Goldene „Sonntags“ sollen lebendig werden

Der Iserlohner Musiker und Produzent Michael Grimm (2.v.r.) und sein Partner Stefan Breuer (2.v.l.) erhielten die Goldene Schallplatte für „Familie Sonntag“ in Berlin von Jörg Hackelbörger (l.) und Andreas Maass von „Universal Family Entertainment“. (Foto

Der Iserlohner Musiker und Produzent Michael Grimm (2.v.r.) und sein Partner Stefan Breuer (2.v.l.) erhielten die Goldene Schallplatte für „Familie Sonntag“ in Berlin von Jörg Hackelbörger (l.) und Andreas Maass von „Universal Family Entertainment“. (Foto

Iserlohn. (clau) Ein absolutes Goldstück ist die „Familie Sonntag“ für die beiden heimischen Musikproduzenten Michael Grimm und Stefan Breuer. Dafür haben sie unlängst eine goldene Schallplatte in Berlin eingeheimst. Zusammen betreiben die beiden Musiker seit 25 Jahren das in Schwerte ansässige Studio „Kico Media“. Hier produzieren sie, was vor allem Kinder – aber auch Erwachsene – gerne hören wie „Lauras Stern“, „Petersson und Findus“ oder „Der kleine Prinz“.
Musikmarkt völlig verändert
„Der Musikmarkt verändert sich völlig“, sagt der Letmather Musiker Michael Grimm. „Es wird immer schwerer von der Musik zu leben.“ Die sogenannten „haptischen Verkäufe“ sind ein Auslaufmodell. Immer weniger wird Musik auf Tonträgern verkauft, die man tatsächlich in die Hand nehmen kann. Heute läuft das Musikgeschäft digital: Die Songs werden „gestreamt“ – auf das Handy oder den Rechner heruntergeladen. Man trägt seine Musik eben nicht mehr in der Einkaufstüte nach Hause.
„Junge Bands haben es schwer“, schätzt Michael Grimm, der selbst einst mit „Extrabreit“ Riesenerfolge feierte und immer noch mit der Iserlohner Band „Halber Liter“ und den „Gentlemen of Groove“ gern live die Bühnen rockt. „Heute können junge Musiker nur noch mit ihren Gagen für Live-Auftritte und mit Merchandise wie T-Shirts ihr Geld verdienen.“
Digitale Zukunft
Noch in den 90er Jahren wurden 250.000 verkaufte Tonträger „vergoldet“. Für 500.000 verkaufte Stücke gab es Platin. Doch das ist vorbei. Deshalb wurde die Messlatte herunter gesetzt. Jetzt gilt es Gold für 100.000 und Platin für 200.000 verkaufte Tonträger beziehungsweise jetzt auch Downloads.
In spätestens zehn Jahren wird es Musik nur noch digital geben, glaubt man in der Branche. Dem trotzt noch ein wenig die Nostalgiewelle, die derzeit Vinyl-Platten und den guten alten „Walkman“ wieder aus der Versenkung holt.
Goldene Sonntags
„Familie Sonntag“ dagegen läuft schon seit 2011 erfolgreich. Das Konzept lautet, gute Musik poppig für die ganze Familie zu machen. In der Reihe erscheinen Kinderlied-Klassiker, Traditionelles, Jahreszeiten-Lieder, Spieluhren-Stücke mit Summ-Gesang, Lieder zum Einschlafen, aber auch von Musik getragener Lernstoff wie „ABC, 1,2,3 und Englisch mit dabei“. Es gibt sie einzeln oder in dreifachen CD-Boxen.
Das „Gold“ hat jetzt gerade die kindgerechte Disco-Variante abgeräumt. Aber auch die Klassiker-Ausgabe steht schon kurz vor der „Schallmauer“ zum Plattengold.
Talent-Familie gesucht
„Wir planen deshalb als nächstes, die Sonntags auf der Bühne als Live-Show lebendig werden zu lassen“, verrät Michael Grimm. Ob nun wirklich verwandt oder nur durch die Kunst verbunden: Es werden musikalische Talente benötigt. „Singen sollen alle. Für die Elternrolle wären Gitarre und Klavier perfekt und auch jedes der Kinder sollte ein Instrument spielen“, darauf hoffen die Produzenten Michael Grimm und Stefan Breuer.
Zeitlich flexibel und mobil sollten die Live-Sonntags sein, denn letztlich werden sie mit einer Nachmittags-Show auf Tour gehen können. Bewerbungen erbittet: Kico Media, Postfach 1532, 58210 Schwerte oder per E-Mail an info@kicomedia.de oder unter Tel. 0179 / 6857271.
Moderne Handelswege
„Familie Sonntag“ hört man nicht nur in Deutschland, sondern vor allem überall dort, wo Deutsche Urlaub machen von Ägypten über Griechenland bis Bulgarien. Namhafte Reisever­anstalter haben einen „Sonntags-Vertrag“. Sie beschallen in ihren Clubs die Kinder-Discos mit den poppigen Familienkonzerten. So geht Musik-Business im 21. Jahrhundert: Die Ladenkette, die so viel anderes als nur Kaffee verkauft, ist ebenfalls mit im Kinder-Musik-Boot. Sie bestellt regelrecht bei Grimm und Breuer, was ein Verkaufsschlager werden könnte.
Für das Oster- und das Weihnachtsgeschäft wird jeweils ein neuer Mix verlangt. „Wir stellen dann Stücke zusammen“, berichtet Michael Grimm. „Das sind zu 60 Prozent Eigenproduktionen und zu einem geringen Anteil gecoverte Hits oder Volkslieder und Kinderklassiker.“
So läuft es trotz des Wandels für die kleine heimische Musikproduktionsfirma „Kico Media“ gut: Neun Goldene Schallplatten und zwei Platin-­Scheiben schmücken schon die Studio-Wände.