„Die Bühne ist ein Konzentrat, die Basis bin ich!“ – Interview mit Comedian Ralf Schmitz

Hagen/Hemer. (lz) Der ­Comedian und Enter­tainer Ralf Schmitz kommt am ­Freitag, 1. Dezember, um 19.30 Uhr mit seiner aktuellen Show „Schmitzenklasse“ in das Grohe-Forum im Hemeraner Sauerlandpark, im März kommt er auch nach Hagen. Es ist das sechste Live-Programm des Allround-Talents.

Unsere Volontärin Lara Zeitel hat ihm vorab ein paar Fragen gestellt:

Herr Schmitz, Sie sind Autor, haben Ihr eigenes Bühnenprogramm, sind Synchronsprecher, Filmdarsteller und „Take me out“-Moderator. Als Künstler sind Sie sehr vielfältig und breit aufgestellt. Empfinden Sie das als wichtig?

Wichtig? Ich denke, es ist ganz wichtig, dass man bei dem bleibt, was man gerne tut, was man gelernt hat, dass man weiß, wo man herkommt und was aus einem raus muss, das sag ich mal ganz vorsichtig. Aber dass man sich jetzt extrabreit aufstellt… ich weiß gar nicht, ob das notwendig ist. Bei mir hat sich das einfach so entwickelt. Das sind für mich Facetten des eigenen Berufes. Wenn man gerade etwas anderes macht und dann wieder etwas, das man vorher schon gemacht hat. Das finde ich ziemlich spannend. Tatsächlich finde ich es interessant, weil man dann eben wieder die Sinne schärft, und nicht in Routine verfallen kann. Das ist ganz praktisch. Und es macht einfach unglaublichen Spaß. Live aufzutreten, das muss ich gestehen, ist schon mein Steckenpferd. Das geb‘ ich zu.

Gab es Schlüssel­momente, dass Sie gesagt haben, ich will Comedian werden?

Ja, schon. Also, eigentlich wollte ich immer Schauspieler werden, was sich ja nicht ausschließt. Ich hab immer gesagt: ‚Ich möchte unbedingt auf die Bühne‘. Und ich komme ja vom Theater. Und der Humor, also das komische Fach, das hat sich mehr oder weniger ergeben. Ich hab es allerdings auch ausprobiert, muss ich gestehen. Ich hab in der Schule schon Sachen ausprobiert von Otto und ich hab von Loriot Sketche einstudiert und vorgetragen, ich hab Dinner-for-One ausprobiert. Und dann gab es eine Situation: Wir haben Shakespears‘ Sommernachtstraum gespielt und da wollte ich unbedingt den Charakter des Puck spielen, aber den bekam ich nicht – war total enttäuscht. Und dann, bekam ich eine kleine andere Rolle; die legte ich sehr komisch an und bekam Standing-Ovations – und das war für mich nochmal der Impuls: ‚Komm, super! Die Hauptrolle haste nicht gekriegt, aber trotzdem Standing-Ovations.‘ Ich hab mich demnach da schon immer sehr zuhause gefühlt.

Welcher Charakter waren Sie denn in der Schule?

Von außen schwer zu sagen. Also, sagen wir mal eine Mischung aus vielen Sachen. Ich war bestimmt der, der ein paar Einträge ins Klassenbuch bekommen hat, weil ich etwas vorlaut war, sag ich mal, aber ich war eben immer auch schnell. Es gab sogar eine Streberphase. Sehr lustig. Also keine Schleimerphase, nicht „dem Lehrer die Tasche tragen“, aber es gab wirklich eine Streberphase. Die Fotos von damals hab ich alle verbrannt. (lacht)

Kommen wir zum aktuellen Programm „Schmitzenklasse“. Kann man da schon ein bisschen mehr über den Inhalt verraten?

