Ein Kiwi für die Zebras

Hennen. (hc) Es wird dieser Tage häufig Englisch gesprochen beim Fußball-Landesligisten SC Hennen. Der Grund dafür ist 1,79 Meter groß und kommt aus dem fernen Neuseeland. Jack Hobson-McVeigh heißt der Neuzugang der Zebras, der seit dieser Saison die Fußballschuhe für das Team aus dem Iserlohner Norden schnürt.

Spontaner Wechsel nach Deutschland

Seine Ankunft in Deutschland ist das Ergebnis einer spontanen Entscheidung. Seine Freundin, eine begeisterte und erfolgreiche Dressurreiterin, bekam die Möglichkeit in Menden an ihrer Karriere zu arbeiten. „Eine einmalige Chance im Leben, da musste sie zugreifen“, erklärte Jack. Und er wagte den Sprung ebenfalls nach Europa. Aber es ist nicht das erste Mal, dass er in jenseits der neuseeländischen Heimat lebt. Geboren wurde er im englischen St. Albans, siedelte im Alter von drei Jahren nach Neuseeland über. Die Passion für Fußball blieb aber und seit dem er Laufen kann, spielt er.
„In Neuseeland ist Rugby zwar Nationalsport, jeder kennt die All Blacks (Anmerkung d. Red.  Rugby-Nationalmannschaft von Neuseeland), aber es spielen viel mehr Leute Fußball. Ich denke, weil es gerade für Kinder sicher ist“, berichtet Hobson-McVeigh.

Jugendnationalspieler

Seitdem er 13 Jahre alt war, gehörte er zu den Nationalmannschaften seiner Heimat. Den größten Moment hatte er 2009, als er mit der Landesauswahl bei der U17-Weltmeisterschaft in das Achtelfinale einzog. „Das war das erste Mal, dass eine neuseeländische Mannschaft es so weit schaffte“, erzählt er nicht ohne Stolz. Und das mit großer Berechtigung, war es doch Jack Hobson-McVeigh, der seine Farben in der ersten Minute der Verlängerung im Spiel gegen die Türkei mit seinem fulminanten Schuss in die nächste Runde ballerte.

Unglaubliche Erfahrung

Der Lohn dafür war das Spiel gegen die Gastgeber Nigeria – vor 68.000 Zuschauern. „Das war wirklich ein unfassbares Gefühl“, erzählt er noch heute begeistert.
Die Kiwis verloren zwar gegen die Gastgeber, doch es war eine herausragende Erfahrung für jeden Teilnehmer. Die ganze Weltmeisterschaft war ein besonderes Erlebnis: „Von dem Moment, in dem wir gelandet sind, bis zu dem Moment, als wir abflogen hatten wir rund um die Uhr Security um uns herum. Bei jedem Training, bei jeder Busfahrt – das war ein komisches Gefühl.“

Traum vom Fußball-Profi

Der Treffer gegen die Türkei war eine Sternstunde für ihn, ein Profi-Vertrag war aber nicht in greifbarer Nähe. Diese Chance hatte Jack in den Jahren zuvor. Mit 14 Jahren war zum ersten Mal bei einem Probetraining bei den Tottenham Hotspurs. Allerdings vertröstete man ihn relativ schnell auf einen späteren Zeitpunkt. Mit 16 Jahren schien die Gelegenheit günstig. Er kam erneut in die alte Heimat, spielte bei Wigan Athletic vor und dann erneut bei Tottenham. „Zunächst war nur ein Tag geplant, daraus wurde dann eine Woche und schließlich ein Monat“, so Hobson-McVeigh. Während er an der berühmten White Hart Lane um einen Vertrag kämpfte, trainierten auf den Nebenplätzen Gareth Bale und Luka Modric, beide aktuelle Champions-League-Sieger mit Real Madrid. „Das war schon richtig cool, und man hat so gedacht ‚vielleicht eines Tages‘“, erzählt er.

