Gut gefeiert, Letmathe!

Zwischen Strohballen und üppiger, herbstlicher Dekoration wurde nur Gutes aus „Letmather Landen“ angeboten: Der hochprozentige „Steinbrecher“, die herzhafte „Letmather Kruste“, die würzige Jubiläumswurst und der verführerische, süße „Letmather Happen“. Frische Gemüse - noch im Morgentau geerntet - wurde stilecht wie annodunnemals angeboten. Selbstgebackenes, Selbstgebrautes, Selbstgenähtes - all das fand attraktiv präsentiert seine Abnehmer. (Foto: C. Eckhoff)

Letmathe. (clau) In Letmathe ist mittlerweile wieder Alltag eingekehrt. Die hohen Wellen, die die Feierlichkeiten rund um „975 Jahre Letmathe“ schlugen, haben sich gelegt.

Aber alle Organisatoren, alle Aktiven, die diversen beteiligten Kunstschaffenden, die vielen Sponsoren und zahllosen ehrenamtlichen Helfer dürfen sich getrost zurücklehnen. Im weiten Umkreis der junggebliebenen Stadt an den Ufern der Lenne ist man sich einig: Die Jubiläumsfestlichkeiten haben Letmathe und den Letmathern Ehre gemacht.

Eine eigens gegründete „Festgemeinschaft“ sammelte Ideen und brachte Ordnung in die fast unüberschaubare Vielzahl von ungewöhnlichen Aktionen und spannenden Veranstaltungen, die sich über Wochen und Monate streckten. Vorträge, Stadtführungen, Schnadegänge und dergleichen stimmten die Letmather ganz allmählich auf die Höhepunkte des Festjahres ein.

Die Geschichte im Blick

Es sollte ein Jubiläum werden mit Bürgerfest und großem Ball, das aber auch den Bürgerinnen und Bürgern die letzten 975 Jahre Lokalgeschichte erhellt und erlebbar macht.

Der örtliche Geschichtskreis hatte deshalb eigens eine große Ausstellung zur Ortsgeschichte im Haus Letmathe angelegt, die bis zum 2. Oktober 2011 zu sehen war und auf großes Interesse stieß.

Wann genau trat denn das Dörfchen Letmathe belegbar erstmals auf auf der Bühne der Weltgeschichte? In der Zeit um 1000 neigt sich das Frühmittelalter dem Ende zu. Das Hochmittelalter beginnt. Aus der Übergangsphase haben sich zahlreiche Schriftquellen erhalten, die urkundlich nun auch viele heimische Orte der engeren Heimat erwähnen. So auch Letmathe. Die Ausstellung im Haus Letmathe nahm mit einem Schriftstück aus dem Jahre 1036 ihren Anfang.

Eher auf eine etwas spätere Zeit bezog sich dann das große mittelalterlich geprägte, farbenprächtige Bürgerfest, das am Samstag, 24. September 2011, bei wahrhaftem Kaiserwetter gefeiert werden konnte.

Mittelalterliches Bürgerfest

Auf dem Marktplatz hinter dem Tor des Hauses Letmathe konnten die Besucher mittelalterliche Luft schnuppern. Händler und Marketenderinnen, Rittersleut’ und gräfliche Damen, Mägde und Knechte, fahrendes Volk und mächtige Herren – sie alle mischten sich in das bunte Treiben.

Das Mittelalter wurde beim Bürgerfest höchst lebendig rund um das Haus Letmathe. Dafür sorgte vor allem die „Gefolgschaft“ von Kreisheimatpfleger R. Klostermann (re.). (Foto: Clau)

Die Letmather strömten

Die Letmather strömten in hellen Scharen zu ihrem Fest, füllten das ehrwürdigen Herrenhaus und seinen Park, feierten einen ökumenischen Festgottesdienst zusammen, aßen, tranken und genossen das äußerst abwechslungsreiche Bühnenprogramm, in das viele früher oder später auch selbst aktiv eingebunden waren – etwa als Sänger oder Musiker.

Die meisten Besucher nahmen sich trotz des herrlichen Spätsommerwetters auch die Zeit, die historische Ausstellung in Ruhe zu durchwandern und sich 975 Jahre Letmather Geschichte vor Augen zu führen.

Der Tag am Haus Letmathe mit Ritterspielen, Karussell, Kutschenfahrten, viel Musik und guten Worten und noch mehr unwiderstehlichen Gaumenkitzeln endete glanzvoll und stimmig mit Fackeltanz und Feuerspeierei.

Anders als etwa das Brückenfest oder die Kiliankirmes war dieses Bürgerfest eine Art Familienfeier. Fast jeder der Gäste war auch gleichzeitig an irgendeiner Stelle in irgendeiner Form aktiv – sei es als Künstler, als Sponsor, als Wirt oder Redner. Es war ein wahres Fest von Letmathern für Letmather. Über den Erlös des Festes konnte sich wie geplant das Hospiz Mutter Terese freuen.

Die Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag - ein echtes „Letmather Mädchen“ - erinnerte sich gern an ihre Kindheit im Umfeld des Kiliandomes. Damals schon drückte sie an der Albert-Schweitzer-Schule die Schulbank zusammen mit Michael Scheffler, der kurz vor ihr in seiner Funktion als stellvertretender Bürgermeister seine Grußworte an die „liebenswerte Stadt Letmathe, ein Stück Heimat“ gerichtet hatte. Er warb für Toleranz und warnte vor Diskriminierung. (Foto: Clau)

Die Ballnacht

Weiter ging es nur eine kurze Woche später: Am Samstag, 1. Oktober 2011, kamen rund 140 Festgäste in feinem Zwirn und Gala-Gewand in der vom Stab des Kulturbüros stilvoll zum Bankettsaal verwandelten Saalbau zusammen. Mit diversen Ehrengästen, politischer Prominenz und reichlich Tanzlust feierten hier die Letmather ihren Jubiläumsball als krönenden Abschluss des gelungenen Festjahres.

Starkes Programm

Jens Dreesmann und seine Band fanden in den Letmathern ein äußerst tanzwilliges Publikum, das sich niemals lang aufs Parkett bitten ließ. Spielte die Band auf, füllte sich sogleich die Tanzfläche mit Paaren, die es wahlweise ernst oder heiter beschwingt angehen ließen.

Das Bläserkorps des Hegerings Letmathe, der Oratorienchor, der MGV „Sängerbund“, das Schulorchester des Letmather Gymnasiums und zuletzt zwei Paare der rasanten Rock‘n‘Roll-Gruppe „Teddy Bears“ unterhielten die Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Beiträgen und sorgten für ein vielschichtiges, stimmiges Festerlebnis.

Das alles diente mit Sicherheit als eine hervorragend bestandene Probe für die 1000-Jahr-Feier in Letmathe, die jetzt ja nur noch schlappe 25 Jahre auf sich warten lässt…