Glühende Fata Morgana im Iserlohner Stadtwald

Iserlohn. (clau) Häufig ist der Rentner und Hobby-Fotograf Peter Kramer mit seinem 16-jährigen Enkel Nico und seiner kleinen Amateurkamera im südlichen Stadtwald unterwegs.

Vor einigen Tagen tat sich bei solch einem Gang im Abendlicht vor der blutrot untergehenden Sonne plötzlich eine unglaubliche Ansicht auf. Und Peter Kramer drückte wie besessen auf den Auslöser, bis die Sonne in der Glut völlig hinter dem Horizont unterging und die Fata Morgana verschwand. Wie ein orientalisches Märchenschloss oder eine riesige Moschee umkränzt von Minaretten hatte da weit jenseits des Iserlohner Danzturmes etwas Fantastisches im Gegenlicht gestanden.

Des Rätsels Lösung „Tief im Westen“

In den folgenden Tagen fuhr der 71-Jährige 55 Kilometer in Richtung Westen, um das Rätsel der glühenden Fata Morgana zu lösen.

Peter Kramer fängt mit seiner kleinen Amateurkamera am liebsten das Abendlicht ein. (Foto: Claudia Eckhoff)
Peter Kramer fängt mit seiner kleinen Amateurkamera am liebsten das Abendlicht ein. (Foto: Claudia Eckhoff)

Die Zeile „Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt“ aus Herbert Grönemeyers Ruhrgebiets-Hymne „Bochum“ hatte er dabei im Ohr. Aber nicht in Bochum, sondern in Gelsenkirchen fand er, was er so atemlos abgelichtet hatte: Der sagenhafte Palast in der Ferne entpuppte sich als das Kraftwerk Gelsenkirchen Scholven mit seinen rauchenden Kühltürmen samt der angrenzenden „Halde Oberscholven“

„Dieses Steinkohlekraftwerk zählt mit zu den Größten Europas. Die Halde überragt das Umland um 140 Meter und hat ein Gipfelkreuz von acht Metern Höhe, das im Dunkeln leuchtet“, weiß Peter Kramer inzwischen. Die vermeintlichen Minarette sind Windkrafträder. Bei den Gebäuden rechts in seinem Bild handelt es sich um das Kraftwerk Hochlarmark zwischen Herten und Recklinghausen-Süd. Östlich davon zeigt sich die „Halde Hoheward“ an der ruhenden Zeche Ewald, deren höchste Stelle 152 Meter über NN liegt.

„Sie ist begehbar und lohnt den Aufstieg allein wegen der zwei riesigen Halbbögen, des sogenannten Horizontobservatoriums auf ihrem Gipfel“, hat der Iserlohner Amateur-Fotograf herausgefunden.

Dem Abendlicht ganz verfallen

Von wegen Sauerland! Iserlohn liegt näher am Ruhrgebiet als gedacht. Jedenfalls kann man bei gutem Wetter vom Danzturm aus zusehen, wie über dem „Pott“ die Sonne verglüht.

Und das ist ganz nach Peter Kramers Geschmack. Er geht nur raus auf die Höhen des Stadtwaldes, wenn seine zwei heimischen Wetterstationen ihn übereinstimmend anzeigen, dass er einen klaren und  farbenstarken Abend erwarten darf.

Der Blick in die Weite, besonderes Licht, ein Himmel, der bläulich ins Violette spielt, blutrotes Glühen, letztes gleißendes Licht – diesen sich von Augenblick zu Augenblick wandelnden Farbenrausch  sucht er.

Zu Hause in seinem Wohnzimmer hortet er mittlerweile Schubladenweise seine Fotos. In ihnen spiegelt sich aber nicht nur Wald und Weite, sondern auch der stetige Wandel der Stadt Iserlohn.
Doch: Dieser unglaublichen Fata Morgana im Abendglühen gebührt in seiner Sammlung ein Ehrenplatz – so viel ist sicher.