Harter Einschnitt

Doch dann wurde er in das Büro des Managers gerufen und der Traum von der Profi-Karriere endete jäh. „Das war ein harter Schlag für mich. Ich hätte es zwar bei einem anderen Premier-League-Club oder Zweitligisten versuchen können, aber die Enttäuschung war zu groß. Im Nachhinein war es vielleicht die falsche Entscheidung, zu dem Zeitpunkt fühlte es sich richtig an“, berichtet er von der bitteren Entscheidung. Fortan war ihm das Glück nicht mehr ganz so hold, er blieb oft nur die zweite Wahl. So durfte er bei der U20-WM nicht mitreisen, obwohl er die ganze Vorbereitung mitgemacht hatte und sich durchaus Chancen ausrechnete. Auch die olympischen Spiele in London visierte er mit der U23-Auswahl an, doch erneut wurde er aus dem endgültigen Aufgebot gestrichen. „Das war schon enttäuschend. Wenn mich da ein Scout hätte sehen können, wer weiß, was dann passiert wäre.“

Birkenhead United

So blieb er aber in Neuseeland, spielte die meiste Zeit bei seinem Heimatverein Birkenhead United. Der familiär geführte Verein bot ihm die Chance sich den ganzen Tag mit Fußball zu beschäftigen. Er spielte in der ersten Mannschaft und war zudem Trainer der Nachwuchskicker. „Es war ein harter Abschied für mich“, erzählt Hobson-McVeigh, der allerdings betont, dass er froh ist in Hennen gelandet zu sein.

Optimale Bedingungen

„Meine größte Sorge war es ohne einen Verein zu bleiben.“ Deshalb schrieb er nach seiner Ankunft so eine Art Bewerbung mit einem fußballerischen Lebenslauf. Und der SC Hennen antwortete am schnellsten und bekam auch prompt den Zuschlag vom Neusseländer. Ein großes Plus ist natürlich, dass die Hennener mit Kevin Hines einen Coach haben, der perfekt Englisch spricht und deshalb die Integration erleichtert. „Als ich ankam und er den Mund aufmachte und mit mir Englisch sprach, war ich wirklich erleichtert – ich dachte mir: ‚okay, das wird hier funktionieren!‘.“

BVB-Fan

Ein weiterer Vorteil war die Nähe zu Dortmund. Seit den grandiosen Auftritten in der Champions League ist Hobson-McVeigh ein glühender Fan der Schwarz-Gelben. „Als meine Freundin sagte, dass sie ein Angebot aus Deutschland hat, hab ich gefragt ‚wo?‘. Als sie sagte ‚Dortmund‘ – hab ich ihr nur geantwortet – ‚okay, aber ich will zu den Spielen der Borussia‘.“ Bereits beim letzten Heimspiel des BVB gegen Köln war er im Stadion und war von der Stimmung begeistert. Die Nachwuchskicker in seiner neuseeländischen Heimat glauben übrigens, dass er für den BVB spielt. Der Spaßvogel hat sie im Glauben gelassen und ihnen erzählt, dass Marco Reus ihm sogar die Rückennumer elf überlassen würde. „Ich muss mir nur ein passendes Trikot besorgen“, erzählt er lachend.

Traum lebt weiter

Für die 1. Fußball-Bundesliga wird es wohl nicht mehr reichen, aber den Traum vom Profi-Fußball hat er noch nicht ganz begraben. Schließlich hat er als Heranwachsender nie einen anderen Beruf ausüben wollen. „Ich fühle mich aber sehr wohl in Hennen“, betont er. „Wenn mir einer natürlich sehr, sehr viel Geld bietet, würde ich es mir wohl überlegen, aber momentan bin ich glücklich hier. Das Umfeld passt, alle sind sehr nett zu mir.“ Wie es in der Zukunft weitergeht, weiß er sowieso noch nicht. Erst einmal wird er sich einen Job suchen und schauen wie es sich bei seiner Freundin mit dem Reitsport entwickelt. „Vielleicht bleiben wie ein Jahr oder zwei oder vielleicht unser ganzes Leben“, geht er die Planung sehr entspannt an. Jetzt will er die Gelegenheit aber nutzen und Europa bereisen. „Wir haben eine superlange Liste zuhause.“
Mit 24 Jahren hat Jack Hobson-McVeigh schon viel von der Fußballwelt gesehen. Nun führte ihn sein Weg in die Waldstadt. Hier hat er im ersten Spiel mit einem tollen Freistoßtor bereits sein Können demonstriert und gezeigt, dass er in Hennen angekommen ist.