„Der Teufel von Bremen“

Karl-Heinz Ohly wartet gespannt auf das Erscheinen seines neuesten Buches - eines dramatischen Seeabenteuers rund um den legendären Kapitän Ludwig Leopold, den man den „Teufel von Bremen“ nannte. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Als „Teufel von Bremen“ ist er in die Seemannsgeschichte eingegangen. Den „Deubel van Vegesack“ nannte man den Kapitän der „Poseidon“ auch. Berühmt war der in Bremen allgemein und von seinen Matrosen und Offizieren im Besonderen verehrte Ludwig Leopold wegen seiner „Sturmfahrten“ nach Indien und Südamerika und wegen seiner rücksichtslosen Fahrten um Kap Hoorn.

Unter dem Titel „Peter und das Meer“ hat der Iserlohner Autor Karl-Heinz Ohly etliche Schelmenstücke des legendären Kapitäns und die Rekordfahrten der „Poseidon“ zu einem spannenden Buch verarbeitet, das in Kürze erscheinen soll.

Aus Tagebüchern des Vaters

Grundlage für das Werk sind Tagebucheintragungen von Alexander Ohly, dem Vater des Autors, der seinerzeit 1. Steuermann auf dem Segelschiff war. In vier Bänden hat er festgehalten, wie es an Bord zuging, was die Seeleute erlebten und auszuhalten hatten.

Ein einzelnes Kapitel – „Schneller als der Tod“ – aus dem neuen Werk ist bereits vor einigen Jahren als Ohlys Beitrag zum Jahresbuch des Autorenkreises Ruhr-Mark, dem er angehört, erschienen. In diesem Kapitel legt sich der hier „Pollmann“ genannte Kapitän mit allen Naturgewalten an und peitscht Schiff und Mannschaft durch den Orkan, um das Leben seines 1. Steuermannes zu retten, dem der Blinddarm durchzubrechen droht.

Ein echter „Seewolf“

In voller Fahrt jagt hier der Leser mit der Besatzung durch den Sturm. Zitat: „Jetzt raste das Schiff mit 13 Meilen nach Osten und teilte mit haarscharfem Bug die Wellen, die an beiden Seiten des Schiffes weiß schäumend vorüberglitten. Am Heck aber gurgelte und brodelte es wie in einem Hexenkessel. Milchig weißer Schaum zeichnete die schnurgerade Kiellinie, die durch nichts unterbrochen wurde.“

Ein bisschen erinnert der Kapitän, so wie Karl-Heinz Ohly ihn zeichnet, an den unvergessenen Raimund Harmstorf  in der Rolle des „Seewolf“. Zitat: „Mit weit aufgerissenem Wollhemd, die Hände auf dem Rücken, so stand er breitbeinig auf dem Achterdeck. Der lange Vollbart bedeckte die nackte Brust. Er war stolz auf sein Schiff, stolz auf seine Besatzung; er kam sich vor wie ein Sieger gegen die Elemente Wasser und Wind.“

Im Projekte-Verlag in Halle an der Saale soll das Buch erscheinen und dann für 14 Euro in den Handel kommen.

Selbst in Seenot

Fertig ist das Buch schon lange. Aber Karl-Heinz Ohly hatte in den letzten Jahren weder Zeit noch Kraft, sich darum zu kümmern. Sein eigenes Lebensschiff befand sich in stürmischer See und drohte zu kentern.

Vielen Iserlohnern ist der einst in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Presse höchst quirlige „Sparkassen-Mann“ ein Begriff. Den lebenslustigen Rheinländer hatte der Beruf 1964 in die Waldstadt verschlagen. Dort hatte das Ehepaar sich bald bestens eingelebt: Iserlohner Bürgerschützen, Kegeln, Schwimmen, Waldstadtchor  – überall waren die Ohlys zuhause und gern gesehen.

Schreiben für andere

Allein 23 Bücher hat der schreibfreudige Karl-Heinz Ohly in all den Jahren verfasst. Etliche Geschichten, Glossen, Leserbriefe und Veröffentlichungen machten ihn einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Bei seinen Büchern ganz unterschiedlicher Art erfreute er sich großer Unterstützung durch seinen Arbeitgeber und verzichtete selbst zu Gunsten des Vereins „Euro Dial“, der sich für nierenkranke Kinder stark macht, auf ein Honorar. Beachtliche Summen kamen so stets für die rund 900 betreuten Kinder zusammen.

Schwere Krankheit

Für den wohlverdienten Ruhestand hatten sich die Ohlys viel vorgenommen. Aber nur kurz waren die Jahre der ungetrübten arbeitsfreien Lebens. Dann erkrankte Gustl Ohly schwer. Eine Blasenentzündung setzte sich rasch vergiftend bis zum Kopf vor und machte die lebenslustige Frau zum Pflegefall.

„Zwölf Jahre lang habe ich meine Frau gepflegt. Jeden Tag war ich mindestens sechs Stunden bei ihr im Krankenhaus, später im Pflegeheim“, erzählt Karl-Heinz Ohly. Es begann eine schwere Zeit, in der sich die meisten Freunde und Bekannten zurückzogen. „Meine Frau konnte ja auch kaum noch reden“, es fällt Karl-Heinz Ohly sichtlich schwer, davon zu sprechen. Am vertrauten Familienesstisch hat er gesessen all die Jahre lang und Zeile um Zeile geschrieben und geschrieben – immer in Rufweite seiner Frau.

Fast am Ende

Ausgerechnet am Tag ihres Todes vor zwei Jahren erhielt er die Räumungsklage – wegen Eigenbedarfs – für das Zuhause an der Letmather Straße, in dem die Ohlys fast dreißig Jahre lang gemeinsam daheim gewesen waren. Ein schwerer Schlag! – Kurze Zeit später rüttelte ein doppelter Herzinfarkt an Karl-Heinz Ohlys Leben.

Er hat es geschafft, hat standgehalten. Mühsam und langsam erholt er sich. In vielem stößt er nun an seine Grenzen, muss sich zügeln, geduldig sein. In kleinen Schritten geht es voran. Das Erscheinen seines See-Abenteuers  „Peter und das Meer“ allerdings wird ein großer Schritt für ihn sein – und sicher für viele Iserlohner Landratten ein echter seemännischer Lese-Genuss.