Hemer. Erleichterung war dem Applaus der Zuhörer am Dienstagabend in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in der Aula des Woeste-Gymnasiums zu entnehmen.

Kurz zuvor hatten die Ausschussmitglieder bei einer Enthaltung der GAH die Umsetzung zusätzlich notwendiger Reparaturmaßnahmen im Hallenbad beschlossen.

Auch das Bäderstrategiekonzept wurde vorgestellt, das bei der Politik einige zusätzliche Fragen aufwarf und zur Kenntnis genommen wurde. Die Fraktionen haben bei diesem wichtigen und zukunftsträchtigen Thema weiteren Beratungsbedarf.

„Die Politik hat sich deutlich für das Schwimmen in Hemer in der Wintersaison ausgesprochen, und das wollen wir gemeinsam auch ermöglichen“, freute sich Bürgermeister Michael Heilmann nach der Beschlussfassung und richtete den Blick auf Hemers Beigeordneten Christian Schweitzer.

Zufrieden zeigte auch er sich mit der Entscheidung, die die Verwaltung gleichzeitig beauftragt, die Maßnahmen zur Wiederinbetriebnahme schnellstmöglich einzuleiten.

Abgefragt wurden zuletzt die Kosten für die zusätzlich erforderlichen Arbeiten und Sicherungsmaßnahmen (Fachbauleitung, Material- und Personenschleuse, Unterdruckanlage, Feinreinigung und Raumluftuntersuchung, Reparatur der Lüftungskanäle). Einzelne Rückmeldungen stehen noch aus.

„Daraus ergibt sich schließlich, ob eine Wiederinbetriebnahme tatsächlich zum 16. September 2018 erfolgen kann“, erläuterte Schweitzer, und verwies dabei gleichzeitig auf das im weiteren Bauablauf fortbestehende Risiko.

Schweitzers Zurückhaltung ist aufgrund der Geschichte des Hallenbades mit seinen Reparaturarbeiten durchaus nachvollziehbar. Im Sommer 2017 erhielt die Stadt nämlich die Information, dass die Deckenabhängung nicht mehr sicher war. Ergebnisse waren dann ein Betretungsverbot und erste Sanierungsmaßnahmen.

Unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen dann die zweite Hiobsbotschaft: Im Rahmen der laufenden Instandsetzungsarbeiten wurden bis dahin nicht einsehbare Beschädigungen an den Lüftungskanälen, die aus asbesthaltigen Materialien bestehen, entdeckt. Ein Baustopp und eine erneutes Betretungsverbot waren die Folge, die Wiederinbetriebnahme zum 1. Februar unmöglich.

Ein Sanierungskonzept musste her, das am Dienstag, 20. Februar, im Haupt- und Finanzausschuss erläutert wurde. Glücklicherweise stellte sich im Rahmen der Recherchen heraus, dass es sich bei den Lüftungskanälen um sanierbare fest gebundene Asbestmaterialien handelt und nicht wie angenommen um schwach gebundene Asbestprodukte, die per Gesetz nicht saniert werden dürfen, sondern für viel Geld hätten komplett ausgetauscht werden müssen.

Die Sanierungsarbeiten können also nach den Auftragsvergaben fortgesetzt werden. Es ist das Ziel, das Bestandsbad bis zur Umsetzung einer Variante aus dem Bäderstrategiekonzept weiter zu nutzen. Schweitzer bemerkte ergänzend: „Aufgrund des Alters und Zustands des Hallenbades ist dies allerdings mit großer Unsicherheit und gegebenenfalls erforderlichen Zwischeninvestitionen verbunden. Auch wenn die nunmehr erforderliche Reparaturmaßnahme durchgeführt werden kann, bleibt das Risiko weiterer, im Zeitraum der Restnutzungsdauer auftretender Schäden.“

Einerseits ist es natürlich keine leichte Entscheidung, ob das bestehende Bad kernsaniert, ein neues Bad an selber Stelle, ein neues Bad auf dem Grundstück des ehemaligen Bahnhofes oder ein Kombibad mit dem Freibad an der Teichstraße entstehen soll.

Andererseits steht die Antwort eindeutig unter Finanzierungsvorbehalt. Kämmerer Dr. Bernd Schulte brachte es im Hauptausschuss auf den Punkt: „Wir müssen uns zuerst die Frage stellen, ob wir uns ein solches Bad überhaupt leisten können!“

Und wie ein solches Bad aussehen könnte, wurde in der Sitzung von Marco Steinert-Liescheid von der Altenburg Unternehmensberatung vorgestellt. Das Bäderstrategiekonzept hat dabei einige Antworten geliefert, jedoch auch zahlreiche neue Fragen entstehen lassen. Deshalb haben die Fraktionen weiteren Beratungsbedarf angemeldet und das Konzept zur Kenntnis genommen. Die Verwaltung soll weiterhin die Vereinbarkeit des Bäderstrategiekonzeptes beispielsweise mit dem ebenfalls in Bearbeitung befindlichen Brandschutzbedarfsplan klären.

Zur weiteren Zeitplanung hofft Bürgermeister Michael Heilmann voraussichtlich in der Ratssitzung im Juli neue Informationen auf den Tisch legen zu können.