Geben und Nehmen an der „Tafel“

Sophia Bergandt (r.) und ihr ganzes Team sind gerührt über den kleinen Weihnachtsengel unter dem glitzernden Drahtbaum, den eine dankbare Kundin gleich kartonweise für alle Helfer der „CariTasche“ angefertigt hat.(Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) „Muss das sein?“, fragt sie, denn sie will wieder nicht aufs Foto, jedenfalls auf keinen Fall allein. Sie will sich nicht vordrängen, nicht im Mittelpunkt stehen – und doch muss es Sophia Bergandt immer wieder im Dienste der guten Sache, die da heißt „CariTasche“, der Iserlohner Tafel.

Es ist Weihnachtszeit in der ganzen Stadt und so auch in diesem adventlich geschmückten Laden der ganz besonderen Art, den Sophia Bergandt seit Jahren zusammen mit einem großen Team an ehrenamtlichen Helfern betreut.

Die „CariTasche“ verkauft gespendete Lebensmittel zu kleinen Preisen an bedürftige Bürgerinnen und Bürger. „Wir hatten angefangen mit zehn Prozent des Warenwertes“, erzählt Sophia Bergandt. „Aber das ist so eine Rechnerei! Das lässt sich nur machen, wenn nicht mehr als zwanzig oder dreißig Kunden am Tag kommen.“

Tendenz steigend

Doch inzwischen sind es viel mehr Menschen, die auf den Einkauf bei der „CariTasche“ angewiesen sind. Dreimal wöchentlich – dienstags, mittwochs und donnerstags – öffnet der Laden seine Tore. Und jedes Mal kommen rund 160 Kunden, die durchschnittlich für 2,5 Personen einkaufen. Tendenz immer weiter steigend

„Deshalb sind wir dazu übergegangen, nur noch eine Gebühr in Höhe von einem Euro pro Kunde zu verlangen“, erläutert Sophia Bergandt. „Aber wir müssen alles genau einteilen. Milch beispielsweise ist in erster Linie für Kinder bestimmt. Eine Einzelperson darf nur zwei Obstsorten auswählen, eine Familie dagegen drei Sorten.“

Im Lager stapeln sich die Obst- und Gemüsekisten. Ein großer Stab von Ehrenamtlichen verbringt Stunden damit, alles zu sortieren, zu säubern und appetitlich auszulegen.

Auf Augenhöhe

„Wir geben nur das an die Ladentheke weiter, was gut ist und was wir auch selbst in unserer eigenen Küche noch verarbeiten würden“, sagt Sophia Bergandt. „Wir wollen mit unseren Kunden auf gleicher Augenhöhe sein und die Ware in Würde übergeben.“

Um das bewältigen zu können, braucht es viele helfende Hände. „Wir verstehen uns wirklich gut. Niemand hat Chef-Allüren“, so schildert Sophia Bergandt anlässlich eines Pressetermins auch dem stellvertretenden Bürgermeister Thorsten Schick die Stimmung in ihrem Team, das hauptsächlich aus engagierten Menschen jenseits des 60. Lebensjahres besteht.

Anfang dieser Woche stapelten sich im Lager noch die liebevoll gepackten gespendeten Weihnachtskartons, die nach und nach an die Kunden verteilt wurden: „Ein großer Dank auch hier an alle, die gespendet und mit gepackt haben!“

Engelhafter Dank

„Großer Bahnhof“ in der „CariTasche“ an der Brüderstraße: Eine großzügige Weihnachtsspende über 3000 Euro konnte das Team der Iserlohner Tafel von Vertretern der Märkischen Bank entgegennehmen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Das Geben ist für das „CariTasche-Team“ alltäglich. Das Nehmen dagegen bringt sie leicht aus der Fassung. Sprachlos machte die Helfer ein Karton, der vor wenigen Tagen für das Team abgeben wurde. Für jeden Helfer fand sich darin ein sorgsam verpacktes, kunstvoll aus Draht gestaltetes Bäumchen mit glitzernden Tröpfchen an den Zweigen. Jedes Bäumchen stand inmitten eines kleinen Moosbettes in einem umgedrehten Schraubverschluss als Ständer. Unter den glitzernden Zweigen schritt aus Papier und handbemalt ein Engelchen durch das Moos. Ein handgeschriebener Brief gehörte ebenfalls dazu: Er sprach von Not und Tränen, von Hilfsbereitschaft und von Dankbarkeit.

„Wir konnten das gar nicht glauben. Wir waren alle total gerührt“, gesteht Sophia Bergandt.

Spenden zum Fest

Grund zur Freude hatten sie und das ganze Team in den letzten Tagen mehrfach. Gleich mehrere Iserlohner Unternehmen bedachten die „CariTasche“ noch vor dem Fest mit einer großzügigen Spende.

Der Marktkauf Iserlohn „Alles Frische“ Nowak in Wermingsen etwa hatte in seiner Weihnachts-Aktion Einkaufsgutscheine im Wert von 10 Euro für die „CariTasche“ verkauft. Die Gutscheine sind zweckgebunden für die Kunden der Tafel. Die gesamten 10 Euro wurden von Geschäftsführer Paul Nowak um 10 Prozent erhöht, was einem Einkaufswert von 11 Euro entspricht. Die eingenommenen 10 Euro wurden komplett der Iserlohner Tafel gespendet. „Zigaretten, Alkohol und Feuerwerksartikel sind dabei aber von der Einlösung ausgenommen“, sagt Paul Nowak.

Der Vorstandsvorsitzende der Märkischen Bank, Hermann Backhaus, und Filialdirektor Harald Schepper, überreichten am Dienstagmorgen, 21. Dezember, ihren symbolischen Scheck über 3000 Euro persönlich in der Brüderstraße an das „CariTasche“-Team. Die Bank verzichtet im Gegenzug wiederum auf Präsente für Kunden und Mitarbeiter.