Fröhlichkeit mit Herz

Iserlohn. (clau) Er grinst heute noch, wenn er erzählt, wie das war, damals vor genau zehn Jahren, als er selbst völlig unvorhergesehen Schützenkönig wurde.

Am 30. Juni 2001 schlenderte der damals seit zwei Jahren stellvertretende Bürgermeister Iserlohns, Horst Fiesel, die Friedrichstraße entlang, als er einen Bekannten traf, der ihn fragte, wohin er unterwegs sei. „Ich will zur Alexanderhöhe rauf“, habe er geantwortet und scherzend hinzugefügt: „Ich hole mal eben den Vogel ’runter!“

Ein Schelmenstück

In Zivil war er, ohne Schützenrock. Er fristete sein frisches Rentnerleben erfüllt von bürgermeisterlichen Pflichten fernab jeglicher Schießstände. Einen Rang hatte er schon gar nicht vorzuweisen.

„Als ausgerechnet ich als nicht-aktives Mitglied dann den Vogel tatsächlich abschoss, war das eine Riesen-Überraschung!“, amüsiert sich auch zehn Jahre später noch das heutige Stabsmitglied über das gelungene Schelmenstück. „Später wurde ich dann befördert. Inzwischen bin ich Major.“

Susanne Westhelle stand ihm als Königin zur Seite. Sie haben schon lange keinen Kontakt mehr. „Leider!“ Die Mitglieder seines damaligen Hofstaats trifft er dagegen immer noch ab und an. „Man sieht sich.“

Kutschplatz mit Gegengewicht

Ex-König Horst Fiesel pflanzte vor zehn Jahren seine Königs-Kastanien, die ihn heute weit überragen. Die Gedenkplakette musste er eigens wieder auf Augenhöhe herunterholen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Der Schützenfest-Samstag rauschte am neuen Königspaar nur so vorbei, erinnert sich der seinerzeit frisch gerundete Siebzigjährige. „Davon hat man selber gar nichts vor lauter Präsentieren, Begrüßen, Gratulieren und Händeschütteln.“

An den großen Sonntagsfestzug dagegen erinnert er sich noch äußerst gern: „Mit Erlaubnis unseres Kutschers durften die Königin und ich ganz oben auf dem zurückgeklappten Verdeck thronen. Und damit wir nicht hinten runter fielen, haben wir uns vorne meine Enkel Pascal und Tobias als Gegengewichte auf die Füße gesetzt.“

Termine, Termine

Die Regentschaft hatte es in sich: Allein 75 offizielle IBSV-Termine füllten Horst Fiesels Kalender. „Aber dazu kamen jede Menge andere Aufgaben wie Besuche an Krankenhausbetten und Geburtstagstafeln“, sagt der wenig öffentlichkeitsscheue Ex-Postler. Zu viel wurde es ihm nicht. Im Gegenteil: Oft ließen sich die IBSV-Termine gut mit seinen bürgermeisterlichen Pflichten verbinden. So war ihm das riesige Aufgaben-Paket als König immer mehr Freude als Last. „Das hat Spaß gemacht“, sagt er.

Bei einer Goldenen Hochzeit in Letmathe – erinnert er sich schmunzelnd – freute man sich über den Besuch des stellvertretenden Bürgermeisters Fiesel. Dass der hohe Gast zugleich amtierender IBSV-Schützenkönig war, hatte das Jubelpaar dagegen gar nicht mitbekommen.

Eine Belastung für seine Familie oder die Ehe war das hohe Amt nie: „Meine Frau ist ja noch viel intensiver engagiert als ich“, sagt er über die jetzige Vize-Landrätin Renate Schulte-Fiesel.

Wie aus Eimern

Der damalige Fahnenmarsch ist Horst Fiesel noch in lebhafter Erinnerung: Wie aus Eimern hat es gegossen. Rund 240 Schützen versuchten unverdrossen vergnügt, im Vereinsheim ITS an der Kantstraße Schutz vor den Fluten zu finden.

Sein Orden, gestaltet von der Goldschmiedin Winner, ist für den Ex-König bis heute ein Lieblingsstück: Der Orden in Form einer Briefmarke zeigt ein Posthorn als Zeichen für den erlernten Beruf, das Iserlohner Stadtwappen in Anlehnung an das Amt als stellvertretender Bürgermeister und das extra für diesen Zweck ausgearbeitete Familienwappen der Fiesels.

Königliche Bäume

Greifbare, schattenspendende Folgen hat seine Regentschaft bis heute. Anwohner der Alexanderhöhe machten Horst IV. im Laufe seines Königsjahres darauf aufmerksam, dass der Kinderspielplatz auf der Alexanderhöhe bei sonnigem Wetter ungeschützt in der prallen Sonne liege. „Da habe ich drei junge Kastanienbäumchen beschafft und hier angepflanzt“, sagt Horst Fiesel. „Die sind in den vergangenen zehn Jahren ganz schön groß geworden.“

Eine kleine Gedenkplatte hatte er damals schon an einem der Bäumchen anbringen lassen. Die Inschrift darauf knüpft eine Art Generationen-Vertrag: ‚Pflanz einen Baum! Und du kannst nicht ahnen, wer einst in seinem Schatten tanzt. Bedenk – oh Mensch – es haben Deine Ahnen, noch ehe sie dich kannten, auch diesen Baum für Dich gepflanzt.‘

Die Plakette war mittlerweile mit dem jungen Baum in solche Höhen gewachsen, dass man sie nun herunterholen und eigens an einen nur noch mannshohen Pfosten nageln musste, um mit ihr wieder halbwegs auf Augenhöhe zu sein, ohne sich den Hals zu verrenken.

„Mein Wahlspruch hieß ‚Fröhlichkeit mit Herz‘. Ich wollte immer richtig Kontakt zu den Menschen und unter den Menschen“, nennt Horst Fiesel sein Königs-Ziel.

Alles passt

In wenigen Tagen wird er mit Freunden und Weggefährten sein 10-jähriges Königsjubiläum feiern. „Wer waren die ersten Politiker? – Die drei Könige aus dem Morgenland! Denn sie sahen ihren Stern aufgehen, legten ihre Arbeit nieder, zogen feine Gewänder an, luden die Lasten den Kamelen auf und eilten zur Krippe!“ – Mit diesen Worten leitet der überzeugte Christ und engagierte Bürger, Schütze und Politiker seine Einladung ein. Bei ihm passt einfach alles zusammen…