„Der Motor brummt“: Stellen auf Rekordniveau – Fachkräfte gesucht

Tanja Schubert (l.) und Sandra Pawlas konnten erfreuliche Zahlen für Jobcenter Märkischer Kreis und Agentur für Arbeit Iserlohn vorlegen. (Foto: A. Schneider)

Iserlohn. (as) Die beiden Damen strahlten mit der Wintersonne um die Wette. Kein Wunder: Sandra Pawlas, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Iserlohn, und Tanja Schubert, Bereichsleiterin des Jobcenters Märkischer Kreis, hatten Gutes zu verkünden: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Märkischen Kreis steigt. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Zahl der Stellen, die von Arbeitgebern an die Agentur für Arbeit gemeldet werden und die sie am liebsten heute und nicht erst morgen besetzt wissen wollen, erreicht Rekordniveau. 15.372 waren es Ende des vergangenen Jahres – und damit 1.840 mehr als im Jahr zuvor. „Der Motor brummt“, sagt Sandra Pawlas. Ein klein bisschen Wehmut legt sich aber doch in ihre Stimme: „Es wird immer schwieriger, die gemeldeten Stellen zu besetzen“, sagt die Agentur-Chefin. „Der Fachkräftemangel schlägt im Märkischen Kreis mittlerweile voll durch.“ Die Konsequenz: „Wir qualifizieren weiter.“ Umschulungen oder Ausbildungen sind bei arbeitssuchenden Menschen selbst im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt noch möglich.

Konkret: Im Jahr 2017 lag der Jahresdurchschnitt des Arbeitslosenbestandes bei 14.710 Personen. Das sind 2,1 Prozent weniger als im Jahresschnitt 2016. Über das Jahr gesehen hat sich die Arbeitslosigkeit um 1.811 Personen ermäßigt. Agentur-Chefin Sandra Pawlas erklärt: „Der Jahresdurchschnitt des Arbeitslosenbestandes war mit 14.094 Personen zuletzt 2008 niedriger. Ein tolles Ergebnis und eine deutlich bessere Entwicklung als wir für 2017 aufgrund der Ankunft vieler geflüchteter Menschen erwartet haben. Viele der Menschen mit Fluchthintergrund konnten im vergangenen Jahr schon in Arbeit integriert werden, andere hingegen werden weiterhin qualifiziert.“ Die Arbeitslosenquote lag im Jahresschnitt in 2017 bei 6,5 Prozent und ermäßigt sich damit zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkt.

Niedrigste Werte seit 2005

Erfreulich auch die Bilanz des Jobcenters: „Im Vergleich zu Dezember 2016 ist die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften um 0,8 Prozent auf 16.948 und die Zahl der vom Jobcenter betreuten erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Alter zwischen 15 und 65 Jahren um 1,2 Prozent auf 22.783 zurückgegangen. Dagegen hat sich landesweit bei beiden Kennziffern ein Zuwachs um 0,3 bzw. um 0,7 Prozent ergeben“, so liest sich der Jahresrückblick. Ein Rückgang um 0,8 Prozent mag nicht allzu überzeugend klingen. „Jedoch ist dabei zu berücksichtigen, dass sich der Zugang geflüchteter Menschen auch in 2017 weiter fortgesetzt hat. Bis Mitte des Jahres lagen die monatlichen Zugänge bei durchschnittlich 143 Personen“, sagt Tanja Schubert. „Ohne Berücksichtigung dieses Personenkreises ist die Anzahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten auf 20.244 und die Zahl der Bedarfsgemeinschaften auf 15.179 zurückgegangen. Damit werden die niedrigsten Werte seit Einführung des SGB II erreicht.“ Die niedrigsten also seit 2005.

Immer mehr Langläuferstellen

„Die Arbeitgeber haben den demografischen Wandel im Blick“, sagt Sandra Pawlas. Auch daher kommt die Vielzahl an Stellenmeldungen, die bei der Agentur für Arbeit in Iserlohn eingehen. Doch hier gibt es ein kleines Problem. „Wir haben immer mehr sogenannte Langläuferstellen“, sagt Sandra Pawlas. „Das sind Stellen, die sehr lange offen bleiben und nicht besetzt werden können.“ Woran das liegt? „Arbeitgeber suchen natürlich nach ihrem Wunschkandidaten“, sagt die Agentur-Chefin. Nicht jeder Bewerber, den die Agentur vielleicht vorschlägt, entspricht diesen Wünschen. Aber gerade Fachkräfte sind rar im Märkischen Kreis. Sie werden händeringend gesucht. Sandra Pawlas wünscht sich, dass Arbeitgeber auch den Kandidaten, die auf den ersten Blick vielleicht nur zweite Wahl sind, eine Chance geben. Mit Eingliederungszuschüssen, Weiterbildungen oder Qualifizierungen können vielleicht vorhandene fachliche Defizite wieder ausgeglichen werden. Gleiches gilt für all diejenigen, deren Beruf sich im Zeitalter der Digitalisierung verändert: Ohne verstärkte Bildungsangebote und ohne einen Einstieg in lebenslanges Lernen werden viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Beruf nur noch schwer ausüben können.

Ausbilden und Umschulen

Der Ausblick auf das Jahr 2018 ist für Sandra Pawlas gleichsam ein Appell an Arbeits- und Ausbildungssuchende, an Arbeitgeber und an das eigene Team: „Es wird im Besonderen auch 2018 darum gehen, arbeitssuchende und arbeitslose Personen für Weiterbildungen zu gewinnen – der Märkischen Kreis benötigt schließlich Fachkräfte.“ So haben sich die Mitarbeiter der Arbeitsagentur und des Jobcenters auch für 2018 mit individuellen Qualifizierungsangeboten für Arbeitssuchende auseinandergesetzt, um veraltete Qualifikationen aufzufrischen oder ungelernte Arbeitnehmer zu Fachkräften umzuschulen.

Sandra Pawlas: „Wir lassen auch in 2018 niemanden hängen – der Arbeitsmarkt braucht alle – und es wird bedeutender denn je, auch Menschen, die lange arbeitslos waren oder gesundheitliche Einschränkungen haben, mit ihren Stärken zu betrachten und einzustellen.“