Ein schlafender Riese

Iserlohn. (hc) „Entweder ich mache das hier richtig oder gar nicht. Ich habe schon zu oft erlebt, wie Teams mit großen Ambitionen daran gescheitert sind.“ Diese Aussage von Sascha Vogel, Trainer des Football-Teams Iserlohn Tittans, zeigt deutlich, welche Leidenschaft und Zielstrebigkeit hinter dem Projekt American Football in Iserlohn stecken.
Ab 2017 werden die Titans offiziell am Ligabetrieb teilnehmen, einer der treibenden Kräfte ist der 29-jährige Hagener Sascha Vogel. Nicht nur als Cheftrainer, sondern auch als Abteilungsleiter, Kassenwart und „Mädchen für alles“ ist er bei den Titans aktiv. Denn die Footballer haben keinen eigenen Verein gegründet, sondern spielen unter dem Dach des TuS Iserlohn. „Ein Glücksfall“, wie Vogel betont. „Wir fühlen uns im TuS sehr wohl. Uns wird viel ermöglicht, und wir wollen das in uns gesetzte Vertrauen jetzt auch bestätigen“, beschreibt der Coach das Verhältnis zum Stammverein.

Mit zwölf Jahren die Leidenschaft entdeckt

Er selbst hat im Alter von zwölf Jahren mit dem Football begonnen. Zunächst bei den Hagen Bullets, dann beim Folgeverein Sauerland Mustangs. Als er dort ausschied, wechselte er kurz nach Düsseldorf und Solingen. Doch eine schwere Bein-Verletzung beendete seine aktive Laufbahn.
Dabei träumte er auch kurz von einer Profikarriere. Mit 14 Jahren klingelte ein Scout von Düsseldorf Rheinfire an. Das Team aus der Landeshauptstadt spielte damals in der NFL Europe, der europäischen Profi-Football-Liga. „Meine Eltern waren aber nicht bereit, ihre Jobs und Leben aufzugeben, nur um mit mir nach Düsseldorf zu ziehen. Und das war auch die richtige Entscheidung“, schätzt Vogel seine Chancen heute ein.
Im Lauf der Jahre veränderten sich seine Positionen. Zunächst war er einer der „großen Jungs“ in der Offensive-Line. Das sind die Spieler, die in der vordersten Reihe auf die Abwehrspieler des Gegners treffen. Er wechselte auf die Fullback-Position. Je nach Spielzug war er nun selbst für das eiförmige Spielgerät zuständig, doch meistens war seine Aufgabe, den Weg freizumachen. Diese körperlich sehr intensive Position verkürzte seine aktive Zeit rapide. „Da kannst nur zwei oder drei Jahre spielen, danach sind die Knochen kaputt. Das macht kein Körper mit“, erklärt er. Unglücklich endete seine Laufbahn. Sein eigener Mitspieler fiel ihm auf das Bein, und es ging alles kaputt. Bänder, Sehnen, Knorpel – der Totalschaden eines jeden Sportlerknies.

Kein Leben ohne Football

„Ohne Football konnte ich aber nicht leben“, erzählt er. Schon zuvor hatte er bei den Bullets als U19-Trainer erste Erfahrungen gesammelt, allerdings eher ungeplant. „Es fehlte ein Trainer. Ich war zu diesem Zeitpunkt etwas schwerer verletzt, und so bin ich reingerutscht. Ansonsten wäre die Mannschaft abgemeldet worden. Das wollte ich nicht.“
Genau diese Mannschaft sollte die Basis der Iserlohn Titans werden. Nigel Femer und Veit Schlender bauten in Iserlohn ein Team auf, Vogel hörte davon und bot sich als Trainer an.
Mit ihm an der Seitenlinie gewannen die Iserlohner nicht nur Fachwissen, sondern auch  einen ambitionierten Funktionär. Fast täglich sitzt er im TuS-ImPuls, trifft dort Entscheidungsträger aus dem Verein und Verband und lebt nicht nur seinen Sport, sondern auch das Vereinsleben aus.

Schlafender Riese wird geweckt

Dennoch ist ihm die sportliche Perspektive in der Waldstadt sehr wichtig. „Am liebsten würde ich das alles hier in Vollzeit machen“, so Vogel. Doch zunächst geht es darum, Football zu etablieren.
Start ist 2017 in der Landesliga, von dort soll der Weg nach oben führen. Dafür wird noch fleißig Personal gesucht, um die Qualität im Kader zu steigern.
Allerdings betont Vogel, dass jeder willkommen ist. „Wir nehmen auch die etwas korpulenteren, die bei anderen Sportarten nicht unterkommen. Auch solche Jungs brauchen wir.“ Insgesamt darf man gespannt sein, wie der Football in Iserlohn aufgenommen wird. Es könnte sein, dass dort ein schlafender Riese geweckt wird.