Große Hände, große Nase, großer Geist „Lebensbilder“: Der legendäre Danz

Iserlohn. (Red/clau) Er ist selbst noch 111 Jahre nach
seinem Tod ganz lebendig in der Stadt, und zwar nicht nur, weil ein Iserlohner
Wahrzeichen, der Aussichtsturm auf dem Fröndenberg, nach ihm benannt ist. Er
lebt auch weiter im Grün des Stadtwaldes und in etlichen Geschichten und
Anekdoten rund um seine Person. „Den Mann mit großen Füßen, großen Händen,
großer Nase – aber auch mit großem Geist” (so Fritz Kühn) hat die Waldstadt bis
heute mitgeprägt. Gemein ist – natürlich – Ernst Danz. Über ihn berichtet Marlis
Gorki in dem heutigen Beitrag der Reihe „Lebensbilder“.
Kamerad – nicht Pauker
Geboren wurde Ernst Danz 1822 in Neustadt/Westpreußen als Sohn eines
Landwirtschaftsbeamten. Er studierte Theologie und Philologie in Jena, Halle und
Berlin und absolvierte seine ersten Schuldienstjahre in Siegen und Hagen. An die
Iserlohner Realschule (heute Märkisches Gymnasium) kam er 1863. Er unterrichtete
Französisch, Latein, Englisch, Deutsch, Erdkunde, Geschichte und Turnen. Seine
sonst an „Zucht und Ordnung“ gewöhnten Schüler liebten ihn, weil er sie fast
kameradschaftlich behandelte. 1870 wurde er zum Oberlehrer ernannt und 1873 zum
stellvertretenden Direktor. Den Titel „Professor“ verlieh ihm der preußische
Kulturminister 1880.
Phänomenal
Erst mit fast 80 Jahren trat Danz 1902 in den Ruhestand. Er war 52 Jahre und
6 Monate im Schuldienst, 39 Jahre davon in Iserlohn. Er galt damit als der
älteste Lehrer aller höheren Lehr-Anstalten der Provinz. Die Stadt Iserlohn
ernannte ihn zum Ehrenbürger.
Danz lebte in der Viktoriastraße 8. Er war verheiratet und hatte zwei Söhne
und vier Töchter. Er sprach dreizehn Sprachen, sieben davon fließend. Man sagt
ihm ein phänomenales Gedächtnis nach – und dass er davon besessen war, sich
körperlich und geistig fit zu halten.
Es lebe der Wald
1874 gründete Professor Danz mit Iserlohner Honoratioren den „Iserlohner
Verschönerungsverein”. Dieser sollte sich besonders um den kaum noch grünen
Stadtwald kümmern. Bis auf spärliche Reste und Strauchwerk waren die Bäume in
den Öfen der „Fabrikskes“ verfeuert worden.
Der Verein sammelte Geld, um etwa den Rupenteich anzulegen und mit
Rhododendron-Büschen zu zieren. Ein gemischter Laubwald wurde zusammen mit den
Förstern aufgeforstet.
Wege wurden angelegt. Danz ordnete für seine Schüler einen „freiwilligen
Arbeitsdienst” an. Sie mussten, ausgerüstet mit Bollerwagen und Schüppe, mit
Hand anlegen.
„Äppel-Danz“
Professor Danz hat 1890 den Sauerländischen Gebirgsverein in Iserlohn
mitgegründet.
Man erkannte Ernst Danz schon aus der Ferne: Er trug oft eine große Pelerine
und einen Schlapphut. Man nannte ihn den „Rübezahl des Sauerlandes”.
Kehrte er irgendwo ein, war er mit einem Glas Milch und einem Apfel
zufrieden. Böse Zungen behaupteten, der „Äppel-Danz“ äße auch Pilze und Würmer.

Nur kein Luxus
Gern wird noch heute diese Anekdote erzählt: Ernst Danz wartete am Bahnhof
auf seinen Zug. Eine Dame verwickelte ihn in ein Gespräch. Als sie bemerkte,
dass er sich anschickte in die 4. Klasse, die sogenannte „Holzklasse“
einzusteigen, versuchte sie ihn zu bremsen: „Aber, Herr Professor, Sie fahren
doch wohl nicht etwa Vierter?“ Seine Antwort ist Legende: „Wieso, gibt es jetzt
auch eine Fünfte?“
Professor Danz starb am 28. Mai 1905. Der Aussichtsturm auf dem Fröndenberg
wurde nach einer groß angelegten Spendenaktion am 22. Mai 1909 eingeweiht und
erhielt seinen Namen. Sein Grab ist in der Abteilung II auf dem historischen
Friedhof zu finden.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde stark gekürzt. Das Original
hat Marlis Gorki aus diversen Quellen zusammengestellt. Sie freut sich über
Fragen oder Ergänzungen. Sie ist erreichbar unter Tel. 02371 / 32365.