim Finden treffender Wörter oder Orientierungsprobleme. Findet
der langjährige Stammtischkollege plötzlich das Stammlokal nicht mehr oder
taucht im Sommer mit einem Wintermantel auf, könnten das erste Anzeichen für
eine Erkrankung sein.
„Bleiben solche Verhaltensweisen bestehen oder verschlechtern sich sogar,
dann ist es wichtig, sich nicht von den Betroffenen zurückzuziehen“, rät der
Gesundheitsexperte. „Ein Gespräch, vielleicht auch mit der Familie, kann
Freunden helfen, die Situation richtig einzuschätzen.“
Ist die Krankheit einmal erkannt, wählen viele Demenz­erkrankte eine
Behandlung mit Medikamenten. Die heilen die Krankheit zwar nicht, verlangsamen
aber ihr Fortschreiten. Mit einem verständnisvollen Umfeld können
Demenz­kranke so oft noch jahrelang ihrem gewohnten Alltag nachgehen.
Freunde können zum Beispiel dabei helfen, weiter Hobbys auszuüben oder
einfach nur mal spazieren zu gehen. Für Alleinstehende können Freunde auch eine
wichtige Stütze bei bürokratischen Anliegen sein, etwa wenn es darum geht, einen
Betreuer zu bestellen oder eine Haushaltshilfe zu finden.
Der Umgang mit Demenzerkrankten erfordert ein hohes Maß an
Einfühlungsvermögen und Geduld. Freunde sind dafür oft gut gerüstet. „Sie können
mit dem Erkrankten zum Beispiel über gemeinsame Erinnerungen sprechen und dabei
Fotos ansehen“, rät Reuter. Denn Freunde kennen die Vergangenheit des Patienten
zum Teil besser als die Familie: Sie teilen Erinnerungen an die gemeinsame
Schulzeit, an frühere Feste und Unternehmungen. Denn: Demente Menschen erinnern
sich meist besser an den Urlaub vor 20 Jahren als an das Frühstück vom Morgen.

Auf Vertrautes setzen
Auch bei gemeinsamen Aktivitäten ist es hilfreich, auf Vertrautes zu setzen,
beispielsweise ein Spaziergang zum Sportplatz, auf dem die Freunde früher
gemeinsam ­gekickt haben. Sind Aktivitäten oder Gespräche nicht mehr
möglich, können Freunde dem Kranken vorlesen oder mit ihm gemeinsam singen.
Nicht verwirren lassen sollten sie sich vom teilweise veränderten Verhalten
des Erkrankten: Manchmal erscheinen Demente mürrisch, unwillig oder aggressiv.
Das kann Teil der Krankheit sein. „Unter Umständen ist es dann besser, den
Besuch oder den geplanten Ausflug auf einen anderen Tag zu verschieben“,
­empfiehlt Reuter.
Generell gilt: Zeit, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, sich dem
Kranken anzupassen, sind die wichtigsten Dinge, mit denen eine Freundschaft
trotz Demenz weiterleben kann.