FC Freiburg des Eishockeys?

Iserlohn. „Kurz vor dem 20. Geburtstag unseres Vereins ist es an der Zeit, uns insgesamt zu hinterfragen. Mit welcher Philosophie gehen wir Roosters in die kommenden drei bis fünf Jahre? Wofür steht unser Verein sportlich und als Aushängeschild der Region? Was gibt den Fans Gelegenheit, sich mit uns zu identifizieren?“ Diese Fragen formulierte jetzt – wenige Tage vor Ende des Monats April 2013 – Wolfgang Brück, geschäftsführender Gesellschafter der Iserlohn Roosters.

„Wir waren einmal das kleine gallische Dorf, das die Großen der Liga geärgert hat. Dieses Image aber reicht nach 13 Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse nicht mehr aus. Für mich bedeutet das, dass wir uns am Seilersee neu finden und definieren müssen.“ Dabei steht für Brück fest, dass der Markencharakter, auch aufgrund der finanziellen Möglichkeiten des Vereins, nicht durch sportlichen Erfolg definierbar ist.

Im Sponsoring auf Rang sechs der Liga

„Wir werden aufgrund unseres Etats auch zukünftig nicht konstant zu den besten sechs oder acht Mannschaften der DEL gehören können, obwohl wir bei den Sponsoringeinnahmen auf Rang sechs des Liga-Rankings liegen“, ergänzt Josef Jost, Mitgesellschafter und 2. Vorsitzender des Iserlohner Eishockey-Clubs.

Dennoch bleiben beide bei ihrer Aussage: Man wolle öfter die Playoffs erreichen, als sie zu verpassen. Dazu sei es nötig, einen neuen Iserlohner Weg zu gestalten. Brück: „Ich möchte zukünftig einen deutlich stärkeren Fokus auf junge, hungrige Talente legen, die wir gut ausbilden, um ihnen eine Chance zu geben, ihren Weg in den Profisport in Iserlohn zu beginnen und mit uns gemeinsam erfolgreich zu sein. Ich glaube, dass in diesem Punkt der SC Freiburg aus der Fußball-Bundesliga ein Vorbild sein sollte. Deshalb habe ich ein Gespräch mit der sportlichen Leitung geführt, in dem wir beschlossen haben, diesen Weg einzuschlagen. Er wird nicht von heute auf morgen umsetzbar, sondern langfristig angelegt sein. Sicher ist, wir werden auch unseren aktuellen Talenten ausreichend Zeit zur Entwicklung geben und parallel die Zusammenarbeit mit unserer Nachwuchsabteilung intensivieren.“

Mit der Jugend in die DNL

Ziel ist es, schnellstmöglich eine Mannschaft in der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) zu etablieren. Um anschließend die Lücke zwischen dem Nachwuchsbereich und der Profiliga zu schließen, haben die Iserlohn Roosters mit dem EV Duisburg aus der Oberliga einen neuen, starken Kooperationspartner gefunden. „Zukünftig werden wir unseren jungen Leuten die Gelegenheit geben, sich in einem Topverein weiterzuentwickeln und die sportliche Reife für die DEL zu erlangen“, sagt Brück.

Kurzfristige Veränderungen wird es für die kommende Saison im sportlichen Bereich geben. Um eine neue Mannschaft aufzubauen, erhält Manager Karsten Mende einen höheren Etat als im vergangenen, aufgrund der ungeklärten Hallen- und Fernsehsituation finanziell schwierigen letzten Sommer. „Wir werden nicht mehr darauf spekulieren, spät im August oder sogar erst zu Beginn einer neuen Saison unseren Kader zu komplettieren. Wir schicken eine Mannschaft mit mindestens zwei Torhütern, drei Verteidigerpaaren und zwölf Stürmern ins Trainingslager“, sagt Mende.

Abgefallene mentale Anspannung

Ein besonderes Augenmerk hat Mende auf die letzten zehn verlorenen Partien der vergangenen Saison gelegt. „Bis zum Düsseldorf-Spiel hatten wir einen Schnitt von 1,4 Punkten pro Partie. Hätten wir so weitergearbeitet, hätten wir die Playoffs erreicht. Die Niederlagen gegen Hamburg, Hannover und München aber waren entscheidend. Qualität und Quantität des Teams, das haben wir in diesen Partien gesehen, waren nicht hoch genug.“ Die folgenden sechs Niederlagen seien bei genauer Betrachtung ausschließlich auf die abgefallene mentale Anspannung zurückzuführen.

„Das Saisonende ist damit enttäuschend, verlangt aber nicht, alles in Frage zu stellen. Personalentscheidungen waren zu treffen, das haben wir getan und von denen, die im kommenden Jahr auch weiterhin das Roosters-Trikot tragen, werden wir erwarten, an Durchsetzungskraft und mentaler Stärke zuzulegen.“

Mende betrachtet sich und Trainer Doug Mason als Teil des Erfolgs und natürlich auch des Misserfolgs der vergangenen Saison. Doug Mason hat sein Versprechen, aus den Roosters eine schlagkräftige und hart arbeitende Mannschaft zu machen, eingelöst. „Auch deshalb sagt unsere Analyse, dass es keinen Grund gibt, den Vertrag mit Doug nicht zu erfüllen.“

Die Fans stärker einbinden

„Notwendig ist eine konsequente Weiterentwicklung der Kommunikation am Seilersee. Wir haben die Verantwortung, die Fans auf unserem Weg mitzunehmen, sie an unseren Vorstellungen teilhaben zu lassen und Fragen zu stellen“, betont Wolfgang Brück. Deshalb wird der Club auf Sommer-Tour gehen. Ziel ist es, mit mindestens vier Fanclubs individuelle Fanstammtische zu organisieren. Darin werden Brück, Karsten Mende und einzelne Spieler in persönlichen Gesprächen ihre Gedanken teilen und Planungen vorstellen. Zum Abschluss findet Anfang August ein großer Stammtisch zu Beginn der Vorbereitungszeit statt.

Außerdem wird nicht der Club die Trikots für die kommende Saison gestalten, sondern die Fans haben Gelegenheit, ihr Lieblingsdesign vorzustellen und auszuwählen. Abschließend hat die Clubführung festgelegt, bereits in diesem Sommer einen Festausschuss für das 20-jährige Jubiläum zu bilden, an dem auch Fans teilhaben werden.

Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle wird insbesondere für Wolfgang Brück eines der zentralen Themen der kommenden Spielzeit sein. „Ich will außerdem, dass sich intern alle Seiten einem zu definierenden mittel- bis langfristigen Ziel unterordnen. Das gilt auch für mich selbst. Ich bin bereit, meine Gedanken intensiver mit unseren Anhängern zu teilen und sie so auf dem Weg der Iserlohn Roosters mitzunehmen. Die Eishockeytradition weiter zu entwickeln, ist meine Aufgabe und der werde ich mich widmen!“