Ja, natürlich. Bei dem Programm bring ich zur einen Hälfte Improvisation mit, wie immer. Das heißt: es ist mir ganz wichtig, dass die Leute ihre Geschichten aus der Schulzeit mitbringen und sich auch einbringen können. Ich lern was über die Stadt, ich lern was über die Schule, ich lern vielleicht was über den Bürgermeister, ich lerne vor allem was über die Menschen, die im Zuschauerraum sitzen. Ich interviewe sie auch. Das nimmt dann etwa die Hälfte des Programms ein. Und die andere Hälfte, das sind die Sachen, die ich selber mitbringe. Ich hab zum Beispiel einen ganz schrecklichen Religionslehrer gehabt. Der war nicht streng oder böse, sondern der war langsam und der Unterricht ging einfach nicht rum, was eigentlich das Schlimmste von allem war. Das war ein richtiges Trauma. Und dann hab ich gesagt: ‚Komm, ich muss es irgendwie anders machen. Das Trauma muss überwunden werden‘ und so bin ich auf die Idee gekommen, Religionsunterricht interessanter zu gestalten. Das heißt, ich schalte durchs Fernsehen und erzähle anhand des heutigen Fernsehprogramms die Bibelgeschichte. Da sind dann Adam und Eva bei ‚Bauer sucht Frau‘. Bei ‚Wer wird Millionär‘ sitzt Noah und wird über Jesus ausgefragt. So muss man sich das vorstellen. Ich bring meine eigene Welt mit und lerne die der Zuschauer kennen. Jeden Abend anders. Macht sehr viel Spaß!

Wie Sie bereits erwähnt haben, treten Sie ja gerne persönlich an die Leute heran!

Genau!

Aus anderen Kontakten weiß ich, dass das für jemanden, der nicht so bühnen­erprobt ist, vielleicht auch mal peinlich sein kann. Was wäre Ihnen peinlich? Gibt es da was?

Die Impro hilft einem, im Leben alles weniger ernst zu nehmen. Das bedeutet nicht, den Respekt vor den Dingen zu verlieren oder die Ernsthaftigkeit der Dinge, aber die Improvisation hilft einem auch im echten Leben mit den Dingen so umzugehen, dass man sie besser einordnen kann, dass sie einen nicht ganz überrollen. Aber natürlich gibt es solche Momente. Was ist mir peinlich? Wenig tatsächlich. Wenn was schief geht, kann man‘s ja im Nachhinein, wenn man ehrlich damit umgeht, immer wieder eingrenzen oder rückgängig machen. Mir ist mal was passiert auf der Bühne, das war mir tatsächlich peinlich. Ich hatte drei Tage in Wuppertal gespielt und spielte danach in Stuttgart. Und komme in Stuttgart auf die Bühne und brülle: ‚Hallo Wuppertal!‘. Die Zuschauer fanden es nicht ganz so komisch im ersten Moment. Ich hab dann ein bisschen gebraucht und hab es dann aber mit viel ‚Es tut mir leid‘ und ‚mein Gott bin ich doof‘ zurückdrehen können.

Sozusagen der Eingangsgag dann!?

Quasi!

Passt man denn dann auch das Programm der Region an? Kann ein Bayer über dasselbe Lachen wie der Rheinländer?

Das hoffe ich doch, denn sonst würde das Programm nicht funktionieren. Aber ich hab den Vorteil, dass ich durch die Improvisation extrem auf die Region eingehen kann, d.h. ich habe einen Bayern, der mir etwas zuruft auf bayrisch, mit Dialekt vielleicht, oder auch ein Wort, was ich dann eben einbaue. Oder ich hab eine Bayerin mit auf der Bühne, dann versuche ich alles auch ortsansässig umzusetzen. Gerade das mit dem Dialekt versuche ich, je nachdem wo ich hinkomme. Das ist auch der Vorteil, dass ich die Leute eben interviewe. Das macht viel Spaß!

Wie sieht Ihr Freundes- und Bekanntenkreis aus? Ist der private Ralf Schmitz eher ein Typ, der auch gerne mal nicht redet – und worüber können Sie selbst am meisten lachen?

