Iserlohn. Greta Thunberg ist 16 und hat mit ihren Demonstrationen für eine konsequente Klimapolitik in Schweden junge Menschen auf der ganzen Welt berührt. Auch in Iserlohn wird das Eintreten der jungen Schwedin für eine Welt, die in Zukunft noch lebenswert ist, diskutiert. „Können wir auch ein Zeichen setzen?“, war die Frage. Die Antwort lautet: Ja.

Auf Initiative der Schülervertretung des Letmather Gymnasiums schließt sich die Iserlohner Schülerschaft der „Fridays for Future“-Bewegung an. Die erste Demo ist genehmigt. Am Freitag, 15. März, um 9 Uhr treffen sich Schüler aus ganz Iserlohn auf dem Fritz-Kühn-Platz, ziehen weiter über den Alten Rathausplatz und beenden ihr Eintreten für das Klima auf dem Schillerplatz vor dem Rathaus. Wenn möglich, sollen Schülerbands den Protestzug begleiten. Ein Infostand auf dem Schillerplatz klärt auf über die Ziele der jungen Menschen.

Nicht hochdekorierte Redner werden ihre Stimme erheben, sondern Schüler aus Iserlohn. Luca Ströhmann vom Friederike-Fliedner-Berufskolleg und Nancy Schmidt vom Letmather Gymnasium wollen ihre Zuhörer mit ihren Worten bewegen. Doch auch andere haben die Chance, sich in die Diskussionen einzumischen. „Wir führen ein offenes Mikrophon“, sagt Alexander Saß.

Alexander Saß ist 18 Jahre alt, Schüler am Letmather Gymnasium und steckt mitten in den Abi-Vorbereitungen. Das Thema Klimaschutz ist ihm wichtig. Deshalb hat er für sich entschieden, im Organisationsteam der „Friday for Future“-Bewegung in Iserlohn mitzuwirken – trotz Lernstress vor dem Abitur und den letzten Klausuren. Viele haben genauso gehandelt, wie er. „Die Initiative ist zwar vom Gymnasium Letmathe ausgegangen, aber andere Schulen waren auch sehr engagiert“, sagt er. „Sie haben beispielsweise schon Demonstrationen in Schwerte oder Dortmund besucht.“

Die Letmather aber entfachten den Funken der Begeisterung, „Fridays for Future“ nach Iserlohn zu holen – und damit die Politiker auch hier, vor Ort, aufzufordern, die Ärmel hochzukrempeln für den Klimaschutz. „Am Kohleausstieg darf nicht gerüttelt werden“, sagt Alexander Saß. Die Verringerung des CO2-Ausstoßes sei Grundvoraussetzung für den Erhalt einer lebenswerten Welt. Und: Wer, wenn nicht wir in den reichen und meinungsbildenden Staaten könne vorangehen, wenn es um Maßnahmen zum Schutz des Klimas gehe.

Alexander Saß, aber auch die anderen Schülerinnen und Schüler aus dem Organisationsgremium, rühren kräftig die Werbetrommel für ihre Aktion. Auch bei der Werbegmeinschaft Letmathe.

Im Gespräch mit Rainer Großberndt, zweiter Vorsitzender der Werbegemeinschaft, und dem Ehrenvorsitzenden Ulrich Luther galt es – natürlich – auch die Fragen zu klären: Warum ausgerechnet an einem Freitag? Kann der Schülerprotest nicht an einem Wochenende stattfinden, wenn ohnehin schulfrei ist?

„Eine Demo wäre an Samstagen oder Sonntagen nicht so effektiv“, sagt Alexander Saß. „Wenn Schüler freitags nicht zum Unterricht, sondern demonstrieren gehen, guckt aber jeder hin.“ Und genau das ist wichtig. Mit ihrer provokanten Demo wollen die Schüler an­ecken. Denn es ist, um es mit den Worten Greta Thunbergs zu sagen, „nun an der jungen Generation, ihre Zukunft selbst in die eigenen Hände zu nehmen und das zu tun, was die Politik schon lange hätte tun müssen“: das Chaos aufräumen, das die Welt an den Rand der Klimakatastrophe geführt habe.

Von Ulrich Luther und Rainer Großberndt bekam Alexander Saß für die Aktion der Schülerschaft jede Unterstützung zugesagt, zu der eine Werbegemeinschaft in der Lage sei. „Wenn ich jung wäre, würde ich diese Sache auch begleiten“, sagt Ulrich Luther. Und dann mischt sich die Skepsis der Lebenserfahrung ein: „Meine größte Sorge ist die Ignoranz der Politik.“

Auch in der Lehrerschaft trifft das Engagement der Schüler auf Zustimmung. „Von vielen Schulleitungen haben wir schon gehört, dass sie uns unterstützen“, sagt Alexander Saß. Er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus dem Organisationsteam hoffen, dass sich möglichst viele junge Menschen der Demonstration anschließen können, „auch wenn anschließend der gesamte Freitags-Lehrstoff nachgearbeitet werden muss“. Denn: Die Welt ist es wert, dass junge Menschen für sie und ihre Zukunft eintreten.

 

 

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