Für Kinder stark machen

Wie sieht die Zukunft des Kinderschutzbundes aus? Gerda Parusel (re.) und Margret Maldei machen sich langsam Sorgen um das Projekt, dem sie vorstehen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Hier und da macht in unserem durch Paragraphen und Vorschriften oft geradezu geknebeltem Land beherztes Bürger-Engagement ganz ungewöhnliche Dinge möglich. Das Gemeinschaftsprojekt der Stadt Iserlohn mit dem örtlichen Kinderschutzbund ist eine solch‘ exotische Pflanze.

Der Deutsche Kinderschutzbund wurde 1953 gegründet und ist mit etwa 50.000 Einzelmitgliedern der größte Verband, der sich den Schutz der Kinder zur Aufgabe macht. Der Ortsverband Iserlohn besteht seit 25 Jahren.

Sein ungewöhnlicher „Handel“ mit der Stadt Iserlohn funktioniert schon seit vielen Jahren erfolgreich, hochgelobt und sogar ausgezeichnet.

Gemeinsam im Brennpunkt

Mitten im sozialen Brennpunkt an der Niddastraße, wo die Nachbarschaft fast nur aus kinderreichen Familien mit Migrationshintergrund besteht – die meisten Moslems stammen vorwiegend aus dem Libanon und aus Marokko -, betreibt der Iserlohner Ortsverband des Kinderschutzbundes eine sogenannte Spiel- und Lernstube.

„Wir haben in einem der Häuser eine Wohnung angemietet. Die Stadt Iserlohn übernimmt die Miete und Nebenkosten und trägt auch die Personalkosten für unsere beiden Erzieherinnen“, erläutert Gründungsmitglied und Vorstand Gerda Parusel. „Wir selbst finanzieren das Inventar, übernehmen die Materialkosten und alle sonstigen Ausgaben wie bei Festen oder Ausflügen.“

Auch die IGW als Vermieter zeigt sich in diesem Gemeinschaftsprojekt großzügig: Ihre Mitarbeiter reparieren unverzüglich, pflegen den Spielplatz, wechseln den Sand in der Sandkiste und vieles mehr.

„Wir finanzieren unseren Anteil durch den Mitgliedsbeitrag von 20 Euro jährlich, durch Spenden und bekommen von der Justiz Zuwendungen aus Strafgeldern“, erklärt Gerda Parusel.

Ein Ort zum Leben

In der Spiel- und Lernstube spielt sich für die ganze Nachbarschaft ein großer Teil des Lebens ab. Morgens kommen die kleineren Kinder zum Spielen her und erleben einen richtigen Kindergartenmorgen ausschließlich eingebettet in die deutsche Sprache, spielen draußen oder erkunden gemeinsam den nahen Wald. In der Mittagspause von 13 bis 14 Uhr bieten die Erzieherinnen eine Sprechstunde für alle Lebens-, Familien-, Erziehungs- oder auch Partnerschaftsfragen an. Von 14 bis 16 Uhr erhalten die Schulkinder qualifizierte Hilfe bei ihren Hausaufgaben, beim Üben und Lernen.

Mehr noch: Es gibt jede Menge Angebote für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, für Kreatives oder Spielerisches. Regelmäßig finden Gesprächsrunden und Vorträge etwa zur Kindermedizin statt. Feste verschiedener Kulturen und Religionen werden zusammen gefeiert, Ausflüge unternommen.

„Unsere Erzieherinnen betreuen die Familien auch daheim – etwa, wenn ein Neugeborenes angekommen ist“, sagt Gerda Parusel. „Sie helfen beim Ausfüllen von Anträgen, begleiten die Familien zu Ämtern oder notfalls zum Arzt und stehen ihnen überhaupt in so ziemlich allen Lebenslagen bei.“

Zu wenig Mitglieder

All diese Arbeit braucht nicht nur Geld, sondern auch Menschen, die sich im Hintergrund dafür stark machen.

Aber genau da drückt inzwischen der Schuh, beklagt Margret Maldei, ebenfalls seit langen Jahren im Vorstand des Iserlohner Kinderschutzbundes: „Wir haben konstant nur zwanzig Mitglieder, wovon aber wieder nur vier aktiv mitarbeiten können“, sagt sie. „Inzwischen sind wir älter geworden. Es tut sich ein Generationsproblem auf. Uns fehlen einfach jüngere, tatkräftige Menschen, die uns ablösen können und die sich einbringen wollen.“

Eine frische jugendliche Homepage betreibt der Verein nun im Internet unter www.kinderschutzbund-iserlohn.de. „Sie wird dankenswerterweise von Schülern der Gesamtschule Iserlohn für uns gepflegt“, berichtet Margret Maldei. „Natürlich nehmen wir auch an Aktionen wie dem Weltkindertag teil, aber wir würden uns gern viel mehr überall einbringen.“

Menschen und Mittel gesucht

Dafür bräuchten sie allerdings Menschen, die kompetent und mit politischem Durchblick den Kinderschutzbund und seine Belange nach außen hin vertreten könnten. „Ideen gibt es genug. Aber was nutzen sie ohne Menschen, die Zeit und Kraft einsetzen wollen, um sie zu verwirklichen?“, fragt Margret Maldei. Sie wagt es kaum auszusprechen: „Jeder Tierschutzverein hat mehr Mitglieder als wir “

Kontakt zur Spiel- und Lernstube gibt es unter Telefon 68066. Das Spendenkonto bei der Sparkasse Iserlohn hat die Nummer 664300, BLZ 44550045.