Für eine zukunftsfähige Iserlohner Schullandschaft

Für die vielen interessierten Bürger gab es bei der außerordentlich einberufenen Sondersitzung nicht genügend Sitzgelegenheiten, so dass noch Stühle in den Ratssaal aufgebaut wurden (Foto: Rainer Stoye)

Iserlohn. (rasto) Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens hatte die Mitglieder des Rates zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen. Im einzigen Tagesordnungspunkt ging es um die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Arnsberg, das das von der CDU-Fraktion unterstützte Bürgerbegehren, das sich mit gut 8.000 Stimmen gegen eine zweite Gesamtschule in Hennen aussprach, als rechtens erklärt hat. Gleichzeitig wurde der Stadt untersagt, ein vorgezogenes Anmeldeverfahren für die Gesamtschule in Hennen durch- bzw. fortzuführen und weitere Auftrags- beziehungsweise Planungsleistungen zu vergeben. Die Verantwortlichen hätten unverzüglich für eine zukunftsfähige Schullandschaft in Iserlohn zu sorgen. Dieser Gerichtsbeschluss hat eine kurzfristige Beratung zwecks weiterer Vorgehensweise zwingend erforderlich gemacht, da nach dem 16. Januar 2013 das Rechtsmittel der Beschwerde nicht mehr möglich wäre.

Die Querelen des vergangenen Jahres, wo sich die vier Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke mit den Ratsmitgliedern von CDU und Freie Wähler gegenseitig teils unfaire Wortgefechte lieferten, wurden in Vorgesprächen in sachlicher Atmosphäre aus dem Weg geräumt. Das setzte sich auch während der Sitzung fort. So dankte CDU-Fraktionschef Rolf Kramer „für die erfreulichen und konstruktiven Gespräche mit allen Fraktionen“ und Mike Janke von der SPD ergänzte „das gut angefangene Jahr 2013 sollte auch zukünftig Gemeinsamkeiten hervorbringen“. Ratsmitglieder und viele interessierte Bürger waren sich einig, dass die Bereitschaft zum Kompromiss für alle Fraktionen ein zufriedenstellendes Ergebnis gebracht hat.

Was geschieht jetzt genau?

So konnte Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens beruhigt zur Abstimmung aufrufen. Fast immer einstimmig wurde die Beschlussfassung verabschiedet.

  1. Er erkennt das Bürgerbegehren als zulässig an (3 Stimmenthaltungen).
  2. Der Ratsbeschluss vom 3. Juli 2012 zur Errichtung einer 2. Gesamtschule in Hennen für das Schuljahr 2013/2014 wird aufgehoben. (1 Gegenstimme).
  3. Es wird ein externer Gutachter beauftragt, bis zum Beginn der großen Ferien dieses Jahres ein zukunftsfähiges Konzept zur Entwicklung der weiterführenden Schulen Iserlohns zu erarbeiten. Die Verwaltung soll mehrere Gutachter zur Auswahl vorzuschlagen.

Der Gutachter hat bei der Überplanung folgende Richtlinien und Zielsetzungen zu berücksichtigen:

  • Oberste Priorität hat der Elternwille. Daher ist zu sorgen, dass zukünftig ausreichend Gesamtschulplätze zur Verfügung stehen.
  • Nach Möglichkeit ist eine Schule an einem Standort zu betreiben. Nach Möglichkeit soll der vorhandene Baubestand genutzt werden.
  • Der Schulstandort Hennen ist durch ein bedarfsgerechtes weiterführendes Schulangebot zu sichern. Die Schwimm- und Sportanlagen in Hennen erhalten eine Bestandsgarantie.
  • Die Frage der Inklusion ist in die Planungen mit einzubeziehen.
  • Das vorgelegte Konzept umfasst auch die Empfehlungen zur Entwicklung der Schulqualität. Erwartet wird daher auch eine Analyse der erreichten Abschlüsse, der Schülerströme einschließlich der so genannten Seiteneinsteiger nach Klasse 10 zu gymnasialen Oberstufen sowie Empfehlungen zur Verbesserung der Ergebnisqualität.
  • Und außerdem: Die Schulleiter sind vom Gutachter an der Konzeptentwicklung zu beteiligen.

Die in Vielzahl erschienenen Bürger (zusätzliche Stühle waren nötig) werden mit Interesse verfolgen, wie es weiter geht. Und: Ob der Rat der Stadt Iserlohn an dieser konstruktiven Arbeitsauffassung festhält und das Vertrauen anhält, das er in der Öffentlichkeit zurück gewonnen hat. Allen Schülerinnen und Schülern und deren Eltern ist zu wünschen, dass die Rückkehr der Parteien an den Verhandlungstisch Gutes für sie bedeutet. Denn die Politik scheint sich nun auch in Iserlohn bewusst zu sein, dass sie trotz aller Meinungsverschiedenheiten so lange nach Lösungen zu suchen hat, bis diese zum Wohle der Betroffenen gefunden sind.