Die Tuch-Prinzessin

Iserlohn. (Red/clau) Theodore Luise Rupe wurde im Mai 1778 in eine der bedeutendsten Kaufmannsfamilien Iserlohns geboren. Über sie berichtet Marlis Gorki in der heutigen folge der Wk-Reihe „Lebensbilder“.

Theodore Luises Vater Johannes Rupe war Tuchmacher und Textilfabrikant und Inhaber des Handelshauses Johannes Rupe & Co. Ihm gehörten drei Garnbleichen. Eine ließ er 1771 im Lohkamp bauen. Das nötige Wasser dazu leitete er ab 1772 aus einem Teich in der Maismecke – dem heutigen Rupenteich.

Was für ein Haus!

Als Luise ein kleines Kind war, baute ihr Vater 1783 nördlich des 1702 errichteten Lager- und Packhauses der Firma Rupe (heute Am Dicken Turm 9-13) ein repräsentatives Wohnhaus. Er setzte es auf die ehemalige Iserlohner Stadtmauer beziehungsweise über den dazugehörigen Graben.

Dieses Bauwerk war  zu seiner Zeit das größte Wohnhaus in Iserlohn. Noch heute ist es stadtbekannt als das „Von-Scheibler-Haus“. Es beherbergt die Städtische Galerie, ein Restaurant und im ehemaligen Kutscherhaus das Studio des Bürgerradios.

Standes- und klassenbewusst

Die Familie Rupe gehörte zur Spitze der Iserlohner Gesellschaft. Dementsprechend standes- und klassenbewusst wurde die Tochter Luise erzogen.  Als sich ihr Hauslehrer Gutbier eines Tages zwar nicht in sie, aber in ihre Freundin Friederike Löbbeke, die ebenfalls aus bestem Iserlohner Hause stammte, verliebte, drohte ein Skandal. Die Rupes baten ihren Vertrauten Peter Eberhard Müllensieffen, den späteren Landrat, sich der peinlichen Sache diskret anzunehmen. Durch eine lange „moralische“ Vorlesung gelang es ihm, den verliebten jungen Mann wieder auf die sich geziemende Distanz zu bringen. Das Vertrauen seiner Auftraggeber hatte der Pädagoge aber hiermit verwirkt. Nach der Konfirmation Luises wurde er entlassen und in seine Heimat zurückgeschickt.

Spektakuläre Verbindung

Luise Rupe heiratete 1797 mit 19 Jahren den aus einer berühmten und einflussreichen Monschauer Tuchmacherfamilie stammenden Friedrich von Scheibler.
Diese spektakuläre Ehe dürfte die Hagener Unternehmer-Familie Moll vermittelt haben. Die Molls waren familiär mit dem Monschauer Scheiblers und mit den Rupes aus Iserlohn verbunden.

Auch zur Industriellenfamilie Harkort gab es gemeinsame verwandtschaftliche Bande. Durch diese Ehe kam nun zum ersten Mal ein Mitglied eines überregional bedeutenden und sehr vermögenden  Kaufmannshauses nach Iserlohn. Der „Rückenwind“ aus Monschau förderte die Geschäfte. Das Unternehmen Rupe galt bald als das – mit Abstand – reichste in Iserlohn.

Die Iserlohner Kaufmannschaft akzeptierte den zugezogenen Friedrich von Scheibler  als ihren Sprecher und später während der französischen Besatzungszeit sogar als Stadtoberhaupt, den damals sogenannten „Maire“.

Die Eheleute von Scheibler hatten viele gesellschaftliche Kontakte, durch ihre christliche Haltung auch zu verschiedenen Pfarrern wie dem westfälischen Pfarrer-Original Johann Abraham Strauß, der die Bauernkirche betreute.

Im Jahr 1824 stirbt Friedrich von Scheibler mit nur 47 Jahren. Als vierfache Mutter wird Luise 46-jährig Witwe. Die älteste Tochter Julie hatte 1823 den Freiherrn Ludwig von Elverfeldt geheiratet und wohnte im Haus Villigst. Zu ihr zog Luise und half bei der Erziehung ihrer Enkel. Durch eine Enkeltochter bekam sie Kontakt zu Pfarrers-Familien in Möttlingen und Bad Boll. In Bad Boll stirbt Luise von Scheibler 1853 mit 75 Jahren.

Haus im städtischen Besitz

Das Iserlohner Von-Scheib- ler-Haus wurde 1840 für 13.000 Taler an die Stadt verkauft, die dort zunächst ab 1843 eine evangelische Volksschule einrichtete. Das Haus ist bis heute im städtischen Besitz.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde gekürzt. Das Original hat Marlis Gorki aus diversen Quellen zusammengestellt. Anregungen, Ergänzungen, Fragen oder Tipps zu Theodore Luise Rupe sind ihr willkommen unter Tel. 02371/ 32365.