Echten Rettungsengel gefunden

Iserlohn. (clau) Wenige Tage, nachdem die Geschichte von Rosemarie K. zu lesen gewesen war, erschien Lothar Herzig in der Redaktion. „Sie suchen einen Engel. Das bin wohl ich“, sagte er verschmitzt und deutete auf die gedruckte Iserlohner Wochenkurier-Ausgabe mit der Geschichte „Rettungsengel kam wie aus dem Nichts“.

Drama auf der dunklen Straße

Darin schilderte die Iserlohnerin, wie sie im November 2011 abends an einsamer Stelle ohne Vorwarnung von ihrem Herz im Stich gelassen wurde. Womöglich hätte sie das nicht überlebt, wäre nicht ein ihr unbekannter Mann „wie im Film wie aus dem Nichts“ aufgetaucht. Er habe sofort den Ernst der Lage erkannt und den Krankenwagen gerufen. Rosemarie K. wurde gerettet, konnte das Weihnachtsfest nach geglückter Operation daheim feiern und bereits im Januar zur Reha reisen. Seitdem geht es ihr gut.

Sie hat seitdem die Görresstraße, wo es passiert war, immer gemieden. Zu gern hätte sie sich aber bei ihrem Retter bedankt. Nur kannte sie seinen Namen nicht und wusste auch sonst nichts von ihm, außer dass er wahrscheinlich ganz in der Nähe der Görresstraße wohnen musste.

Anfang dieser Woche lernten sich Rosemarie K. und Lothar Herzig nun endlich kennen. Im Café hatten sie sich verabredet.

„Das war doch ganz selbstverständlich, was ich da gemacht habe“, winkte Lothar Herzig bescheiden den Dank ab. „Ich habe gleich geahnt, wie es um Sie steht, denn ein Jahr zuvor hatte ich selbst ganz plötzlich lebensbedrohliche Herzprobleme. Meinen 75. Geburtstag musste ich im Krankenhaus zubringen.“

Sofort gibt es reichlich Gesprächsstoff: Das Herz, das Bethanien Krankenhaus, die OP, die Reha  all das verbindet. Aber mehr als das! Schnell stellt sich heraus, dass beide „Zugezogene“ sind: Lothar Herzig stammt ursprünglich aus Schlesien. Rosemarie K. wuchs in Augsburg auf. Sie kam als Erwachsene mit den Fallschirmjägern der Bundeswehr in die Waldstadt. Ihre Wege haben sich vielleicht längst beim IBSV gekreuzt: Er als Hauptmann der 2. Kompanie und sie im Umfeld der 1. Kompanie kennen das Iserlohner Schützenleben gut.

Iserlohn ist doch ein Dorf

Rosemarie K. lacht: „Sobald ich durch den Wochenkurier nur den Namen meines Retters kannte, stellten sich erstaunliche Querverbindungen heraus! Meine Gymnastiklehrerin kennt Lothar Herzig aus beruflichen Zusammenhängen. Meiner Turnschwester war er vertraut aus der Gemeindearbeit. Ihr Bruder hat seinen Abo-Platz im Theater hinter ihm  und nun kenne endlich auch ich ihn persönlich.“

Der rüstige Retter, der bis ins 71. Lebensjahr noch im Außendienst tägig war mit gleich drei Vertretungen und dessen große Leidenschaft der klassischen Musik gehört, erwidert amüsiert: „Da haben wir es wieder: Unser Iserlohn ist doch ein Dorf.“