Eine Krippe zum Träumen: Horst Fiesel sammelt seit 22 Jahren

Es ist vollbracht. Horst Fiesels Krippe ist vollständig. Der kleine Melker hat nun auch eine Ziege, die er tatsächlich melken kann.(Foto: A. Schneider)

Iserlohn. (as) Er sammelt für sein Leben gern. Und zwar nicht irgend­etwas. Horst Fiesel hatte sich vor 22 Jahren dem ganz großen Wurf verschrieben. Eine Krippenlandschaft wollte er schaffen; eine ganz besondere Nacht in Betlehem in seinem Wohnzimmer lebendig werden lassen. Jetzt ist es vollbracht. Auf einer Fläche von 90 mal 190 Zentimetern tummeln sich Maria und Josef, die drei Könige, Ochs und Esel, Verkündungsengel, reichlich Hirten, ein kleiner Melker und als letzte Figur nun auch die Ziege, die gemolken wird.

Die Leidenschaft hat den ehemaligen stellvertretenden Bürgermeister im Jahr 1995 erwischt. Das war im Urlaub im bayerischen Krün bei Garmisch-Partenkirchen. Zufällig entdeckte er bei einem Ausflug nach Grainau in einer Schnitzwerkstatt eine Krippe, die ihn sofort fasziniert hatte. 20 Zentimeter groß waren die Figuren. Sie waren in Südtirol geschnitzt, viele Jahre lang getrocknet und liebevoll bemalt worden. Sie gehörten zu den schönsten Figuren, die in der bayerischen Schnitzwerkstatt zwar nicht selbst hergestellt, aber vertrieben wurden.
Diese Krippe sollte es sein. Mit Maria und Josef, Ochs und Esel und einem von dem bayerischen Schnitzkünstler eigens für das Sammelprojekt von Horst Fiesel erstellten Stall kehrten er und seine Frau nach Hause zurück.

Lebendiges Moos und Kirchenmaus

Eine Krippe aus Gips, die zuvor die Wohnung in Wermingsen geschmückt hatte, hatte Horst Fiesel kurzerhand an seinen Sohn weitergegeben.
Das Krippenprojekt wuchs weiter. Jahr für Jahr kehrte das Paar aus dem Urlaub mit neuen Figuren zurück. Zunächst die Verkündungsengel, dann ein Stern, dann die Hirten.
Jedes Jahr zum ersten Advent baute er die Krippe auf. Natürlich nicht komplett. Die Hauptperson hat zunächst nicht in der Krippe zu suchen. Das Kind wird erst am Heiligen Abend ganz behutsam hineingelegt.

Viele Geschichten ranken sich mittlerweile um die Krippe im Hause Fiesel. So bettet er den Stall mit all seinen Figuren jedes Jahr auf eine Moosschicht. Früher sammelte er das Moos selbst im Wald. Doch diese Begeisterung hat er nach einem Vorfall wieder drangegeben. Denn: Kaum war die Krippe aufgebaut, kam Bewegung ins Moos. Eine ganze Käferschar bahnte sich den Weg durch die Wohnung. „Nie wieder“, sagte sich Horst Fiesel und bestellt sein Moos seither in einem Blumen-Fachgeschäft. Von unliebsamen Besuchern blieb die Wohnung seither weitgehend verschont.

Der Stall und seine Umgebung sind bevölkert mit der heiligen Familie, mit Weisen aus dem Morgenland, mit Engeln, Hirten und reichlich Getier. Horst Fiesels Krippenlandschaft ist nun komplett. 22 Jahre lang hat der Iserlohner gesammelt.(Foto: A. Schneider)

Schon bevor Horst Fiesel angefangen hatte, seine kunstvolle Krippe zu sammeln und Jahr für Jahr größer und schöner zu arrangieren, hatte er sich für Krippen begeistert. Ein Krippenerlebnis liegt schon lange zurück. Damals war er Küster in St. Michael in Gerlingsen. Dort stand zur Weihnachtszeit eine Hirtenfigur an der Krippe, die zünftig in Cordhose und Strickpullover gekleidet war und einen Brotbeutel umhängen hatte. „Natürlich mit einem echten kleinen Brot“, sagt Horst Fiesel. Als er eines Abends seinen Kontrollgang gemacht hatte, entdeckte er, dass sich der Brotbeutel bewegte. Er griff danach und aus dem Brotbeutel sprang eine Maus. Wer sich da wohl mehr erschreckt hat? Der Küster oder die kleine Kirchenmaus.