Handwerker im Reisegewerbe

Seine Reisegewerbekarte weist Manuel Plaskett als mobilen Dachdecker aus. Der 29-Jährige ist erbost, dass er und seine Kollegen immer wieder mit dubiosen „fliegenden Handwerkern“ in einen Topf geworfen werden. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) „Ich habe es satt, mit Betrügern in einen Topf geworfen zu werden! Meine Leistung ist nicht weniger wert als die von anderen Handwerkern. Und dass ich ohne Meisterbrief arbeite, bedeutet noch lange nicht, dass ich Pfusch abliefere!“

Aufklärung tut Not

Eine Menge Ärger hat sich in Manuel Plaskett angestaut. Ärger darüber, als Reisegewerbetreibender manchmal scheel angesehen zu werden. Das kann ganz schnell geschehen. Als beispielsweise kürzlich ein fahrender Dachdeckertrupp durch Westhofen zog, schrillten beim lokalen Handwerk und der Handwerkskammer Dortmund die Alarmglocken. Freilich nicht ganz zu Unrecht, denn bisweilen treten unbestritten „fliegende Handwerker“ auf den Plan, die wie Drückerkolonnen arbeiten und im grunde nur auf Abzocke aus sind. Andererseits gibt es seriöse und ganz legal arbeitende Handwerker im Reisegewerbe. „Aber wir werden gleich mit angeschwärzt, wenn von umherziehenden Arbeitern ohne Qualifikation die Rede ist“, ärgert sich Manuel Plaskett. Sein Anliegen ist es, Aufklärungsarbeit über seine Branche zu leisten, „anstatt ungerechtfertigte Feindbilder aufzubauen.“

Von der Pike auf

Der Deilinghofener absolvierte seine Ausbildung bei einem Letmather Dachdecker-Unternehmen, die er 2000 abschloss. Anschließend arbeitete er in mehreren Unternehmen der Branche sowie bei einem Architekten, bevor er sich – als Alternative zu Meisterbrief und Gewerbeansiedlung – zur Selbständigkeit als Reisegewerbetreibender entschloss.

Reisegewerbekarte Nr. 2

Manuel Plaskett sprach im Gewerbeamt Hemer vor, wo man dem Ansinnen des jungen Mannes etwas ratlos gegenüberstand. Man müsse sich erst einmal kundig machen. Nach fünf Monaten wurde dem 29-Jährigen endlich die amtliche Reisegewerbekarte ausgestellt – für „schlappe“ 400 Euro. „Meine Karte ist die Nummer 2 im Jahre 2009, also ist solch ein Dokument hier offenbar noch eine Seltenheit!“, wundert sich Plaskett.

Einschränkungen

Sein Transporter ist versehen mit Namen, Logo und Arbeitsbereichen. Kontaktdaten und Werbung fehlen. „Für Reisegewerbetreibende verboten“, erklärt der mobile Dachdecker. „Viele Kollegen verzichten ganz auf eine Aufschrift, um bloß nicht aufzufallen.“ Für Manuel Plaskett die falsche Strategie: „Warum sollten wir nicht Farbe bekennen, unser Geschäft ist schließlich seriös und legal. Wird Zeit, dass mal etwas Bewegung in das deutsche Handwerk kommt! Wir Reisegewerbetreibende sollten uns nicht mehr in unserer Berufsfreiheit einschränken lassen!“

Kein „Billiger Jakob“

Manuel Plaskett hat das Glück, vor allem in seiner ländlichen Nachbarschaft Deilinghofen bekannt zu sein. Sein Auftragsbuch ist voll. Niemand würde ihn in der heimischen Region für einen Abzocker halten. In diesem Zusammenhang stellt der mobile Dachdecker klar: „Mal eben Verträge an der Haustür abschließen, das geht gar nicht. Ich lege meine Reisegewerbekarte vor und unterbreite meinen Kunden ein Angebot, das sie dann mit dem anderer Dienstleister vergleichen können. Und ich bin auch kein ,Billiger Jakob’. Leistung ist Pflicht, sonst wäre ich ganz schnell weg vom Fenster!“

Und dass er bisweilen mit Betrieben des stehenden Gewerbes zusammenarbeite, solle man ebenfalls als Vertrauensbeweis werten. „Es wird Zeit, dass das Zerrbild vom unseriösen Reisegewerbetreibenden endlich mal aus den Köpfen verschwindet“, hofft der mobile Dachdecker Manuel Plaskett.