„Durchbeißen bringt‘s!“

Diese Idee sollte Schule machen: Eisstar Christian Hommel (re.) und Psychologe Thomas Graumann machen Jugendlichen richtig Mut unter dem Motto „Durchbeißen bringt‘s!“ (Foto: Claudia Eckhoff)

Hemer/Iserlohn. (clau) Dass er auf dem Eis eine gute Figur macht, weiß im weiten Umkreis des Seilersees jedes Kind. Dass IEC-Star Christian Hommel die Sprache der Jugend spricht und weiß, was sie bewegt, liegt nahe. Aber wer unter seinen Fans hätte gedacht, dass er auch als Coach ein echtes Supertalent ist, reden kann wie ein Wasserfall, den absolut richtigen Ton trifft und dazu noch locker vor Live-Publikum und laufender Kamera einen halben Schauspieler abgibt?

„Wir machen hier heute ein Experiment“, sagte im Vorfeld der Iserlohner Psychologe Thomas Graumann, der im Pbz, dem Psychologischen Beratungszentrum, Am Zeughaus 1, seit einiger Zeit mit Christian Hommel arbeitet.

Ein Experiment

Zu diesem Experiment waren rund zwanzig Schüler vorwiegend der 8. Klasse der Hauptschule Parkstraße in Hemer ins Jugend- und Kulturzentrum Hemer eingeladen worden.

Zusammen mit dem Schulsozialpädagogen Stefan Dudeck kamen die Jungs am Dienstagmorgen pünktlich und gutgelaunt im Seminarraum an. Sie waren gespannt, was Christian Hommel ihnen als Mut-Macher zum Thema „Durchbeißen bringt‘s!“ zu sagen haben würde.

Für Eisstar Hommel war es ein Heimspiel im besten Sinne. Als selbst gebürtiger Hemeraner und selbst ehemaliger Schüler der Hauptschule Parkstraße fand er sofort den direkten Draht zu den Jungs. „Seid ihr freiwillig hier oder hat man euch gezwungen?“, fragte er grinsend als Erstes.

Ein Heimspiel

Er sei in Hemer geboren, in Westig aufgewachsen und mittlerweile dreißig Jahre alt. Er habe einen zweieinhalbjährigen Sohn, sei Eishockeyspieler, genauer: gelernter Stürmer, trage immer die Nummer 61 und habe nach der Hauptschule noch am Berufskolleg in Menden den Realschulabschluss gemacht – so hörten die Jugendlichen. Dabei habe er immer nur eins wirklich gewollt: Eishockey spielen!

Der Weg zum Erfolg

„Was meint ihr, wie habe ich es geschafft, mein Ziel zu erreichen? Was braucht es dazu, erfolgreich zu sein?“, fragte er in die Runde.

Jeder musste sich äußern, keiner durfte kneifen: Anstrengung, Üben, Motivation, Energie, Talent, Ehrgeiz, harte Arbeit, Vorbilder, Unterstützung, ein klares Ziel vor Augen, Mut, Durchhaltekraft, Unerschrockenheit, Zähigkeit, nicht aufgeben, Rückschläge wegstecken – die Liste der Schüler war lang.

„Ihr wisst ja schon alles! Dann kann ich eigentlich gleich wieder gehen!“, lachte Christian Hommel und ging natürlich nicht.

Jeder hat seine Chance

So kennt man ihn: IEC-Starspieler Christian Hommel. Schüler können ihn jetzt aber auch von einer anderen überraschenden Seite kennenlernen. (Foto: XY)

Er blieb und breitete sein ganzes bisheriges Leben mit allen seinen Höhen und Tiefen, mit Ecken und Kanten, mit Erfolgen und verzweifelten Niederlagen vor seinen jungen Zuhörern aus. Sie hörten ihm zu wie sie vielleicht gewöhnlich nicht jedem zuhören: Sie hingen an seinen Lippen und ließen ihn nicht aus den Augen.

Seine Botschaft kam klar rüber: Jeder hat seine Chance, jeder kann etwas aus sich machen. „Selbst wer am Boden liegt, hat immer zwei Möglichkeiten“, sagte der Starspieler. „Entweder liegen bleiben oder zeigen, dass er Mumm hat und wieder aufstehen.“

Jeder müsse seinen eigenen Stil, seinen eigenen Weg finden. Aber ankommen könne nur, wer auch ein Ziel anpeile. Um Vorurteile müsse man sich nicht scheren, meint der Spitzensportler. Menschen, auf die man sich wirklich verlassen könne, habe man letztlich nur sehr wenige. „Ich trage die Nummer 61 für meine Mutter. Es ist ihr Geburtsjahr. Sie hat mich bedingungslos unterstützt und sich meine erste Ausrüstung echt richtig vom Munde abgespart.“

Das Ziel fest im Kopf

An Rückschlägen könne man erstarken. Manchmal käme man nur auf Umwegen zum Ziel und müsse auch schon mal Rückschritte hinnehmen. Hauptsache man habe sein Ziel ganz fest im Blick! „Euer Weg wird echt steinig werden“, sagte Hommel seinen atemlosen Zuhörern. „Ihr müsst eure Ziele so in eurem Kopf festigen, dass da nichts und niemand mehr dran rühren kann.“

Wie man das macht, welche Tricks und Kniffe dabei helfen, wie man den inneren Schweinehund überwindet, was man besser lassen sollte und wie man verhindert, dass man sich am Ende selbst ein Bein stellt – davon hatte der Eisstar vieles zu berichten.

Im Spiegel

Zum Schluss schenkte er jedem der Jungen einen kleinen grünen Taschenspiegel mit Autogramm auf der Rückseite. „Grün ist die Hoffnung. Guckt da von jetzt ab jeden Tag rein. Sagt dem, den ihr da seht: ,Du bist selbst für deinen eigenen Mist verantwortlich!‘“

Und wenn einmal im Leben gar nichts mehr gehen sollte, hat Christian Hommel auch einen Tipp: „Es ist keine Schande, sich professionelle Hilfe zu holen. Ich hab‘s auch getan.“

Das Experiment ,Eisstar als Mutmacher‘ darf als gelungen angesehen werden. Weitere Schulen der Region können unter Telefon 0 23 71 / 2 73 39 Kontakt zum Coaching-Team Hommel & Graumann aufnehmen.