++ Update ++ Nach dem Großbrand in Iserlohn: Spielplatz gesperrt, Obst und Gemüse schälen

Großbrand bei der Firma Gebrüder Becker
Zu einem Großbrand bei der Firma Gebrüder Becker an der Baarstraße in Iserlohn wurde die Feuerwehr am Sonntagabend gerufen. (Foto: Feuerwehr Iserlohn)

++ Update 17:00 Uhr ++

Iserlohn. Nach dem Großbrand bei der Firma Gebrüder Becker hat sich die Rauchwolke verzogen. Zurückgeblieben ist jedoch eine Ascheschicht. Wie in solchen Fällen üblich, war das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) vor Ort und hat Messungen auf Schadstoffe in der Luft und im Baarbach vorgenommen und Proben von Brandrückständen zur Analyse genommen.

Mit Blick auf die Brandrückstände, die mit der Rauchfahne in Richtung Iserlohner Innenstadt gelangt sind, gibt die Stadt Iserlohn den Bewohnern der Stadtteile Iserlohner Heide, Hombruch und Nußberg vorsorglich folgende Empfehlungen:

  • Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten gründlich zu waschen und ggf. zu schälen. Die Schalen können über den Restmüll entsorgt werden.
  • Oberflächen wie Fenster, Türen oder Kinderspielgeräte auf sichtbare Rückstände zu untersuchen und ggf. mit Haushaltsreinigern zu säubern.
  • Brandrückstände können, soweit möglich, aufgesammelt (bitte Handschuhe tragen) und über den Hausmüll entsorgt werden.
  • Kindersandkästen sollten ebenfalls von Brandresten befreit und bis zur bis zum Vorliegen der Analyseergebnisse des Lanuv nicht benutzt werden. Auch der unmittelbar in der Nähe des Brandortes gelegene Spielplatz in der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf wurde gesperrt, bis die Mulch-Schicht ersetzt und die Reinigung von Brandrückständen erfolgt ist.

Wie das LANUV mitteilt, werden die Ergebnisse der Probenanalyse voraussichtlich Ende dieser, Anfang nächster Woche vorliegen.
Fragen beantworten die Mitarbeiter der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Iserlohn unter Tel. 02371 / 217-2941 während der Dienstzeiten.

++ Update 15:00 Uhr ++

Iserlohn. Das Feuer ist gelöscht. Doch die Suche nach der Brandursache verzögert sich. Nach ersten Untersuchungen des Polizei-Brandermittlers vor Ort steht fest: Das Gebäude kann aufgrund der Kontaminierung und der Einsturzgefahr des Restgebäudes derzeit nicht betreten werden. Das hat die Bezirksregierung Arnsberg verfügt. Erst nach Absaugen sämtlicher Löschflüssigkeiten und nach Austrocknung darf das Gebäude zwecks Brandermittlung betreten werden.

Mit der Brandermittlung wird zeitnah ein externer Sachverständiger beauftragt. Die Ermittlungen dauern an.

Die CDU-Fraktion in Iserlohn möchte das Thema „Großbrand Firma Becker“ kurzfristig auf die Tagesordnung des am Dienstag, 25. September tagenden Haupt- und Personalausschuss setzen. Folgende Fragen soll die Verwaltung im Vorfeld beantworten:

1. In welchem Umfang sind Personen zu Schaden gekommen und wie ist ihr derzeitiger Zustand?
2. Hat es zu irgendeinem Zeitpunkt eine besondere Gefahr für die Bevölkerung der umliegenden Ortsteile gegeben?
3. Ist der Stab für „außergewöhnliche Ereignisse (SAE)“ einberufen worden?
4. Hat der nach dem Weka-Brand festgelegte Notfallplan mit dem Alarm- und Informationssystem (Lautsprecherdurchsagen, Radioinformation etc.) gegriffen?
5. Gibt es bereits Angaben zur möglichen Schadenshöhe?
6. Bestand für den Baarbach die Gefahr der Verunreinigung durch kontaminiertes Löschwasser?
7. Inwieweit musste damit gerechnet werden, dass der Brand auch auf das Künstler- und Museumsdorf Barendorf übergreift?
Die Sitzung am 25. September, um 17 Uhr im Ratssaal des Rathauses am Schillerplatz ist öffentlich.

