Iserlohn. Eigentlich wird dem Mai nachgesagt, alles neu zu machen. Doch Fritzi Bimberg-Nolte und Petra Pientka, die beiden Geschäftsführerinnen der Nolte-Gruppe haben sich für ein anderes Datum entschieden. Es war der 20. März, also Frühlingsanfang, als die beiden Damen ein stadtprägendes Neubauprojekt vorstellten. An der Mendener Straße 17 bis 23, dort, wo gerade noch unter anderem der hauseigene Adam-Store untergebracht war, entsteht das Fritz-Nolte-Haus. 19 Wohnungen und vier Gewerbeflächen sollen, wenn nichts Gravierendes geschieht, bereits im Sommer des kommenden Jahres bezogen werden können.

Ein „Stadttor“ für Iserlohn hat er bereits geschaffen. Das Raumideen-Gebäude von Christoph Oberste begrüßt Iserlohner und Besucher im Bereich Baarstraße, Kurt-Schumacher-Ring, Theodor-Heuss-Ring. Nun wurde Architekt Walter Ebeling von Fritzi Bimberg-Nolte und Petra Pientka hinzugezogen, als es darum ging, den Traum vom barrierefreien Wohnen und Arbeiten am entgegengesetzten Ende der City wahr werden zu lassen.

Wie auch beim Schillerplatz hatte die Gründung den beiden Bauherrinnen die größte Sorge bereitet. Immerhin wurde auch dort, unter der heutigen Mendener Straße und dem Konrad-Adenauer-Ring, in alten Zeiten fleißig nach Galmei gegraben. „Die Stollen“, das hat Architekt und Heimatforscher Ernst Dossmann herausgefunden, „erstrecken sich bis zu 210 Meter in die Tiefe.“ Sein gesamtes Knowhow hat der Heimatpfleger den beiden Geschäftsfrauen zur Verfügung gestellt.

Schwieriger Untergrund

Walter Ebeling schließlich stieß als Architekt erst im Februar 2018 zum Bauprojekt. Als „Helfer in der Not“, sagt Petra Pientka. Er bestätigt, dass es sich um einen „schwierigen Untergrund“ handelt. Aber: „Wir können jetzt ziemlich sicher sein, dass der Untergrund trägt“, sagt er. Ganz genau hat er die alten Baupläne studiert und dabei festgestellt, dass die Gründung des jetzt noch stehenden Hauses für einen viel größeren Gebäudekomplex vorgesehen war. Die Quintessenz: Bei den Bauarbeiten nutzt er die Weitsicht der früheren Planer. Der Gebäuderiegel entlang dem Konrad-Adenauer-Ring und der Mendener Straße wird ab dem 1. April abgerissen. Der Keller bleibt allerdings erhalten. Darauf entsteht das Fritz-Nolte-Haus mit den Gewerbeflächen im Erdgeschoss, und 19 barrierefreien Wohnungen zwischen 39 und 84 Quadratmeter Größe im ersten und zweiten Obergeschoss und im Staffelgeschoss.

Fritz-Nolte-Haus bietet „auto-mobiles“ Wohnen
So soll das künftige Fritz-Nolte-Haus aussehen. Es verleiht Mendener Straße und Konrad-Adenauer-Ring ein neues Gesicht.(Visualisierung: Ebeling Architekten)

Eine Gewerbefläche ist übrigens schon jetzt vermietet. Hier möchte die Diakonie Mark-Ruhr ein Büro für ambulante Pflege eröffnen. Fritzi Bimberg-Nolte verbindet mit dem Fritz-Nolte-Haus noch viel mehr als ein stadtprägendes Bauprojekt. „Der Herrgott hat meine Wiege hierhergestellt“, erinnert sie sich. Im Haus Mendener Straße 21 wurden sie und ihre Schwester Martha geboren. Nach und nach hatte ihr Vater, der Iserlohner Autopionier Fritz Nolte die Häuser um das Noltesche Wohnhaus hinzu erworben. Dort entstand schließlich die Keimzelle der heutigen Nolte-Gruppe – ein Geschäft für Automobile, eine Werkstatt, eine Fahrschule, eine Tankstelle. „Altes muss weg, Neues kommt“, sinniert Fritzi Bimberg-Nolte.

Keine Stufen, keine Barrieren

Petra Pientka unterstreicht, dass das künftige Gebäude ganz im Sinne ihres Großvaters errichtet werden. Fritz Nolte sei der Mann gewesen, der, wie sie sagt, Südwestfalen automobilisiert habe. Hier entstehe nun „auto-mobiles Wohnen“. Wobei sie nicht die Fortbewegung auf vier Rädern meine. Vielmehr gehe es um Wohnungen, die den künftigen Mietern eine größtmögliche Selbstständigkeit und damit auch Beweglichkeit gewähre. Barrierefrei, mitten in der Stadt – das Fritz-Nolte-Haus soll ein Ort werden, an dem man zur Ruhe kommen und auch im höheren Alter noch einmal neu anfangen könne. „Keine Stufen, keine Barrieren.“ Fritzi Bimberg-Nolte weiß, wie wichtig das ist. Sie selbst gesteht, dass die ihre Besuche tatsächlich nach genau solchen Kriterien planen müsse.

Schon jetzt zeigen Visualisierungen auf den Bäuzäunen, wie das Gebäude einmal aussehen wird. Menschen bleiben stehen, schauen den Arbeitern zu. Am 1. April beginnt der Abriss des Gebäudekomplexes – wobei die Wohnhäuser Mendener Straße 17 und 19 und auch das Fitnessstudio an der Vinckestraße mit dem darüber liegenden Parkdeck erhalten bleiben. In fünf Wochen aber wird der Rest verschwunden sein. Bis November dieses Jahres, so sieht es die Planung der Otto Quast Bau-Aktiengesellschaft als Bauunternehmer vor, sollte der Hochbau aller Gewerbe- und Wohngeschosse abgeschlossen sein. Bis Ende Mai könnte auch der Innenausbau fertiggestellt werden. Spätestens dann ist Iserlohn um ein weiteres „Stadttor“ reicher – das Fritz-Nolte-Haus wartet auf seine neuen Bewohner.