Fliegende Pfannkuchen gesichtet

Wenn die Pfannkuchen wirbeln: Hier gab es keine unbekannten, sondern ganz eindeutig leckere Flugobjekte. (Foto: privat)

Iserlohn. (as) „Was ist das denn?“ Wer in der vergangenen Woche in den Wohnpark Buchenwäldchen kam, hat sich womöglich vor Staunen die Augen gerieben. Da sprinteten kleine und größere Kinder, bekleidet mit Schürzen, duch die Anlage. In den Händen hielten die Mädchen und Jungs Bratpfannen. Im Abstand weniger Meter ließen sie die darin liegenden Pfannkuchen durch die Luft wirbeln.

Gabriele Röllecke musste häufig schmunzeln. Diese Pfannen- und Pfannkuchen-Aktion geht auf sie zurück. Als Leiterin der englischen Sprachschule wollte Gabriele Röllecke die Kinder mit einem alten englischen Brauch vertraut machen: Der „Pancake Day“, also Pfannkuchen-Tag, wird auf der Insel am Tag vor Beginn der Fastenzeit gefeiert. Und weil Gabriele Röllecke natürlich nicht alle Kinder am Veilchendienstag zum Pfannkuchen-Werfen bitten konnte, wurden im Wohnpark Buchenwäldchen gleich mehrere Tage hintereinander die Pfannen geschwenkt.

Lieder und Geschichten ließen den „Pancake Day“ für die Mädchen und Jungen lebendig werden. Gemäß der englischen Tradition wird an diesem Tag ein Pfannkuchenrennen durchgeführt, bei dem der Pfannkuchen sechsmal in der Luft gewendet werden muss.

Seit über 500 Jahren laufen die Engländer nun schon am Veilchendienstag mit Pfannkuchen und Pfannen in jedem Ort in England, um die schnellsten und geschicktesten Läufer zu ermitteln. Früher einmal war es verboten, Eier, Butter, Öl und Zucker während der Fastenzeit (die am Aschermittwoch beginnt) zu essen. So bereiteten die Engländer am Tage zuvor aus diesen Zutaten Pfannkuchen zu, um die Reste aufzubrauchen. Beim Ertönen der Kirchenglocken, am Pancake Day, mussten sie sofort in die Kirche gehen. So geschah es im Jahre 1445 in Olney, dass beim Glockenläuten eine Hausfrau ihre Pfannkuchen nicht verbrennen lassen wollte. Sie rannte kurzerhand mit Kopftuch, Schürze, Pfanne und Pfannkuchen in die Kirche. Das fanden alle so lustig, dass sie beschlossen, ab 1446 regelmäßig Pfannkuchenrennen abzuhalten.

In Deutschland ist der „Pancake Day“ weitgehend unbekannt. Deshalb staunten die Passanten nicht schlecht, als die mit Schürzen gekleideten Kinder durch die Gegend flitzten und ihre Pfannkuchen in die Luft warfen.

Englisch-Lehrerin Gabriele Röllecke findet es wichtig, neben der englischen Sprache auch die englischen Bräuche zu vermitteln. Wer die Kinder erlebte, kann ihr nur zustimmen. Denn groß war die Begeisterung, Pfannkuchen durch die Luft wirbeln zu lassen. Und genau dies gehört für Gabriele Röllecke auch zum Unterricht: „Spaß beim Unterricht erhöht den Lerneffekt“, sagt sie.

Pfannkuchen werfen ist die eine Seite der Medaille. Pfannkuchen selbst zuzubereiten eine andere. Und auch hier gaben sich die Mädchen und Jungen meisterlich. „Nur ein Pfannkuchen ist uns ein wenig schräg von der Pfanne geflutscht“, erzählt die Englisch-Lehrerin. „Aber auch der konnte noch gerettet werden.“

Erst wurde bebacken, dann gefuttert. So macht Englisch-Lernen gleich doppelt Spaß.