„Grüne Damen“ geben Fürsorge am Krankenbett

Iserlohn. (clau) Im Krankenhaus liegen zu müssen, ist nie
leicht. Aber wer gar auf der Geriatrie-Station untergebracht ist und „draußen“
keine Angehörigen hat, ist oft schmerzhaft einsam. Das gilt an jedem Tag des
Jahres und vor allem in der Weihnachtszeit.
Geschenkte Zeit
Im Krankenhaus versehen nicht nur die Ärzte, Schwestern und Pfleger ihren
Dienst, sondern oft auch ehrenamtliche „Grüne Damen“. Die frühere Schulleiterin
Ursula Ziehm ist seit zehn Jahren eine von ihnen. Sie leitet inzwischen das Team
am ev. Krankenhaus Bethanien, zu dem 27 Damen gehören. Sie weiß, wo der Schuh
drückt. „Die Schwestern haben besonders auf der Geriatrie nicht die Zeit, die
man eigentlich haben müsste. Sie können nicht einem Patienten beim Frühstück
helfen, der eine halbe Stunde braucht, um ein einziges halbes Brötchen zu
essen“, sagt sie. Da kommen die „Grünen Damen“ ins Spiel. Sie helfen mit viel
Geduld, Ruhe und Zuwendung beim Essen, wo es nötig ist. „Oft geht es auch nur um
ein wenig Gesellschaft bei der Mahlzeit. Viele schätzen ganz einfach das
Gespräch“, berichtet Ursula Ziehm.
Vom Pfefferminz bis zum Vorsingen
Der gut sortierte Bücherwagen und der rollende Kiosk der „Grünen Damen“, der
mit Dingen wie Bonbons, Pfefferminz oder kleinen Hygiene-Artikeln bestückt ist,
dienen als „Türöffner“. Es geht dabei gar nicht ums Verkaufen, sondern um eine
erste ganz praktische Kontaktaufnahme, um in ein Gespräch kommen zu können.
Die Einsamkeit ist oft bitter. Manche ältere Patienten fürchten letztlich
sogar ihre Entlassung, weil sie zu Hause noch weniger Ansprache haben als im
Krankenhaus. Viele freuen sich über ein kleines Gespräch. Andere wünschen sich
ein gemeinsames Beten. „Manche bitten uns sogar, ihnen etwas vorzusingen“, so
Ursula Ziehm.
„Grüne Dame“ werden
Wie man den Patienten näher tritt, ohne ihnen zu nahe zu treten, lernen die
„Grünen Damen“ zuvor in Rollenspielen. Sie laden regelmäßig Referenten zu ihren
Arbeitstreffen ein und bilden sich fort. Der Austausch mit den anderen Damen
hilft der einzelnen auch, Bedrückendes zu verarbeiten. Eine besondere Vorbildung
oder pflegerische Erfahrung ist nicht nötig. Alles Wichtige lernt jede Neue
direkt im Krankenhaus-Alltag während einer Probezeit. „Wir brauchen dringend
Nachwuchskräfte“, sagt Ursula Ziehm. „Inzwischen sind einige der langjährigen
Ehrenamtlichen selbst schon über 80 Jahre alt.“
Wie stark und wie lange sich die Damen den Patienten widmen können, ist
verschieden. In den Arbeitsplan kann sich jede nach ihren Möglichkeiten
eintragen. Die Arbeit selbst ist in verschiedene Bereiche eingeteilt. Ursula
Ziehm hat beispielsweise erst lange den Bücherwagen betreut und sich dann der
Krankenhausbücherei zugewandt.
Geben und bekommen
An den Weihnachtstagen versuchen die „Grünen Damen“, im Krankenhaus ein wenig
Weihnachtsfreude zu verbreiten. Sie schieben Patienten im Rollstuhl und
begleiten die mit Rollatoren zum Gottesdienst in der Kapelle. Zum
weihnachtlichen Gesang auf den Korridoren öffnen sie die Krankenzimmertüren,
damit alle auch vom Bett aus lauschen können.
„Unsere Arbeit befriedigt“, sagt Ursula Ziehm. „Wir leisten viel, bekommen
aber auch ganz viel zurück.“ Am Ende eines Arbeitseinsatzes entspannen sich
viele der „Grünen Damen“ gern mit einem kleinen Gang über die
Neugeborenen-Station. Die freudige Atmosphäre dort inmitten der kleinen Kinder
und der Eltern sei einfach ansteckend und wohltuend.
Wer mitmachen will im Team oder Bücher für die Bücherei spenden möchte, kann
Ursula Ziehm erreichen unter Tel. 02371 / 40355. Kontakt zu den „Grünen
Damen anderer Krankenhäuser gibt es jeweils über die Zentrale.