Frauen-Power am Jägerzaun

Endlich Frühling! Mit Irene Geck zieht im Vorstand der Kleingartenanlage am Windhügel Frauen-Power ein. Die begeisterte Kleingärtnerin ist nach dreißig Jahren die erste Frau an der Vereinsspitze und hat sich einiges vorgenommen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Irene und Peter Geck haben ihr Paradies schon vor 22 Jahren gefunden: Seit 1991 sind sie lieber in ihrem Kleingarten am Windhügel in Dröschede als irgendwo sonst auf der Welt. Dafür machen sie sich stark. Irene Geck vertritt den Verein neuerdings auch als erste Vorstandsvorsitzende. Erstmals seit 30 Jahren setzen die Kleingärtner am Windhügel damit nun auf Frauen-Power.

Das Rentner-Ehepaar Geck war vor zwei Jahrzehnten durch Zufall zum Garten gekommen. „Wir hatten beide mit Gartenarbeit nichts an der Mütze“, lacht Irene Geck. „Und auch gar keine Ahnung. Wir wollten einfach unserem Patenkind, das viel Zeit bei uns verbrachte, einen Garten zum Spielen, Beobachten und Entdecken bieten.“

Damals gab es kaum freie Kleingärten. Lange mussten die Gecks warten, bis sich ihnen am Windhügel eine Pachtmöglichkeit bot.

Jede freie Minute

„Es war eine heiße Juni-Vollmondnacht, als wir zum ersten Mal in diese Anlage kamen“, erinnert sich Irene Geck an einen Moment, der ihr Leben veränderte. „Seit vielen Jahren finden wir nun hier Ruhe und Entspannung. Wir verbringen jede freie Minute im Garten. Das ist uns mehr wert, als zu verreisen.“

In der gepflegten Anlage reihen sich 39 Gärten mit je rund 300 Quadratmetern in Südlage den Hang hinunter. Die Aussicht allein ist bestechend. Die 24 Quadratmeter großen schmucken Häuser verfügen über Wasser und Strom.

„Unser Garten war damals nur ein wildes Stück“, erinnert sich Irene Geck mit Schaudern. „Wir haben zunächst einmal Kahlschlag gemacht, alles gerodet und herausgerissen. Dann haben wir praktisch bei Null angefangen.“

Tipps und Tricks von hilfsbereiten Nachbarn

Dass die beiden Garten-Neulinge vom Grün keinen blassen Schimmer hatten, spielte keine Rolle. Rat, Tipps und auch tatkräftige Unterstützung gab es von den Nachbarn. Schnell entstand auf der Geckschen Parzelle ein kleines Paradies, wie es viele gibt in der Anlage am Windhügel. Bei den Gecks wachsen auf vier selbst gezimmerten Hochbeeten Blumenkohl, Brokkoli, Petersilie, Bohnen, Endivien, Feldsalat und Kartoffeln. „Wir haben Stachelbeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren, Äpfel, Kirschen und Quitten“, zählt Irene Geck stolz auf.

Einerseits ist so etwas viel Arbeit, aber es bleibt den Gecks auch genug Zeit, um ihr grünes Wohnzimmer samt Teich und Fröschen zu genießen.

Selbst im Winter waren die beiden Gecks oft hier. Allein 80 Kilo Vogelfutter haben sie heraufgeschleppt und auf ihrer Parzelle verfüttert.

Neue Gärtner willkommen

„Wenn man einen solchen Garten eines Tages aufgeben muss, reißt es einem das Herz raus“, vermutet Irene Geck. Die Anlage am Windhügel befindet sich bereits mitten drin im Generationswechsel. Wenn eine Ehe zerbricht oder ein Partner stirbt, muss oft früher oder später der Garten geopfert werden.

Mehrere Parzellen am Windhügel stehen zur Zeit frei. Zum Teil handelt es sich um unbebaute Grundstücke. „Wir hoffen sehr, diese Gärten bald mit neuem Leben füllen zu können“, sagt die frischgewählte erste Vorsitzende, die extra beim Landesverband der Kleingärtner in Lünen ein Seminar besuchte, um sich auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten. „Wir wollen die Anlage wieder freundlicher machen, etwa durch einladende Blumenkübel am Eingang. Die lang verschollene Vereinsfahne flattert schon am Fahnenmast.“

Gemeinschaft als Aufgabe

Auch das Vereinsleben soll neu belebt werden. Feste möchte man wieder gemeinsam feiern – wie früher in den Anfängen. Um den Tanz in den Mai, das Sommerfest oder den Adventskaffee neu zu beleben, wurde extra ein Festausschuss gegründet.

„Die Zeiten haben sich geändert“, weiß Irene Geck. „Heute macht jeder lieber sein eigenes Ding. Gemeinschaftsleben steht nicht so hoch im Kurs wie ehedem.“

Nicht nur das: Auch der Kinderspielplatz, der einst bespielt und belärmt wurde, ist mittlerweile platt gemacht worden. Aus Sicherheitsgründen, so hieß es.

Frauen machen sich stark

Der Verein setzt nun auf Frauen-Power, um frischen Wind und neues Leben in die Gärten zu holen. Als Gärtner sind Männer und Frauen gleichberechtigt, so erleben es die Gecks. Obwohl: „Wir Männer sind eher fürs Grobe“, schmunzelt Peter Geck. „Unverzichtbar aber auch wieder nicht. Es gibt genug Frauen hier, die ihren Garten allein bestellen.“

Frauen machen sich stark am Windhügel: Irene Geck als erste Vorsitzende und Sabine Fritzsche als Schriftführerin und im neuen Festausschuss. Auch die Fachberatung der Kleingärtner in Sachen PH-Werte und Baumschnitt etwa liegt hier in der Verantwortung einer Kleingärtnerin.

„Geht nicht, gibt‘s nicht – heißt meine Devise“, sagt Irene Geck. „Mit einer Ausnahme: Wir können die Blüten schlecht alle per Hand selbst bestäuben. Deshalb sind wir zur Zeit auf der dringenden Suche nach einem Imker oder einer Imkerin. Wer seine Bienen bei uns beheimaten möchte, ist uns hoch willkommen.“

Kontakt gibt es unter Telefon 0177 / 2204847.