Glücksfall für Iserlohn: Architekt Otto Leppin

[1/2] Das heute als „Alte Post“ bekannte Gebäude am Theodor-Heuss-Ring 5 war Otto Leppins Erstling in Iserlohn. Viele andere Werke des bedeutenden Architekten sollten in der Waldstadt folgen. (Foto: Claudia Eckhoff) [2/2] Der Architekt Otto Leppin. (Foto:

[1/2] Das heute als „Alte Post“ bekannte Gebäude am Theodor-Heuss-Ring 5 war Otto Leppins Erstling in Iserlohn. Viele andere Werke des bedeutenden Architekten sollten in der Waldstadt folgen. (Foto: Claudia Eckhoff) [2/2] Der Architekt Otto Leppin. (Foto:

Iserlohn. (Red/clau) Der vielseitige Architekt Otto Leppin prägte maßgeblich das Stadtbild Iserlohns. Rund hundert seiner Entwürfe konnte er hier verwirklichen von repräsentativen Villen, Wohnhäusern, Kindergärten und Schulen bis zu Fabriken. Ihm widmet Marlis Gorki die heutige Ausgabe in der Reihe „Stadtgeschichte in Lebensbildern“.

Dank der Bahn
Otto Leppin wurde 1850 in Spandau als Sohn eines Töpfermeisters und Kachelofenbauers geboren. Nach seinem Studium an der Berliner Bau-Akademie baute er im Dienst der Kaiserlichen Deutschen Reichspost Postämter in ganz Deutschland. Als Bauleitender Architekt begleitete er 1882 auch den Bau des Postgebäudes Iserlohn (heute: Alte Post).
Er wohnte damals mit seiner Frau und drei Kindern in Remscheid. Als er sich anschließend in Iserlohn mit einem eigenen Büro selbständig machte, wurde er zu einem architektonischen Glücksfall für die Waldstadt.
Die von ihm entworfenen Gebäude prägen bis heute das Stadtbild. Leppin stellte sich ohne übermäßige Fassaden-Dekorationen stil-sicher den vielfältigen Bauaufgaben der sich entwickelnden Gewerbe- und Industriestadt.
Familie Leppin zog in das Pförtnerhaus der Villa Herbers-Romberg, das 1929 abgebrochen wurde. Rechtwinklig dazu stand das nach seinem Entwurf errichtete Kalthaus, auch Palmenhaus genannt, mit Reithalle und Pferdestall. Im ersten Stock gab es ein Kindertheater mit Bühne, Requisiten und Kostümfundus.
Ganz Iserlohner
Otto Leppin baute 1887 für sich und seine Familie ein Haus an der Hans-Böckler-Straße (heute CVJM). Die Nachbarhäuser Nr. 68 für Dr. Rudolf Wichelhoven und Nr. 70 für den Fabrikanten Fritz Wegman stammen ebenfalls von ihm. 1891 wurde die IGW gegründet, Leppin wurde 1895 Mitgesellschafter.
Sicher auch, um seine Stellung in Iserlohn zu festigen, wurde Otto Leppin Mitglied in der Gesellschaft Harmonie und im Schützenverein. Im Jahr 1893 wurde er Schützenkönig.
Kaum zu bremsen
Leppin baute repräsentative Villen, viele Wohnhäuser, Kindergärten, Fabriken und Schulen. Er gehörte bald zu den wohlhabenden Bürgern der Stadt und führte zeitweise eines der bekanntesten Architekturbüros in ganz Südwestfalen.
Mehr als einhundert seiner Entwürfe wurden in Iserlohn umgesetzt. Er war vielseitig und beherrschte verschiedenste Stile. Oft veränderte er auch nur Bauten in Stil der Neurenaissance und fügte Ecktürme hinzu. Bei großen Gebäuden arbeitete er auch im Stil des Historismus wie bei der Neuen Halle auf der Alexanderhöhe, bei der Schauburg eher im Stil der Renaissance.
Leppin beteiligte sich häufig an Architektenwettbewerben. Beim geplanten Bau der Alten Halle auf der Alexanderhöhe 1897 bekam er auf Umwegen den Auftrag.
Böse verrechnet
Als 1896 das Eisenbahnprojekt zum Bau der Strecke Iserlohn-Schwerte freigegeben wurde, bewarb er sich als Generalunternehmer um den Auftrag zur Ausführung des Straßenabschnittes zwischen der heutigen Dortmunder Straße und der Bahnunterführung zwischen Hans-Böckler-Straße und Karl-Arnold-Straße. Aber er verkalkulierte sich. Er verlor bei dem Auftrag sein ganzes Vermögen, meldete Konkurs an und verließ 1916 die Stadt.
In Iserlohn gibt es keine persönlichen Unterlagen mehr von ihm, alles ist bei Bombenangriffen verbrannt. Sein Wirken ist aber gut dokumentiert dank des 1872 in Kraft getretenen preußischen Fluchtlinien-Gesetzes.
Eine Leppin-Tochter blieb in Iserlohn und heiratete den Apotheker Dr. Fritz Engelhardt, der die Hirschapotheke führte. Otto Leppin selbst starb 1937 in Köln.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde gekürzt. Das Original hat Marlis Gorki anhand von verschiedenen Quellen erarbeitet. Anregungen, Fragen oder Ergänzungen sind ihr willkommen unter Tel. 02371 / 32365.