Hemer: Das Woeste-Gymnasium kehrt zu G9 zurück

Schulkonferenz Woeste-Gymnasium Hemer
Die Schulkonferenz machte den Weg frei. Das Hemeraner Woeste-Gymnasium wird wieder zum neunjährigen Bildungsgang zurückkehren. (Foto: Woeste-Gymnasium)

Hemer. Es war keine Überraschung, aber nun ist es offiziell: Die Schulkonferenz des Hemeraner Gymnasiums hat die Rückkehr zum neunjährigen Bildungsgang beschlossen. Das Abstimmungsergebnis fiel ohne Gegenstimme aus. „Alles andere hätte uns sehr gewundert“, so Schulleiter Prof. Dr. Jörg Trelenberg. Seitdem die neue Landesregierung den Gymnasien die Möglichkeit zur Rückkehr in Aussicht gestellt habe, sei von keiner Seite aus der Wunsch geäußert worden, im alten G8-Modus zu bleiben.

Ein klares Plus an Bildung

Es sind mehrere Gründe, die aus Sicht der Schule und der Schulgemeinde für G9 sprechen: Zum einen bedeutet ein zusätzliches Schuljahr ein klares Plus an Bildung. Bis zum Zentralabitur können in den Haupt- und Nebenfächern ungefähr 1.000 Unterrichtsstunden mehr unterrichtet werden. Mit G8 war eine umfangreiche Stundenkürzung in allen Fächern verbunden, besonders im naturwissenschaftlichen, gesellschaftswissenschaftlichen und musischen Fachbereich, die nun glücklicherweise wieder aufgehoben ist.

Die zusätzlichen Stunden bieten nun die Chance, die vorgegebenen Inhalte stärker als bisher zu vertiefen und auch vermehrt Übungsphasen im Unterricht einzubauen. Schüler, die unter den beschleunigten G8-Bedingungen vor allem in den Hauptfächern ihre Schwierigkeiten hatten, werden hiervon profitieren. Bei gleichen Anforderungen in den Abschlussprüfungen steht nun wesentlich mehr Lernzeit zur Verfügung. In den Nebenfächern ist G9 deshalb interessant, weil neben der Lehrplanerfüllung wieder mehr Freiheiten bestehen, die genutzt werden können, um zum Beispiel aktuelle Themen zu behandeln, die aufgrund des zeitlichen Drucks oft gestrichen werden mussten.

Ein weiterer Vorteil ist darin zu sehen, dass die Anzahl der Wochenstunden, die am Gymnasium in der Vergangenheit höher war als in anderen Schulformen, nunmehr angeglichen wurde. Konkret sinkt die durchschnittliche Wochenstundenzahl am Gymnasium in der Sekundarstufe I um eine gute Stunde. Zahlreiche Ganztags­angebote, sei es die Musik- oder MINT-Förderung, seien es die vielfältigen Arbeitsgemeinschaften oder auch die Hausaufgabenbetreuung, nicht zuletzt die von der Schule organisierten und bezahlten Nachhilfe-Tutorien können nun zu früheren, lernökonomisch sinnvolleren Zeiten stattfinden.

Kindgerechte Entschleunigung

Insgesamt, so sind sich viele Mitglieder der Schulgemeinde einig, bedeutet die Rückkehr zu G9 nicht nur eine kindgerechte, dringend notwendige Entschleunigung am Gymnasium, sondern auch einen echten Qualitätszuwachs im Hinblick auf die Persönlichkeitsbildung und -entwicklung der Kinder sowie auf die Hauptaufgabe eines klassischen Gymnasiums: die fachlich und methodisch profunde Vorbereitung auf eine spätere, erfolgreiche Studierfähigkeit.