Heinrich Turk: Das kleine Glück im Plattdeutschen

Iserlohn. Heinrich Turk wurde 1822 in Iserlohn geboren als
Sohn einfacher Leute. Das Stadtbild der damals noch überschaubaren Waldstadt
prägten Fabriken mit ihren rauchenden Schloten und die einfachen Wohnhäuser der
Arbeiter. Die Schicht wohlhabender Bürger, Fabrikanten und Handelskaufleute
wuchs erst langsam. Man sprach noch überwiegend Plattdeutsch. Heinrich Turk
natürlich auch. Ihn stellt Marlies Gorki in der aktuellen Folge der Wk-Reihe
„Lebensbilder“ vor.
Platt mit Gefühl
Heinrich Turk, genannt „Holster“ Turk, wurde Graveur. Er war nicht nur
handwerklich begabt, sondern konnte auch Begebenheiten oder Gestalten seiner
Umgebung treffend und plastisch in Plattdeutsch beschreiben. Sein Schreibstil
war mal humorvoll, mal derb, manchmal aber auch besinnlich.
„Lust und Fraide“
Als sein Graveur-Kollege H. Dunker 1852 Schützenkönig wurde, trat „Holster“
Turk ihm zu Ehren als „Hof-Poet“ auf. Beim IBSV war man begeistert und übertrug
Turk die ehrenvoller Aufgabe des „Zeremonienmeisters“. Fortan bereitete er die
Vereinsfeste vor und verfasste Lieder und Gedichte dafür. Im bekannten
„Schüttenspiels Lust und Fraide in der Lämmergasse” beschreibt er den
Festverlauf und die Aufgaben des Hofstaates.
Turks literarische Texte griffen vor allem das Iserlohner Alltagsleben aus
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und erzählten die damalige
Lebenswirklichkeit. Seine besondere Stärke war die Situationskomik. Leider sind
seine Stegreifgedichte und Sketche nicht überliefert.
Bescheiden und solidarisch
Turk lebte unweit der heutigen Hardtstraße ein einfaches Leben. Obwohl er
durchaus Kontakte zu einer höheren Gesellschaftsschicht hatte, blieb er
bescheiden in seinen kleinen Verhältnissen. Er nannte sich zufrieden, wenn er
„eine fröhliche Stunde bei einem Glas Wein und einem Stückchen Kalbsbraten und
Schinken“ verbringen konnte.
1849 wurde Iserlohn während der Revolutionsereignisse Schauplatz
kriegerischer Auseinandersetzungen. Einige aufständische Iserlohner Arbeiter
kamen nach Wesel ins Zuchthaus. Turk wollte sie und ihre Familien unterstützen.
Mit Gleichgesinnten führte er für sie eine sogenannte „Fabrikgeldsammlung”
durch.
Immer arm dran…
Schon 1866 wurde sein kleines Werk „En plattduitsk Laid van Pruiszens Kryg
…“ mit patriotischen Kriegsgedichten in Plattdeutsch gedruckt. Aber als
Heinrich Turk 1884 starb, war er so arm, dass seine Witwe keinen Grabstein
kaufen konnte. Seine Freunde vom Männer-Chor des Iserlohner Gesang-Vereins
stellten 1885 seine Gedichte zu einem Gedichtband zusammen. Der eher magere
Erlös reichte dann für einen kleinen Stein, der bis heute auf seinem Grab auf
dem Iserlohner Friedhof an ihn erinnert.
…doch bis heute geehrt
Eine zweite Ausgabe des Gedichtbandes wurde 1897 von dem Autor Carl Hülter
herausgegeben, der Turk noch persönlich gekannt hat. Heinrich „Holster“ Turk
bleibt bis heute erwähnt im „Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren“.
Zwischen „Am Hochbehälter“ und dem „Ihmerter Weg“ erinnert der „Turkweg“ an den
Mundart-Dichter und -schriftsteller.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde stark gekürzt. Das Original
hat Marlis Gorki aus diversen Quellen wie z.B. von E. Dossmann, W. Bleicher u.a.
zusammengestellt. Sie freut sich über Fragen oder Ergänzungen. Sie ist
erreichbar unter Tel. 02371 / 32365.