Eine Stadt – ein Zug

Iserlohn. (clau) Halb Iserlohn wird am ersten Ferienwochenende auf den Beinen sein. Wenn der Schützenfestzug am Samstag, 5., und Sonntag 6. Juli 2014, durch die Waldstadt zieht, wird sich im ihm wieder einmal ablesen lassen, wer und was Iserlohn ist.

Christian Stampe, Vorsitzender der Festzugkommission erwartet wieder rund 60.000 Zuschauer, die den Zug mit etwa 6000 Teilnehmern säumen werden. Der Schützenfestzug des IBSV soll keine Selbstbespiegelung einer in sich geschlossenen engen Schützenwelt sein. Im Gegenteil: Er will die ganze Stadt in möglichst vielfacher Weise widerspiegeln. „Wir wollen auch allen Iserlohnern eine Bühne bieten, die nicht im Verein verankert sind“, so formuliert es Christian Stampe. „Das Märkische Gymnasium beispielsweise beteiligt sich schon seit über 40 Jahren mit seinen Abiturienten.“

In Grün-Weiß

In Kürze ist Meldeschluss für den Festzug 2014. Viele Vereine und Gruppierungen wollen das Großereignis nutzen, um sich und ihr Anliegen öffentlich darzustellen und zu zeigen, wer sie sind und was sie können. Nicht alle aber dürfen mit. „Der Zug darf einfach nicht zu lang werden, sonst wird es langweilig“, gibt Christian Stampe zu bedenken. Zu viel? Zu wenig? Zu lang? Zu kurz? – Es allen recht zu machen, ist ganz einfach unmöglich. Das hat Christian Stampe in den vergangenen 15 Jahren gelernt. Dies ist der 16. Schützenfestzug unter seiner Regie. Mit 24 Jahren hat er sich die große Aufgabe zum ersten Mal aufgehalst – und es nicht bereut. „Man wächst mit seinen Herausforderungen“, sagt er heiter. „Als Kind habe ich erlebt, wie man beim Festzug durch ein wahres grün-weißes Fahnenmeer schritt. Jedes zweite Haus war mit Wimpelketten oder IBSV-Fahne geschmückt.“

Das war ein Traum für den heute Vierzigjährigen, ein unvergessliches Bild, das freudig von der Verbundenheit der Stadt mit den Schützen kündete.

Flagge zeigen!

„Leider wird das immer weniger“, bedauert er. „Wir würden uns freuen, wenn wieder mehr Leute Flagge zeigen, ihre Häuser schmücken, das grün-weiße Tuch oder Wimpel raushängen und einfach zeigen, dass in Iserlohn Schützenfest ist.“ Wer nichts zum Schmücken hat, darf sich unter Telefon 02371/ 5763 an die Geschäftsstelle des IBSV wenden.

Kilometer von vereinseigenen Wimpelketten spannt in den nächsten Tagen ehrenamtlich die 2. Kompanie des IBSV mithilfe von gemieteten Hubwagen entlang der Zugstrecke selbst auf. Auch für die Plakate zeichnet der Verein allein verantwortlich.

Das ist Iserlohn

Der IBSV-Schützenfestzug ist der größte Festzug in ganz Westfalen, der von einem einzigen Verein gestemmt wird. Es gibt Städte – und nicht einmal kleinere als Iserlohn -, in denen vom Schützenfestzug kaum ein Mensch Notiz nimmt. „Die machen ja fast die Fenster zu, wenn die Schützen kommen“, hat Christian Stampe selbst es andernorts erlebt. „Solch ein Bad in der Menge wie bei uns hier, solch eine Verschmelzung von Stadt und Schützen – das ist besonders, das ist eben Iserlohn.“

Nach den großen Jubiläen der letzten Jahre wird der Festzug 2014 einfach mal wieder ein Schützenfestzug sein. Nicht mehr und nicht weniger. Trotzdem: Ein wenig gibt es doch zu feiern. Der Zug Wermingsen wird 60 Jahre alt, das Schauspielensemble Iserlohn 25 Jahre. Wie sich das im Zug niederschlägt? – Man wird sehen.

Jubiläumskönigin ist dieses Mal Christa Trebschuh. Für den verstorbenen Jubliäumskönig Jochen Ellermann wird Reimund Trebschuh am Schützenfestsonntag von der Festzugkommission beurlaubt, um seine Frau begleiten zu können.
Christian Stampe hofft auf gutes Wetter, gute Stimmung und gutes Gelingen. Dass es nachher „Prügel“ geben wird, weiß er auch schon. Erschüttern kann das den erfahrenen Leiter der Festzugkommission schon längst nicht mehr. Es vermiest ihm noch nicht einmal die Laune.