Ein Gartenhaus auf Lager

Das historische Gartenhaus an der Hans-Böckler-Straße 18 hat eine Zukunft zunächst im Zwischenlager. Wann, wie und wo es wieder aufgebaut wird, steht in den Sternen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Seine Tage sind gezählt. Jedenfalls am Original-Standort. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen von dem historischen Gartenhaus der ehemaligen Villa Giebel an der Hans-Böckler-Straße zwischen Schauburg und Post. Ob, wann und wo man es wiedersehen wird, ist ungewiss.

Die Landesdenkmalbehörde in Münster bescheinigte zwar eine herausragende Bedeutung des kleinen Gartenhauses, das auf einem Gemälde aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts erstmals im Stadtbild dokumentiert wird. Aber die Behörde hat den Verantwortlichen vor Ort freigestellt, wie sie mit diesem Erb-Stückchen aus alten Iserlohner Glanzzeiten umgehen wollen. Der Zustand der Bausubstanz könnte kaum schlechter sein. Der Boden ist derzeit gar nicht betretbar. Gähnende Löcher öffnen den Blick in den darunterliegenden Kellerraum. Das Holz der Fachwerkkonstruktion ist in solchem Umfang durchgefault, dass es komplett ausgetauscht werden müsste.

Erb-Stückchen nur noch nachgemacht?

Für Olaf Pestl, Leiter des Ressorts Planen, Bauen, Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Iserlohn, ist Denkmalschutz kein Selbstzweck: Man müsse realistisch abwägen, ob eine denkmalgemäße Sanierung möglich sei oder ob bei einem kompletten Austausch der Bauteile nicht am Ende eine bloße Replik herauskomme.

Die Stadt Iserlohn und die Hellweg Immobilien GmbH – Geschäftsführer: Gustav Edelhoff – als Eigentümerin des Gartenhauses konnten nun eine Kompromisslösung vorstellen, die kein Ende setzt und doch die Zukunft offen lässt.

Gustav Edelhoff hat sich entgegen seiner Überzeugung, dass „die Hütte“ nicht zu retten sei, bereit erklärt, mit Unterstützung von Mitarbeitern aus dem Bereich Beschäftigungsförderung der Stadt Iserlohn das Gartenhäuschen Teil für Teil abzubauen, die erhaltenswerten Bauteile zwischenzulagern und das Fundament und den Sockel zu erneuern. Der Keller unter dem Gartenhaus soll zunächst erhalten und wasserdicht abgedeckt werden.

Vielleicht am Fritz-Kühn-Platz, vielleicht in Barendorf, vielleicht anderswo wird einmal das Gartenhaus originalgetreu wieder aufgebaut. Es soll den Iserlohnern eine kleine Freude im Grünen machen und sie an alte Zeiten voller Muße erinnern.

Verspielte Gartenkunst ist fast verschwunden

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte das mit einer Mauer umfriedete Grundstück mit dem Häuschen Johann Riedel, der um die Ecke an der Unnaer Straße ein Wohnhaus besaß. Jener Riedel entstammt einer wohlhabenden Iserlohner Kaufmannsfamilie, gehörte zur gehobenen Iserlohner Gesellschaft und war mit dem Unternehmer und Landrat Peter Eberhard Müllensiefen verschwägert.

Solche Gartenhäuschen waren seinerzeit „in“. Wer auf sich hielt, der hatte eins. Sie alle hat längst der Zahn der Zeit verschlungen. Die alte vornehme und verspielte Iserlohner Park- und Gartenkunst ist jedoch fast restlos verschwunden.

Rückbau und Einlagerung

Wer hat wohl in diesem Gartenhaus, das noch – wenn auch mühsamst – erhalten ist, mit wem an sommerheißen Tagen im Schatten gesessen und über was haben sie gesprochen?

Und was bringt ihm nun die Zukunft? Man wird, wie es aussieht, viel Geduld aufbringen müssen. Der Rückbau des Häuschens jedenfalls beginnt, sobald das Wetter es zulässt. Dann folgt erst einmal die Einlagerung. Ende offen also. Bleibt zu hoffen, dass das Häuschen in seinem Zwischenlager nicht einfach irgendwann ganz vergessen wird. Schade wär‘s…