„Es war wie im Märchen…“

Iserlohn. (as) Zeitungen schreiben über große Ereignisse. Über Verbrechen und Skandale. Über Einweihungen und Neueröffnungen. Über sportliche Top-Leistungen und kulturelle Aha-Erlebnisse. Über Menschen mit ihren Sorgen und Nöten, mit ihren Freuden und Leidenschaften. Der Iserlohner Wochenkurier hat sogar Geschichte geschrieben. Eine Liebesgeschichte.

Die Zeitung als Glücksbote

„Der Wochenkurier ist nicht nur Informationsquelle, nein, er ist auch unser Glücksbote“, sagt Andreas Scholz. Über eine Bekanntschaftsanzeige im Wochenkurier haben sich Rita und Andreas Scholz kennengelernt. Fast auf den Monat genau zehn Jahre ist das her. Ein Vierteljahr später waren die beiden verheiratet. Jetzt leben Rita und Andreas Scholz in Letmathe. „Es war wie ein Märchen“, sagt Rita Scholz und muss blinzeln. Andreas drückt seine Rita an sich. Keine Frage: Es ist noch immer wie im Märchen. Und sie leben glücklich und zufrieden…

Rückblende: Herbst 2005. „Ich wollte nicht mehr allein sein“, sagt Andreas Scholz. „Ich habe mir eingestanden, dass ich eine Frau suche, mit der ich durch Dick und Dünn gehen kann.“ Nur: Wie sollte er sie finden? Andreas Scholz hatte sich ein Herz gefasst. Er schaltete eine Bekanntschaftsanzeige, die im Wochenkurier erschienen ist. Am 17. Dezember 2005.

Er möchte wieder  „wir“ sagen können

„Jung gebliebener, netter, zuverlässiger Mann in den besten Jahren möchte wieder ’wir’ sagen können…“ – Rita Scholz, damals noch Borowski, hatte sich die Zeilen mehrmals angeschaut. Einen ganzen Tag lang hatte sie hin und her überlegt, was sie tun sollte. „Aber es war einfach nicht meine Art, auf eine Anzeige zu reagieren“, sagt sie. Und dennoch: Irgendetwas hatte sie angesprochen. „Ich hab’s dann am Sonntag einfach mal versucht und bei der Nummer, die angegeben war, angerufen“, sagt sie. Doch sie hörte nur das Besetztzeichen.

Hatte der Inserent einen Rückzieher gemacht? Verärgert warf Rita Scholz den Wochenkurier ins Altpapier. Wenigstens für ein paar Stunden. Am nächsten Morgen holte sie ihn wieder heraus. Ein neuer Versuch. Diesmal landete sie auf einem Anrufbeantworter. Kein Problem: Rita Scholz hinterließ eine Nachricht. Mittlerweile war der 19. Dezember 2005.

Nur ein paar Tage zu großen Plänen

Sehr früh war Rita Scholz verwitwet. Sie hatte sich im Laufe der Zeit eingestanden, gerne wieder mit einem Partner zusammensein zu wollen. Aber natürlich nicht mit irgendeinem Partner. Bei Gottesdiensten im Kiliansdom hatte sie sich manchmal gefragt, warum der liebe Gott ihr nicht einfach jemanden schicken könne. Einen Mann, der lieb ist und zuverlässig und abenteuerlustig und und und.

Als wäre die Bitte erhört worden: Abends schellte ihr Telefon. Es war der Mann vom Wochenkurier-Inserat. Andreas. Aus anfänglicher Unsicherheit wurde schnell ein vertrautes Gespräch. Zwei Tage später sahen sich die beiden zum ersten Mal. Es war der 21. Dezember 2005. Sie schmiedeten Pläne. Silvester wollten sie sich wiedersehen, wenn er nach einem lange geplanten Urlaub mit seiner Schwester wieder zurückgekehrt war.

„Jeden Tag haben wir miteinander telefoniert“, sagt Rita Scholz. Das Vertrauen wuchs. Der Silvesterabend rückte näher. Beim Funkeln der Silvesterraketen über Letmathe versprachen sich die beiden zu heiraten.

Den Weg ins Glück freigesägt

„Es war alles, wie wir es uns immer erträumt hatten“, sagt Andreas Scholz. Seine Rita wollte er für die Hochzeit nach Nordrach in den Schwarzwald entführen. Dort hatte er oft seinen Urlaub verbracht. Dort fühlte er sich willkommen.

Die Vorbereitungen vergingen wie im Flug. Am 24. März 2006 gaben sich die beiden im Schwarzwald das Ja-Wort. Freunde aus Nordrach hatten dem Paar noch eine kleine Hürde in den Weg gelegt. Rita und Andreas Scholz mussten sich den Weg ins Eheglück freisägen.

Viel ist seither geschehen. Viele heitere Tage haben die beiden Letmather erlebt, natürlich auch ein paar dunkle. Eines hat sich nicht verändert. „Der Wochenkurier“, sagt Andreas Scholz, „ist und bleibt unser Glücksbote.“ Das soll er auch bleiben.