Echtes Urgestein der Iserlohner Stadtgeschichte

Iserlohn. (clau) Er ist eine ganz besondere Marke. Mit Fug und Recht darf man Hermann Holtmeier ein Iserlohner Urgestein nennen. Über Jahrzehnte hinweg hat er sich als Bürger für seine Stadt engagiert, mehrere Bücher zu Iserlohner Themen veröffentlicht und bei Führungen den Iserlohnern ihre Stadt neu erschlossen. Letzte Woche wurde er 90 Jahre alt.

Herrmann Holtmeier ist ein echtes Iserlohner Urgestein. Kaum einer kennt sich in der Stadtgeschichte so gut aus wie der frischgebackene 90-Jährige. (Foto: Claudia Eckhoff)

Als der wochenkurier vor etlichen Jahren daran dachte, einmal den Hintergründen der Iserlohner Straßennamen nachzugehen und eine Artikelserie daraus zu machen, war die Redaktion auf der Suche nach jemanden, der „dazu was sagen kann“.

Wo fragt man da? In der Stadtinformation. Schnell hatte die damalige Leiterin Marlis Gorki einen Fachmann zur Hand. „Fragen Sie mal bei Hermann Holtmeier nach. Der kennt sich aus damit“, hieß es.

Jahre für Iserlohns Straßennamen

Damals war Hermann Holtmeier immerhin auch schon über 80 Jahre alt. Wer ihn suchte, fand ihn täglich ab 9 Uhr an seinem „Arbeitsplatz“ im Stadtarchiv am Theodor-Heuss-Ring. Dorthin wanderte er jeden Morgen von seinem Haus am Südenberg in Dröschede zu Fuß. Um 12 Uhr begab er sich auf den Heim-Marsch und ließ dabei nie das Essen kalt werden.

Als die Zusammenarbeit mit dem wochenkurier begann, saß Hermann Holtmeier schon seit zwölf Jahren allmorgendlich im Archiv und studierte die Dokumente zu den Iserlohner Straßennamen.

Ehrennadel fürs Buch

Und er kannte sich aus wie kein anderer! Gemeinsam mit ihm entstand eine von vielen Iserlohnern gern gelesene Artikelreihe, die sich über weit mehr als ein Jahr quer durch Iserlohn und durch die Jahrhunderte der Stadtgeschichte zog. Am Ende gab das den Anstoß, Herrmann Holtmeiers jahrelange Arbeit endlich in Buchform zu veröffentlichen. Im Jahr 2009 erschien es als Buch des Fördervereins Iserlohner Museen Band 19 in der Reihe Beiträge zur Heimatkunde für Iserlohn und den Märkischen Kreis. Dafür bekam der Autor vom damaligen Bürgermeister Klaus Müller die Iserlohner Ehrennadel überreicht.

Es war nicht seine einzige Auszeichnung: Sogar das Bundesverdienstkreuz wurde ihm für seine unermüdliche heimatkundliche Tätigkeit verliehen.

Aufgewachsen mit Regionalgeschichte

Dabei stand Hermann Holtmeiers Wiege gar nicht in der Waldstadt! Der Sohn eines Justizinspektors wurde 1920 in Erfurt in Thüringen geboren. Er wuchs als Einzelkind später in Hattingen auf und absolvierte seine Gymnasialzeit in Bochum. Mit den Eltern wanderte der Junge kreuz und quer durch das Umland. Besonders die Mutter und die Volksschullehrerin verstanden es, dem Jungen die regionale Geschichte anschaulich zu machen und ihn dafür zu begeistern.

Als unter dem NS-Regime für den Vater ein sogenannter „“Arier-Nachweis“, der bis 1800 zurückreichen musste, gefordert wurde, übernahm der Sohn Hermann die Familienforschung. Das ließ ihn nicht mehr los.

Leben in Iserlohn

Der Krieg verschlug die Familie zuletzt nach Letmathe. Der junge Mann studierte Ingenieurwissenschaft an der Technischen Hochschule in Aachen und erlangte den Titel des Diplom-Ingenieurs. Gemeinsam mit seiner Frau Gudrun ließ er sich in der Nähe der Familie nieder und fand später sein Zuhause am Südenberg in Dröschede – „dem genauen Mittelpunkt der Stadt Iserlohn“. Er arbeitete über Jahrzehnte beim Iserlohner Leuchtenhersteller „Wila Lichttechnik“ in Gerlingsen. Zwei Töchter und später vier Enkelkinder bereicherten sein Leben.

Immer engagiert

Hermann Holtmeier engagierte sich immer für sein Umfeld: 36 Jahre lang war er Arbeitskreisleiter in der VHS-Nebenstelle Letmathe. „Städte und Landschaften“ waren dabei das zentrale Thema. In Zeiten, als das allgemeine Reisen begann, aber die Leute noch kein Fernsehen hatte, standen solche Vorträge als Reisevorbereitung hoch im Kurs.

Zum 650. Ortsjubiläum von Dröschede verfasste er 1985 eine Dokumentation. Neben etlichen heimatgeschichtlichen Artikeln veröffentlichte er 1997 das Buch „Markante Köpfe“, das zu vielen Iserlohnern mit Rang und Namen Erhellendes und Würdigendes zu sagen hat.

Als der Medice-Seniorchef Gustav Pütter einst einen Heimatverein gründen wollte, bat er auch Hermann Holtmeier hinzu. Kaum dabei, wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden, später dann zum Vorsitzenden gewählt.

Viele Iserlohner haben ihn als Stadtführer erlebt. Seine Themen sind vor allem die Industriegeschichte, die berühmten Iserlohner Kommerzienräte, die Baukunst und Denkmalpflege sowie der historische Teil des Iserlohner Hauptfriedhofs.

Bis heute

Bis heute gilt der frischgebackene 90-Jährige als absolute Instanz in Sachen Stadtgeschichte und wird oft zu Rate gezogen. Sein Wissen ist schier unerschöpflich und exakt. Über Jahrzehnte bis heute ist er der Sprecher der Dröscheder Ortsvereine. Muss hier die Presse über einen Termin informiert werden, greift Hermann Holtmeier zu einem seiner in sämtlichen Taschen steckenden Bleistiftstummel – einen Computer besitzt er nicht -, schreibt eine vorbildliche Pressenotiz und bringt sie höchstpersönlich zu Fuß nach Iserlohn in die Redaktionen.

Wenn er zur Tür hereinkommt, freut sich die wochenkurier-Belegschaft immer über den Besuch des zurückhaltenden, freundlichen „Herrn der alten Schule“.