„Graue Wohnungsnot“

Iserlohn/ Märkischer Kreis. (Red.) Ein Großteil der älteren Menschen im Märkischen Kreis wird in den kommenden Jahren über einen Wohnungswechsel nachdenken müssen: Viele Rentner werden sich ihre jetzigen Wohnungen künftig nicht mehr leisten können.

Immer mehr ältere Menschen werden in kleinere Wohnungen umziehen müssen. So sparen sie Miete und Heizkosten. Doch gerade Senioren-Wohnungen sind Mangelware. (Foto: Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“)

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Pestel-Instituts. Diese prognostiziert eine erheblich zunehmende Altersarmut. Demnach werden im Jahr 2020 rund 4290 Rentner im Märkischen Kreis auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen sein. Ihre Zahl würde damit noch in diesem Jahrzehnt dramatisch steigen – um nahezu 107 Prozent.

Deutlicher Anstieg

„Das soziale Netz wird die meisten 55- bis 65-Jährigen, die heute von Hartz IV leben, im Rentenalter auffangen müssen. Wir werden damit auch im Märkischen Kreis einen deutlichen Anstieg der Altersarmut erleben“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut in Hannover. Immer mehr Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien gingen in Rente. Phasen von Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und dauerhaft geringfügige Beschäftigungen seien dabei für sinkende Rentenbezüge bei Neurentnern verantwortlich. Eine nur geringe oder keine Altersvorsorge bei vielen Selbstständigen führe ebenso zu einer wachsenden Altersarmut.

„Wenn die Altersarmut im Märkischen Kreis zunimmt, dann müssen wir über neue Wohnformen nachdenken. Das heißt konkret: kleinere, energieeffiziente und altengerechte Wohnungen für Senioren. Das spart Miete und Heizkosten“, so Matthias Günther. Bezahlbar seien für viele ältere Menschen, die alleine lebten, nur noch Wohnungsgrößen zwischen 30 und 40 Quadratmetern.

Mehr Gemeinschaft

„Die älteren Menschen können sich gegenseitig im Alltag unterstützen und einen Teil ihrer Zeit gemeinsam verbringen – etwa in Gemeinschaftsräumen oder einer Gemeinschaftsküche“, so Günther. Dies sei eine gut umsetzbare Alternative zum Mehrgenerationenhaus. „Solche Gemeinschaftseinrichtungen beugen einer Vereinsamung im Alter vor. Und sie vermeiden, dass Ältere vorzeitig ins Heim müssen“, sagt Matthias Günther.

Die Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ fordert vom Bund dringend stärkere Anreize für das altersgerechte Sanieren und für den Neubau von barrierearmen Senioren-Wohnungen. Dazu müssten für das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ in den kommenden Jahren mindestens 100 Millionen Euro jährlich zur Verfügung gestellt werden.

„Einziger Haken an der Sache ist, dass in erster Linie nur zinsverbilligte Darlehen geboten werden – und das für Menschen, die 65 oder 70 Jahre alt sind. Wer bindet sich denn da noch an einen Kredit?“, so Ronald Rast. Nur über Investitionszuschüsse könne es gelingen, Senioren dazu zu bewegen, als Bauherren noch einmal privat zu investieren. „Nur mit einer festen Zusage für eine feste Summe lassen sich Ältere überzeugen, noch einmal in den altersgerechten Umbau zu investieren“, so der Sprecher der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“.