Gut gerüstet für die Zukunft

Iserlohn. (hc) Das erste Testspiel vor eigenem Publikum haben die Zweitliga-Basketballer der Iserlohn Kangaroos hinter sich gebracht. Und das ziemlich erfolgreich, denn gegen die Uni-Baskets aus Paderborn gab es einen 76:68-Sieg. Die Paderborner spielen eine Klasse höher als die Beuteltiere, traten aber ersatzgeschwächt ohne drei ihrer vier US-Amerikaner an.

Amerikaner ein Gewinn

Erste Erkenntnis der Partie – die neuen US-Boys auf Iserlohner Seite sind eine große Bereicherung. Tyrell Harris übernahm oft die Spielkontrolle und punktete auch mit Alleingängen. Damit hielt er seine Farben vor allem im zweiten Viertel in Schlagdistanz zu den Paderbornern. Und auch Moussa Kone erfüllte die Erwartungen. „Freunde des spektakulären Basketballs werden bei ihm auf ihre Kosten kommen“, versprach Coach Matthias Grothe bei seiner Vorstellung am Anfang der Woche. Kone ist ein sehr athletischer Spieler, der das Zeug zum „Floorgeneral“ hat. In der Defensive gab er oft lautstark die Kommandos an seine Mitspieler und war mit seinen Punkten im dritten Viertel maßgeblich an der Wende gegen Paderborn beteiligt. Höhepunkt war ein krachender Dunk in den letzten Minuten des Spiels nach einem Alley-Oop-Zuspiel, der sogar die Hagener Bundesligaspieler Marcel Keßen und Jonas Grof applaudieren ließ.

Verletzungssorgen bei Fritze

Neuzugang Nummer drei, Sören Fritze, konnte seine Mitspieler nur von der Bank aus anfeuern. Eine Muskelverletzung aus er Partie gegen Schwelm setzt ihn für sechs Wochen außer Gefecht.
Die letzte Station des 21-Jährigen hieß Schwelm, es war aber nur eine von vielen in den letzten Jahren. Immer wieder zog es den gebürtigen Hagener weiter, teilweise wegen Verletzungen, teilweise weil kein Platz im Team war. In Iserlohn hoffen die Verantwortlichen, dass Coach Matthias Grothe das volle Potenzial des wertvollsten Spielers der Nachwuchs-Bundesliga von 2013 entfalten kann. „Matthias ist jetzt genau der Richtige für mich. Er setzt viel auf Disziplin, steht aber auch voll hinter einem“, erklärt Fritze.

Zielsetzungen  verkündet

Bereits am Montag luden die Kangaroos zur jährlichen Pressekonferenz ein, auf der sie ihr neues Konzept vorstellten.

Dabei stecken sich die Beuteltiere in allen Bereichen hohe Ziele, allerdings geben sie sich dafür auch die nötige Zeit. Während Manager Michael Dahmen und Coach Matthias Grothe Fazit und Ausblick auf die vergangene sowie kommende Spielzeit gaben, gelang es Hauptsponsor Friedrich Kirchoff, die Quintessenz der vergangen Saison zu verkünden. “Es wurden hohe Erwartungen in Iserlohn geweckt, vielleicht zu hohe.” Das erneute frühe Ausscheiden in den Play-offs, nachdem man die Nordgruppe als Erster abschloss, zog sich wie ein roter Faden durch die Gespräche mit Sponsoren, wie Michael Dahmen bekannte. “Dabei haben wir eine großartige Saison gespielt”, so der Manager “Aber die vielen guten Spiele sind nicht so sehr in Erinnerung geblieben, wie das Aus gegen Nördlingen”. Auch sein Trainer Matthias Grothe schlägt bei seinem sportlichen Fazit in die selbe Kerbe: “Wir haben in der regulären Saison viele Spiele am Rande des Maximums gespielt”, beschreibt Grothe die Spielzeit 15/16. “Nichtdestotrotz haben wir den ersten Platz verdient mit unseren guten Leistungen”, so der Trainer weiter. In der entscheidenden Phase haben aber  Leistungsträger gefehlt. So war Jonas Grof bei den Niederlagen gegen Nördlingen nicht dabei, weil er für Kooperationspartner Phoenix Hagen auflief.

Neues Konzept mit bekannten Zielen

In der neuen Saison geben Grothe und Dahmen unisono die Top-Vier und das Erreichen des Viertelfinales als Ziel aus. “Artland und Rostock haben hohe Etats und gute Spieler und auch Aufsteiger FC Schalke 04 ist wegen der Unterstützung durch die Fußballabteilung nicht zu unterschätzen”, nennt Grothe einige hochkarätige Gegner.

Drei-Jahres-Plan

Insgesamt haben sich die Macher der Kangaroos einen Drei-Jahres-Plan zurechtgelegt, an dessen Ende das Erreichen des Play-off-Finals sowie eine gut ausgebaute und wirtschaftlich solide Infrastruktur steht. “Unser altes Konzept war, so kann man es, glaube ich, sagen, abgearbeitet. Wir wollten junge Deutsche weiterentwickeln, den Zuschauerzuspruch stetig steigern und auch Sponsoren dazugewinnen”, erklärt Michael Dahmen. Das ist gelungen: Niklas Geske, Jonas Grof, Fabian Bleck und Marcel Keßen gingen durch die “Iserlohner Schule” und sind nun Bundesliga-Basketballer.

Zukunft im Blick

Während diese Saison bereits in den Startlöchern steht, haben Grothe, Dahmen und Co. die nahe Zukunft schon im Blick. Die von der Liga geforderte Professionalisierung ist bei den Kangaroos bereits voll im Gange. Eine eigene Geschäftstelle, ein hauptamtlicher Mitarbeiter, Jugendkoordinator und Trainer – all das ist in Planung oder bereits umgesetzt. Mit einem umfassenden Jugendkonzept, das erneut vom Verband und Liga prämiert wurde, und dem Motto “aus der Region, für die Region” sind die Waldstädter gut aufgestellt für die Zukunft und werden durch den Erfolg der ersten Mannschaft getragen. Grothes Zeitplan sieht in diesem Jahr das Viertelfinale vor, in zwei Jahren soll das Halbfinale angepeilt werden und dann das Play-off-Finale. Dafür müssen die Iserlohner auch wirtschaftlich aufrüsten, drei neue Premiumsponsoren müssen her. Außerdem wird das Ticketing eingeführt – online bestellen und selbst ausdrucken – all das soll spätestens im kommenden Jahr möglich werden. Apropos Ticket: Die Preise werden nicht angehoben. Und: “Wir haben die günstigsten Eintrittspreise in der ganzen Liga”, wie Michael Dahmen sagt.

Sollte in den kommenden drei Jahren der Aufstieg in die Pro A gelingen, müsste der Plan angepasst werden – was allerdings angesichts der professionellen Führung des Vereins eine lösbare Aufgabe sein sollte.