Ein Rückzugsort fürs Juwel: Flüchtlingshilfe wirbt für ein Café auf Freizeitanlage

Sylvia Olbrich von der Flüchtlingshilfe Iserlohn und Gerhard Schaper vom Südstadtverein werben dafür, das leer stehende Gebäude (im Hintergrund) auf der Freizeitanlage in der Läger in ein Kiosk-Café, einen Rückzugs- und Versammlungsort mit öffentlichen Toiletten zu verwandeln.(Foto: A. Schneider)

Iserlohn. (as) Keine Frage, die Freizeitanlage in der Läger hat sich in kürzester Zeit zu einem kleinen Juwel gemausert. Sie ist Treffpunkt von Menschen aus allen Generationen. Hier wird gekickt, gegrillt, gegärtnert oder einfach nur gequatscht. Nur ein paar Klitzekleinigkeiten fehlen: Was tun, wenn der kleine Hunger kommt? Gibt es die Möglichkeit, in der Anlage einen Kiosk oder ein kleines Café einzurichten? Und: Wohin, wenn man mal muss? Wäre es möglich, eine Toilettenanlage zu installieren? Sylvia Olbrich, Vorsitzende der Iserlohner Flüchtlingshilfe, und Gerhard Schaper vom Südstadtverein sind sich einig: Ja. Beides ist möglich.

Deshalb hatten sie am Donnerstagabend Vertreter aus der Politik und die Iserlohner Medien zur Freizeitanlage gebeten, um für ihre Pläne zu werben, das ungenutzte ehemalige Umkleidegebäude des früheren Lägersportplatzes in ein Café mit Besprechungsraum für Streetworker, Veranstaltungsräumen und vor allem öffentlichen Toiletten zu verwandeln.
SPD-Politiker Michael Scheffler gab sich, im positiven Sinne, als Bedenkenträger. „Wie schaut es aus mit der Nutzungserlaubnis?“, erkundigte er sich. Also, darf man auf der Freizeitanlage überhaupt einen Kiosk oder ein Café einrichten? Diese Hürde ließe sich wahrscheinlich schnell aus dem Weg räumen. viel wichtiger aber war ihm, auch die IGW mit ins Boot zu holen bei den Überlegungen. Denn die Wohnungsgesellschaft saniert zurzeit ein altes Fachwerkhaus auf dem Fritz-Kühn-Platz nur wenige 100 Meter von der Freizeitanlage entfernt. Dabei wird viel Geld in die Hand genommen, um das historische Gebäude so herzurichten, dass dort ein Café-Bistro unter Federführung der Awo betrieben werden kann. Michael Scheffler wies darauf hin, dass ein mögliches Café auf der Freizeitanlage in der Läger sich nicht als Konkurrenz zu dem geplanten Café auf dem Fritz-Kühn-Platz verstehen dürfe.

Sylvia Olbrich konnte die Bedenken zerstreuen. Das Café diene dazu, sich vielleicht mal ein Getränk oder ein Stück Kuchen zu holen, weil der Weg zu anderen gastronomischen Angeboten eben doch recht weit sei. Viel wichtiger aber sind ihr die weiteren Möglichkeiten, die das Herrichten des Gebäudes eröffnet. Streetworker hätten die Möglichkeit, sich in einen Raum zurück zu ziehen und vertrauliche Gespräche zu führen. Auch die Flüchtlingshilfe selbst würde sich über einen Raum für Besprechungen freuen.

Kurse und fleißiges Gärtnern

Gerhard Schaper schwärmt von der Freizeitanlage als Treffpunkt der Kulturen. In den Räumen des noch leer stehenden Gebäudes könnten Kurse angeboten werden – von Südstadtbewohnern für Südstadtbewohner. Deutsch für Geflüchtete beispielsweise. Oder wie wäre es mit Arabisch für Deutschsprachige? Mal- und Bastelkurse sind möglich oder Gymnastikkurse für Frauen. Vieles würde sich natürlich um die Natur, ums Wachsen und Werden drehen. Schließlich bewirtschaftet der Südstadtverein auf dem Gelände der Freizeitanlage die Südstadtgärten. Dabei handelt es sich um eine ganze Reihe von Hochgärten, die von den Mitgliedern mit den unterschiedlichsten Nutzpflanzen, aber auch mit Blumen bepflanzt und gepflegt werden. So kann das Gebäude gleichzeitig zu einem Treffpunkt für die Südstadtgärtner werden, die hier ihr Wissen weitergeben und Pläne schmieden, wie man beispielsweise ein kleines Paradies für Bienen und Co. in oder an der Freizeitanlage schaffen kann.

Vieles ist denkbar. Doch nun sind zunächst Politik und Verwaltung gefragt. Ist das Gebäude mit wenig Aufwand wieder so herzurichten, dass es genutzt werden kann? Diese Frage müsste zuerst geklärt werden. Und dann? „Wir verstehen uns als Andockstation“, sagt Sylvia Olbrich von der Flüchtlingshilfe. Als Station, deren täglich Brot es ist, finanzielle Mittel für die eigene Arbeit anzuwerben. „Hier handelt es sich um ein integratives Projekt“, sagt die Vorsitzende der Flüchtlingshilfe und schaut über die Freizeitanlage, auf der gerade Menschen vieler Nationen sitzen und skaten und Fußball spielen. „Für solche Projekte gibt es Fördermöglichkeiten“, sagt sie. Und: „Hier fassen alle mit an.“ Denn solch ein Gebäude, eine Rückzugsmöglichkeit ist ein Herzenswunsch für alle Akteure rund um die Freizeitanlage in der Läger.