Die Geschichte der Iserlohner Kreisbahn

Iserlohn. (th) Nur sehr langsam nähert sich der Zug seinem Ziel. Zahlreiche Menschen, die die Fahrt in Autos und auf Fahrrädern begleiten, verursachen ein kleineres Verkehrschaos. Geschmückt ist die Bahn mit Girlanden und Schildern, beschrieben mit „Letzte Fahrt!“ und „Auf Wiedersehen“. Es ist der 15. Dezember 1964, und zum allerletzten Mal sollte an diesem Tag der Güterverkehr der Iserlohner Kreisbahn (IKB) stattfinden.

Auf den Tag genau 51 Jahre später haben Dr. Rolf Löttgers und Wolfgang R. Reimann ihr Buch „Kleinbahn Westig-Ihmert-Altena und Iserlohner Güterbahn – Die Geschichte der Iserlohner Kreisbahn Band 2: Der Güterverkehr“ herausgebracht. Von den über 30 Büchern, die Dr. Rolf Löttgers und Wolfgang R. Reimann insgesamt schon veröffentlicht haben, gemeinsam oder einzeln, ist dieses das schönste Werk, da sind sich beide Autoren einig.

Viele Superlative

Immerhin 50 Jahre, also ungefähr seit es den Güterverkehr nicht mehr gibt, besteht der Plan auch schon, ein solches Buch zu machen. Durch dieses Thema lernten sich Löttgers und Reimann einst kennen, die seitdem bereits zwölf Bücher zusammen veröffentlichten, erst im vergangenen Mai Band 1 der Geschichte der Iserlohner Kreisbahn.

Dieses war die Pflicht, Band 2 nun ist die Kür, erzählen die beiden Autoren. Auf 190 beschreiben sie darin den Güterverkehr der Iserlohner Kreisbahn (IKB), der bis in die 1960er Jahre auf Teilen des Straßenbahnnetzes verlief.  Zeitweise war die IKB das mit Abstand größte Unternehmen seiner Art in Deutschland und der Güterverkehr brachte in Punkto Fahrzeuge. Betriebsteile und Fabrikanschlüsse viele Superlative hervor.

Lücke in der Literatur

Wolfgang R. Reimann (v.l.) und Dr. Ralf Löttgers präsentieren voller Stolz ihr neues Buch. Joachim von Rohr ist einer der vielen Zeitzeugen, die den Band mit eindrucksvollen Bildern unterstützt haben. (Foto: Tim Haacke)
Wolfgang R. Reimann (v.l.) und Dr. Ralf Löttgers präsentieren voller Stolz ihr neues Buch. Joachim von Rohr ist einer der vielen Zeitzeugen, die den Band mit eindrucksvollen Bildern unterstützt haben. (Foto: Tim Haacke)

Dennoch fand dieser bemerkenswerte Güterverkehr bislang kaum Beachtung in der Eisenbahnliteratur. Diese Lücke nun zu schließen, macht Löttgers und Reimann besonders stolz. Insgesamt 58 Farb- und 342 Schwarzweiß-Abbildungen ergänzen die informativen Texte und erwecken dieses Stück Geschichte regelrecht zum Leben.

Das im Verlag „DGEG Medien“ erschienene Werk ist für 39,80 Euro im örtlichen Buchhandel sowie unter ISBN 978-3-937189-89-5 erhältlich. Der erste Teil ist mittlerweile ausverkauft – die Autoren sind jedoch guter Dinge, dass es genügend Nachfrage für eine Neuauflage geben wird.

Unter den Jugendlichen, die am 15. Dezember 1964 die letzte Fahrt des Iserlohner Güterverkehrs verfolgten, befand sich übrigens auch Ralf Löttgers. An jenem Tag musste er seine Abiturprüfung im Fach Deutsch absolvieren – und gab diese früher ab, um die Fahrt mitzuerleben. Diese Leidenschaft für das Thema spiegelt sich in dem Buch deutlich wider.