Die Mischung macht's

Christian Stampe organisiert den Schützenfestzug seit 13 Jahren. Nur als er selbst König war, konnte er nicht ganz den gewohnt vollen Einsatz bringen. Jetzt freut er sich auf die stressigen Tage. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Dieses Jahr wird Christian Stampe als Vorsitzender der Festzugkommission wieder an der Annastraße stehen, wo der Festzug zum Schützenfest seinen Anfang nimmt. In den letzten zwei Jahren war er dort „verhindert“ durch ein hohes Amt: Zwei Mal durfte er, statt im Hintergrund zu dirigieren und alles im Blick zu behalten, selbst in edler Kutsche mitfahren. Diese für ihn ungewohnte ehrenvolle Aussicht von oben auf das vertraute bunte Treiben hat er als König 2009 und als Ex-König 2010 durchaus genießen können – trotz aller Nervosität.

Seit dreizehn Jahren organisiert er den Festzug, der in diesem Jahr am ersten Juli-Wochenende durch die Stadt rollen wird. Am Samstag, 2. Juli 2011, fahren ab 10.30 Uhr noch einmal Martina I. und Albert I. als Regenten mit. Wer am Sonntag, 3. Juli 2011, die Krone trägt und ab 15 Uhr in der hohen Kutsche fahren darf, wird am Samstag nach dem Zug ab 11.45 Uhr auf der Alexanderhöhe ausgeschossen.

Der schönste Moment

Der schönste Moment für die gesamte Festzugleitung, zu der auch Manfred Dirkling, Horst Krewett und Reimund Trebschuh seit vielen Jahren gehören, ist der, wenn der Sonntagszug auf der Alexanderhöhe ankommt. „Wenn alles gut geklappt hat, nichts weiter passiert ist und auch alle Pferde wohlbehalten oben angekommen sind, dann können wir durchatmen und endlich richtig feiern“, sagt Christian Stampe. Während der Vorbereitungszeit und während des Zuges selbst, weiß jeder im Team, woran er ist, was ansteht und wo es hakt. „Als ich König war, konnte ich mich absolut auf die Kommission verlassen. Die haben das ohne mich super hingekriegt.“ Genauso gut arbeiten der Kommission die jeweiligen Spieße der verschiedenen Einheiten zu: Sie stellen an den Antretelokalen die Marschblöcke zusammen, sorgen für Disziplin und für einen sauberen, ansehnlichen Auftritt. „Es wird wieder hart durchgegriffen: Wer Bierflaschen, Trillerpfeifen oder Wasserpistolen meint mitführen zu müssen, fliegt raus“, sagt Christian Stampe mit Bestimmtheit.

„Bürger-Schützen-Zug“

Bunt soll er sein, ansehnlich, abwechslungsreich - und das Leben der Stadt spiegeln. Wenn der IBSV zum Festzug bittet, geben die Partnerstädte dem Ganzen noch eine europäische Note. (Foto: Claudia Eckhoff)

Besonders wichtig ist ihm das „B“ auf der Fahne des Vereins. Nicht umsonst heißt es Iserlohner Bürger-Schützen-Verein. „Der IBSV-Festzug soll deshalb auch ein Zug von Bürgern für Bürger sein“, lautet Christian Stampes Ideal. „Er soll gut gemischt sein, unterhaltsam, ansehnlich – und vor allem das Leben in der Stadt zeigen, nicht nur innerhalb des Vereins.“

Rund 7000 Teilnehmer werden im großen Sonntagszug dabei sein. Mit circa 80.000 Zuschauern rechnen die Organisatoren. „Wir wollen auch all denen danken, die da kommen, an der Straße stehen und sich interessieren“, sagt Christian Stampe. „Für all diese Menschen tut man es ja letztlich. Wenn viele kommen, macht das ganze Organisieren erst richtig Freude.“

Publikumsmagnet

Martina I. jubelt neben König Albert I. beim Festzug 2010. (Foto: Claudia Eckhoff)

Gäste aus ganz Westfalen, aus ganz NRW werden anreisen, um diesen Zug mitzuerleben, der sicher deutschlandweit zu den größten und bedeutendsten gehört, die ein einzelner Verein durchführt. Nur einer zieht im weiten Umkreis mehr Publikum an als der Schützenkönig von Iserlohn: Der Prinz Karneval in Köln und Düsseldorf. Trotzdem: Nicht allen im IBSV ist es recht, dass so viele Nicht-Schützen am Zug teilnehmen: Diverse Sportvereine, Feuerwehr, THW, Floriansdorf, Abi-Jahrgänge, Tanzschulen, Pfadfinder, Schauspielensemble… – die ganze Stadt scheint beim Festzug auf den Beinen zu sein: Die einen laufen mit, die anderen flankieren den Zug aus Zuschauer. „Und die vielen tausend Zuschauer kommen doch nicht alle nur, bloß um uns Schützen zu sehen“, gibt Christian Stampe zu bedenken. „Die einen kommen wegen ihrer Enkelkinder, die anderen wegen ihrer Sportkameraden.“

Nach dem Zug ist vor dem Zug

Schon ab Oktober bekommt er die ersten Anrufe von Vereinen oder Gruppierungen, die anfragen, ob sie beim nächsten Zug mit dabei sein dürfen. Für viele ist der Zug eine hervorragende Werbegelegenheit. Man kann sich zeigen, sich darstellen, unterwegs etwas vorführen, Stimmung machen, Flyer verteilen, neue Mitglieder gewinnen. „Kommerzielle Werbung wollen wir nicht“, schiebt Christian Stampe den Riegel vor. Zeit sei es zudem für einen großen Dank an die Adresse der Iserlohner Ordnungskräfte, sagt er. „Gemeinsam sind wir gerade dabei, die immer wieder zum Beispiel durch für die LKW zu engen Kurven im Zug auftretenden unschönen Lücken in den Griff zu bekommen.“

Gute Mischung

Gute oder schlechte Züge gibt es nicht, meint Christian Stampe. „Auf die Länge und auf die Mischung kommt es an. Immer eine Kapelle, eine Schützeneinheit, ein paar Vereine, dann wieder eine Kapelle und so weiter.“

Viele alte Bekannte werden dabei sein, aber auch einige neue Gruppen. „Einen Riesen-Dank noch einmal an Ralf Schulte, der letztes Jahr das 10-Jährige des Floriansdorfes großartig in Szene gesetzt hat!“, sagt Stampe. Ein bestimmtes Motto gibt es aber in diesem Jahr nicht, dafür ein ganz besonderes Schlusslicht: Historische Traktoren der Landwirtschaftsfreunde Grüne werden verhindern, dass der letzten Gruppe schon die Kehrmaschinen in die Hacken fahren.

Alle Achtung!

„Achten Sie bitte unbedingt gut auf Ihre Kinder, wenn die sich vor den großen Wagen nach den Bonbons bücken“, mahnt Christian Stampe die Zuschauer.

Wer dann die Alexanderhöhe am Ende froh, aber ausgetrocknet erreicht, wird an der Wasserstation von Roy van der Lingen erquickt. – Ob dem „Wassermann“ die Stadtverwaltung wieder mit Abschleppen drohen wird wie im letzten Jahr?