Der Trauer begegnen und sich dem Leben öffnen

„Zeitgeschenk“, der mobile Kinder- und Familienhospizdienst bietet am neuen Ort viel Raum für die Trauer und auch für das Leben. Koordinatorin Johanna Schwarte samt „Tränchen“ und „Sorgenschnüffler“ heißen Trauernde jeden Alters willkommen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) „Hätte ich doch gewusst, dass es so etwas gibt!“ – Diesen Satz hört Johanna Schwarte öfter. „So etwas“ – das ist der mobile Kinder- und Familienhospiz-Dienst „Zeitgeschenk“ unter dem Dach des Caritasverbandes. Johanna Schwarte arbeitet als hauptamtliche Koordinatorin des Projekts.

Sterbende begleiten Trauernde stärken

Mit derzeit 15 Ehrenamtlichen betreut sie seit der Gründung 2014 einhundert Fälle. Der mobile Hospizdienst gewährt Sterbenden und Trauernden, unabhängig von Alter, Weltanschauung, Religion und Nationalität eine einfühlsame und verbindliche Sterbe- und Trauerbegleitung auf dem persönlichen Lebensweg. „Betroffene Familien mit einem sterbenden Familienmitglied sehen ihre gemeinsam verbrachte und noch verbleibende Zeit als Geschenk. Manchmal heißt das auch für uns, Karten für ein Spiel des BVB auftreiben oder ein Kind in der Schule einfach begleiten. Sterbende sollen sich menschenwürdig vom Leben verabschieden können“, erklärt Johanna Schwarte. „Trauernde finden bei uns Trost in den Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit dem Verstorbenen. Sie sterben aber ja nicht mit. Wir helfen ihnen, sich im Leben neu zu orientieren.“

„Zeitgeschenk“ betreut Menschen in Iserlohn, Hemer, Menden, Balve und Umgebung. Der Bedarf ist so groß und drängend, dass das Projekt aus seinen viel zu engen Räumen an der Karlstraße in der Innenstadt ausziehen musste. Die neuen Räumlichkeiten im Dachgeschoss der St.-Josephs-Gemeinde an der Friedrich-Kaiser-Straße 28 in Iserlohnerheide sind ideal. „Wir haben hier ganz viel Platz“, freut sich Johanna Schwarte über die vielen lichtdurchfluteten, freundlichen Quadratmeter unter den Dachschrägen. „Und fast alles wurde uns gespendet – von der Fotowand, über die Sitzmöbel, bis hin zum Sandtisch, den uns ein Schreiner extra angefertigt hat und der uns solch gute therapeutische Dienste erweist“, sagt sie.

Hier gibt es große Tische für die Weiterbildung der Ehrenamtlichen, bunte Sitzsäcke für Kinder, Sessel für Erwachsene, eine Sofa-Landschaft zum Fläzen für Jugendliche. „Hier findet das Leben statt“, sagt Johanna Schwarte. „Bei uns sollen die Menschen sich wohlfühlen, sich im Austauschen stärken, Kraft und Freude und neuen Mut tanken.“

Es ist nie zu spät

Es gibt verschiedene Trauergruppen, weil es auch verschiedene Arten der Trauer und des Umgangs mit ihr gibt. Eine Gruppe besteht aus Kindern von sechs bis zwölf Jahren, eine aus Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren. Es gibt zwei verschiedene Trauergruppen für Eltern: Eine für Eltern, die ihr Kind durch Unfall oder Krankheit verloren haben, eine für Eltern, die mit einer Fehl- oder Totgeburt zurechtkommen müssen.

„Es ist nie zu spät für Trauerarbeit“, weiß Johanna Schwarte. „Man kann sie auch viele Jahre später noch nachholen.“

Aber sie weiß auch, dass viele Menschen sich erst überwinden müssen, Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich zu öffnen. Manchen gelingt das vielleicht eher in der „Pilger-Trauer-Wandergruppe“: Direkt hinterm Haus wandern die Trauernden hinaus in die Natur. Im weitläufigen Waldgebiet bekommen sie unterwegs immer wieder kleine „Impulse“ und Denkanstöße. Trauerarbeit mithilfe der Füße im Wald oder kindgerecht mithilfe kleiner gestrickter „Sorgen-Schnüffler“ – so individuell wie die Menschen selbst ist ihre Trauer.

„Zeitgeschenk“ arbeitet kos­tenlos, streng vertraulich und ist nicht konfessionell gebunden. Das Projekt ist vollständig auf Spenden angewiesen. Wer sich engagieren oder Spenden übermitteln möchte, findet mehr Infos unter www.zeitgeschenk.org. Kontakt zu Johanna Schwarte gibt es unter Tel. 02371 /  8186871 oder mobil unter Tel. 0151 /  12582717.