Einbruch in Kindergarten: Alle Fotos sind weg!

Iserlohn. (clau) Blankes Entsetzen herrschte am Montag, 15. Juli 2013, morgens im katholischen Kindergarten St. Pankratius neben der Aloysiuskirche. Ein Bild der Verwüstung bot sich den Kindern und Erzieherinnen, als sie ihren Kindergarten in der Frühe betraten. Einbrecher hatten ein Chaos hinterlassen.

Schon zum dritten Mal war der Kindergarten St. Pankratius damit innerhalb der letzten Jahre zum Ziel für Einbrecher geworden. Dieses Mal drangen sie durch ein Fenster im Waschraum ein, brachen die Tür zum Büro auf, quetschten sich durch ein schmales Fenster mit Sicherheitsglas und durchwühlten alle Gruppenräume.

„Das muss irgendwann zwischen Samstagnachmittag und heute morgen passiert sein“, berichtet Kindergartenleiterin Barbara Petruschkat am Montag. „Am Samstag haben wir noch einen Waldausflug gemacht und sind gegen 15 Uhr mit etlichen Autos vorgefahren, um Sachen zurück in den Kindergarten zu bringen.“

Flur, Büro und Waschraum lagen voller Scherben, als die Erzieherinnen und die Kinder am Montag früh eintrafen. Schränke, Schreibtische und Kommoden waren aufgerissen, der Inhalt überall auf dem Boden verteilt.

„Es war furchtbar! Alles war verwüstet“, berichtet Barbara Petruschkat am späten Vormittag noch sichtlich erschüttert. „Zum Glück haben wir hier ganz engagierte Eltern, die gleich mitgeholfen haben, das schlimmste Chaos zu beseitigen und aufzuräumen.“

Eingriff in die heile Welt

Viel Herzblut steckt in diesem Kindergarten. Das zeigt schon ein Blick in den fantasievoll gestalteten Eingangsbereich und den Garten mit seinen verwunschenen Ecken und Nischen. Um so schlimmer traf auch die Kinder dieser gewaltsame Eingriff in ihre sonst so schöne, heile Welt.

Kaputtes Glas lässt sich ersetzen. Die aufgestemmte Bürotür lässt sich richten. Auch für die geklauten Laptops wird es schnell Ersatz geben. Aber manches Kostbare bleibt für immer verloren.

Den Kindern des St.-Pankratius-Kindergartens ist nämlich von den Spitzbuben etwas gestohlen worden, das kein Geld der Welt wieder beischaffen kann: Erinnerungen aus vielen Jahren sind weg! Oder besser: Hunderte oder sogar zigtausend Bilder, die die Kinder an ihre Kindergartenzeit erinnern sollten, sind fort.

„Wir sammeln die Fotos über die Jahre für jedes Kind und speichern sie auf einem Laptop im Gruppenraum“, erzählt Kindergartenleiterin Petruschkat bewegt. „Am Ende bekommt jedes Kind eine Mappe mit seinen Bildern mit auf den Weg, wenn es Schulkind wird und uns verlässt. Jetzt hatten wir am Samstag den Ausflug in den Wald gemacht. Diese Fotos sollten nun noch als letztes mit in die Kindermappen. Jetzt sind die Laptops geklaut und damit alle Fotos weg. Unsere diesjährigen i-Dötzchen werden also keine Erinnerungsbilder mitnehmen können.“

Hoffen auf vermisste Bilder

Aber nicht nur ihnen, allen insgesamt 50 Kindern der Einrichtung werden ihre Fotos fehlen, wenn sie einmal ihren Kindergarten verlassen. Erzieherinnen, Kinder und Eltern trauern.

„Wir hoffen sehr, dass jemand sich bei der Polizei meldet, der etwas beobachtet hat“, sagt Barbara Petruschkat. „Oder dass sich jemand meldet, dem ein gebrauchter Laptop aus zweifelhafter Quelle angeboten wird.“

Auch die geschockten Eltern wollen die Hoffnung nicht aufgeben, die Bilder ihrer Kinder doch noch wiederzubekommen. Wichtiger als der materielle Verlust sind vielen die unwiederbringlichen Erinnerungen. „Wir hoffen, die Bilder wiederzubekommen“, so sagt ein Elternpaar. „Man kann die Bilder doch auch auf CD spielen und dem Kindergarten anonym zukommenlassen. Das würde uns allen eine riesengroße Freude machen.“

Wer weiß, vielleicht hat der Spitzbube ja ein Einsehen mit den Kindern.