 

 

Iserlohn. Der Alarm ging am Sonntag, 23. September, um 18.52 Uhr bei der Iserlohner Berufsfeuerwehr ein. Gemeldet wurde ein Brand bei der Firma Gebrüder Becker an der Baarstraße in Höhe des Barendorfes.

Bereits auf der Anfahrt zur Brandstelle konnte die Besatzung des Löschzugs eine beachtliche Rauchsäule feststellen. Das Einsatzstichwort wurde von Feuer 1 auf Feuer 2 erhöht. Bei Eintreffen brannte bereits ein großer Teil einer Halle des Galvanikbetriebes in voller Ausdehnung. Das Einsatzstichwort wurde erneut erhöht, auf Feuer 3. Das Einsatzstichwort ist rund 25 Minuten nach Einsatzbeginn auf Feuer 4 erhöht worden und somit war die höchste Alarmierungsstufe innerstädtisch erreicht.Wegen des großräumigen Brandes wurden Strahlrohre und zwei Wenderohre über Drehleitern zum Einsatz gebracht. Im späteren Einsatzverlauf kam auch noch ein Teleskopmast aus Dortmund zur Brandbekämpfung hinzu.

Trotz hoher Sicherheitsmaßnahmen der Firma Gebrüder Becker gelangte ein Teil des kontaminierten Löschwassers in den benachbarten Baarbach. Erste Messungen des Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV) ergaben einen erhöhten pH-Wert im Wasser des Baarbachs. Im weiteren Messverlauf normalisierten sich die Werte. Um weitere Proben des kontaminierten Wassers nehmen zu können, kamen Trupps unter Chemiekalienschutzanzügen zum Einsatz.

Das Feuer war um ca. 4 Uhr unter Kontrolle und es wurden Nachlöscharbeiten durchgeführt. Eine Brandsicherheitswache übernahm die Einsatzstelle. Das kontaminierte Löschwasser wird durch ein Entsorgungsunternehmen aufgenommen und entsorgt.

Rund 20 Feuerwehrleute klagten im Anschluss ihres Einsatzes über Übelkeit und Atemwegreizungen, so dass an der Iserlohner Feuerwache der Leitende Notarzt des Märkischen Kreises das Team untersuchte.

Die Verletzten sind in umliegende Krankenhäuser transportiert worden. 18 Personen mussten stationär behandelt werden. Um die hohe Anzahl an Patienten transportieren zu können, waren 17 zusätzliche Rettungsmittel erforderlich.

Wegen der massivem Rauchentwicklung wurde das nahe gelegene Café des Sol geräumt.
Zudem wurde die Bevölkerung über den Brand und dessen Rauchbelästigung über Durchsagen im Radio und durch die Warn-App „NINA“ informiert. Polizei und Ordnungsamt fuhren zudem durch einige Stadtteile Iserlohns und gaben über Lautsprecher die Informationen über den Brand bekannt. Wichtig war vor allem, dass die Anwohner Fenster und Türen geschlossen hielten.

Ein Teil der Iserlohner Sirenen kamen auch zum Einsatz. Die Stadt hatte für weitere Informationen unter der Rufnummer 02371 / 217-1234 ein Bürgertelefon eingerichtet. Luftmessungen des Märkischen Kreises im Umfeld des Brandes verliefen negativ.
Die Feuerwehr Iserlohn war mit 140 Einsatzkräften im Einsatz. 170 weitere Einsatzkräfte aus dem Märkischen Kreis von Feuerwehr und Rettungsdienst unterstützten die Kollegen aus Iserlohn. Der Bereich Baarstraße in Höhe Barendorf wurde weiträumig abgesperrt.