Ich glaube, dass der private Ralf Schmitz nicht weit weg ist, von dem Menschen, den man auf der Bühne sieht. Natürlich ist die Bühne ein Konzentrat, eine Reduktion auf Extreme. Aber die Basis, das bin natürlich ich! Da bin ich so, wie ich bin. Ich bin auch sonst nicht der Stillste, was aber nicht ausschließt, dass ich, wenn ich mit einem Freund über seine Probleme rede, natürlich die Klappe halten und gut zuhören kann. Ich hab keinen inneren Drang, permanent 24 Stunden am Tag mein Umfeld zu bespaßen. Ich hab da große Freude dran, aber das ist kein Zwang. (lacht) Ich hab ja ein großes Spielfeld beruflich, auf dem ich mich austoben kann, insofern haben da die Freunde vielleicht Glück, dass die Energie da nicht ganz so raus muss. Aber wie gesagt: ich verstell mich nicht wahnsinnig, das ist schon sehr nah dran.

Nun sagt ja Musik auch etwas über einen Menschen aus. Was hat Ralf Schmitz mit 18 gehört? Und haben Sie sich auch dementsprechend gekleidet?

Ja natürlich hab ich mich gekleidet. (lacht) Die meisten Fotos von damals, die hab ich gar nicht mehr. Die sind im Safe. Eingeschlossen. Tief im Keller vergraben. Musikalisch damals war es, was man eben so hörte. Das war ja ganz schrecklich. Das ging ja dann Mitte/Ende 80er los für mich. David Bowie, Michael Jackson, was man eben so gehört hat. Die ganze Popliste rauf und runter. Und im Speziellen: Ich hatte mal eine ganz verrückte Zeit. Da war ich auf Rondo Veneziano. Das darf man eigentlich gar nicht laut sagen. Das war ein Klassikverschnitt, dann ging es wieder zurück. Mittlerweile – und damals auch schon – bin ich dann beim Jazz gelandet, diese Musik schätze ich sehr, sie macht mir bis heute große Freude. Aber damals waren es natürlich die üblichen Verbrechen.

Wenn Sie etwas auf dieser Welt ändern könnten, was wäre das?

Auf dieser Welt? Oh! Du lieber Himmel, wie viel Zeit haben wir?

Eventuell Grundprinzipien, die Sie haben? Irgendwas, das Ihnen spontan einfällt?

Aggressionen, Kriege selbstverständlich. Jetzt kling ich ein bisschen wie die Schönheitsqueen die sich den Weltfrieden wünscht, aber, na klar, ist das ein Anliegen. Ignoranz finde ich zum Beispiel langweilig und anstrengend. Wenn Leute auf Dinge beharren, die Quatsch sind oder ihr Recht einfordern, auch Egoisten, die alles ignorieren, was um sie herum passiert – so etwas find ich extrem anstrengend. Das würde ich gerne abstellen. So Dinge, dass die Menschen mehr miteinander reden, mehr zuhören, mal drei Sätze mehr hinhören, bevor sie etwas entgegnen, damit sie verstehen, was der andere überhaupt meint, sprich: gegenseitig zuhören. Jetzt kling ich vielleicht wie ein Psychotherapeut, aber naja, Sie haben gefragt. (lacht) Und das Wetter würde ich hier und da wenn‘s geht – ich weiß wir brauchen das Wasser – ein bisschen besser machen.

Letzte Frage: Sehen Sie sich irgendwann mal als Rentner oder sind Sie der Meinung, dass sie Ihren Job auch noch einige Jahrzehnte machen wollen und können?

Ich fürchte von „wollen und können“ hängt das nicht ab. Ich fürchte, es geht hier um gar nicht anders können. Ich bezweifle, dass man wirklich aufhören kann. Es fällt einem sicherlich schwer. Sollte ich körperlich irgendwann nicht mehr zu dem fähig sein, dann ist es vielleicht was anderes. Oder wenn irgendwann die Stimme nicht mehr sitzt. Wenn man eine halbe Stunde braucht, um die Pointe zu liefern, dann sollte man vielleicht darüber nachdenken, in Rente zu gehen. Aber solange es noch geht, und so lang man mich lässt und mich sehen will, möchte ich gerne meinen Beruf ausüben.

Vielen Dank für das Interview und ganz viel Erfolg mit der Show!