Er läuft und läuft und läuft

Hemer. (Carat) Er läuft und läuft. Man könnte formulieren: Rentner Gerhard Wilke aus Hemer ist fit wie ein Turnschuh. Denn täglich schnürt er sie, seine Turn-, pardon: Laufschuhe. Seit gut 45 Jahren läuft der rüstige Rentner noch immer etwa zehn Kilometer pro Tag – und damit allen davon. Bei Wind und Wetter macht sich der Ex-Zeitsoldat und ehemalige Mitarbeiter der Iserlohner Brauerei auf die Socken.

Stolz auf seine unzähligen Pokale, Medaillen und Urkunden ist nicht nur der 75-jährige Marathonläufer Gerhard Wilke aus Hemer, sondern auch sein zweieinhalbjähriger Enkel Henri. (Foto: Claudia Ratay)

Gelaufen ist Gerhard Wilke, der 1937 in Frauenburg in Ostpreußen geboren, verheiratet und Vater eines Sohnes ist, schon in seiner Jugend. Allerdings nur so nebenbei und keine Langstrecken. Dies wurde erst in den 70er Jahren seine große Leidenschaft. Der Rentner und Opa von zwei Enkeln, der 1974 von Iserlohn nach Hemer gezogen ist, lief allein im März dieses Jahres 326 Kilometer. Ohne das Laufen würde ihm etwas fehlen, sagt er. Früher hat er sich oft den Hund von seinen Nachbarn für seine Läufe ausgeliehen.

Sobald er seine zahllosen Urkunden aus dem Ordner im Keller holt, sieht man wieder so ein „Blitzen“ in seinen Augen. Zu zählen sind diese Urkunden allerdings nicht, dafür sind sie einfach zu zahlreich. Aber Spaß macht es doch, sich die gefühlten 1.000 Siegertitel anzusehen. Oder sich von der Pracht der unzähligen Pokale blenden zu lassen.

Pokale mit Geschichte

Natürlich gibt es zu fast allen Urkunden, Pokalen und Medaillen eine Geschichte zu erzählen. Wie zum Beispiel von seiner Teilnahme an einem Silvesterlauf Ende 1989, Anfang 1990, als er bei frühlingshaften Temperaturen losgelaufen ist und bei Eis und Schnee am Ziel ankam. Deutschlandweit ist Gerhard Wilke alle großen Marathons gelaufen. In Frankfurt lief er seinerzeit seine persönliche Bestzeit, nämlich 42 Kilometer unter drei Stunden. Bei der 100-km-Tour 2001 vom Marathon-Club Menden lief der sportliche Rentner eine Gesamtzeit von 8:51:51 und belegte den 17. Platz der Gesamtwertung. „Und dies bei dieser sehr bergigen Strecke“, schmunzelt der Läufer. In Erinnerung geblieben ist ihm auch der internationale 100-km-Lauf von Unna am 3. September 1978, weil er da einfach viel Spaß hatte. Spaß stand auch beim Duisburg-Marathon immer im Vordergrund.

Kilometer und Kilometer hat Gerhard Wilke zu Fuß zurückgelegt: Allein in der Zeit von 1998 bis 2011 ist der Sportler sage und schreibe 65.402 Kilometer gelaufen. Das schaffen andere nicht mit dem Auto.

Alle Volksläufe in Iserlohn ist Gerhard Wilke, der früher Mitglied beim TuS Iserlohn, Abteilung Leichtathletik, war, mitgelaufen. Den dritten Platz belegte er beim zweiten Iserlohner Sparkassen-City-Lauf 2000 bei den Senioren. In seiner Altersklasse war der passionierte Läufer fast immer auf den vordersten Plätzen zu finden. Auf den ersten Platz in der Altersklasse M70 auf dem Rothaarsteig bei dem 42.195-Meter-Marathon im Schmallenberger Sauerland mit einer Zeit von 4:01:03,6 Stunden ist er natürlich besonders stolz.

Gerne zieht es ihn nach Berlin oder Cuxhafen. „Dort sind die Laufstrecken so schön flach“, sagt er.

Zur Arbeit und zurück gerannt

Sport kann süchtig machen: Bevor er 1999 in den Ruhestand trat, rannte er ab und zu sogar von seiner Wohnung in Hemer-Westig bis zu seiner Arbeitsstelle in die Iserlohner Brauerei. Morgens hin, nach dem Dienst wieder zurück.

Seit vier Jahren nimmt Gerhard Wilke nicht mehr an Wettkämpfen teil. Am 18. Oktober 2008 lief er seinen letzten Marathon in Schmallenberg. Allerdings werden die Laufschuhe trotzdem noch lange nicht an den Nagel gehängt. „Solange es mir noch so gut geht, laufe ich weiter“, sagt Gerhard Wilke. Schließlich ist er gesund, „außer den bei Läufern allgemein üblichen Wehwehchen“.

Auch wenn er sich aus Wettbewerben heraushält: Täglich läuft der Hemeraner von seinem Zuhause immer noch in alle Richtungen. Allerdings nicht mehr so wie früher nach Neuenrade, sondern „nur“ noch bis nach Iserlohn in den Wald und zurück. Schade findet es Gerhard Wilke, dass ihm fast alle Lauffreunde abhanden gekommen sind, da diese nicht mehr so aktiv den Laufsport betreiben. Aber mit seinem aktuellen Laufpartner ist er nun auch schon seit über 15 Jahren unterwegs. Und er hofft auf noch viele weitere aktive Jahre – und natürlich auf viele hundert Kilometer über Stock und Stein. Er kann’s eben nicht lassen, der Marathon-Mann.