Donnernde Grüße von der Kriegsfront

Neujahrsgrüße
Grüße aus dem Krieg. Mit dieser Neujahrskarte grüßten Soldaten aus Lüdenscheid ihren Chef (1915). (Foto: Kreisarchiv/Märkischer Kreis)

Märkischer Kreis. (pmk) Was heute schnell über E-Mail oder Messenger-Dienste versendet werden kann, wurde vor über hundert Jahren noch mit Briefen und Postkarten übermittelt: Wünsche zum neuen Jahr.

Der Jahreswechsel lädt dazu ein, sich gegenseitig Grüße mitzuteilen. In vergangenen Zeiten war es üblich, sich Briefe – ab der Mitte des 19. Jahrhundert auch Postkarten – mit guten Wünschen für das neue Jahr zu schicken. „Dieser Brauch beginnt ab dem 17. Jahrhundert im Adel und breitet sich mit der Zeit auch im Bürgertum aus“, weiß Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski. In überschwänglicher und gestelzter Ausdrucksweise wurde sich ein erfolgreiches und behütetes Jahr gewünscht.

Aus diesem Brauch heraus ergibt es sich, dass Kinder Neujahrsbriefe in nicht weniger geschwollenen Worten an ihre Eltern schreiben. Als Beispiel zeigt die Archivarin einen aufwändigen Brief des damals zehnjährigen Fritz Thomée, späterer Landrat des Kreises Altena. Der junge Thomée dankt seinen „treuesten Eltern“ für die „unzähligsten Wohltaten“ und deren „Liebe und Güte“ im zu Ende gehenden Jahr 1872. „In den bürgerlichen Schichten wurde es von den Kindern erwartet, dass sie entsprechende Briefe an ihre Eltern, Großeltern oder Paten schrieben“, weiß Todrowski. Sie vermutet, dass diese Schreiben in der Schule geübt wurden. Dennoch gibt die Ausdrucksweise Einsicht in den damaligen sozialen Umgang der Kinder mit den Eltern.

Neujahrsgrüße
Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski zeigt historische Neujahrsgrüße. (Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis)

Auch aus den Nachlässen der berühmten Lüdenscheider Familien Habbel und Holzbrinck und den Industriellenfamilien Basse und Selve lassen sich Grüße wie „will ich dich auch künftig glücklich sehen“ aus dem Jahr 1894 lesen.

Als Kontrast zeigt Dr. Christiane Todrowski eine Neujahrskarte aus der digitalen Bilddatenbank des Kreises: Mitarbeiter der Lüdenscheider Firma Brauckmann & Pröbsting schickten 1915 ihrem Chef von der Kriegsfront eine Motiv-Postkarte mit „donnernden Grüßen“ für das neue Jahr. Auf der Karte ist ein feuerndes Kanonengeschütz abgebildet.

Das Aufkommen der Feldpost verbreitete Postkarten in hohem Maße. Geschätzt wurden zwischen 1880 und dem Ende des 1. Weltkrieges jährlich Milliarden an Postkarten versandt. Auffallend ist, dass Postkarten früher einen sehr hohen Stellenwert genossen, was sich daran zeigt, dass sie lange gesammelt und aufbewahrt wurden. Heute werden in Deutschland immer noch um die 200 Millionen Postkarten jährlich verschickt – ein großer Anteil davon in den Sommermonaten als Urlaubsgruß.