Hier „de luxe“, dort Container

Container für die Schüler: Wolfgang Kolbe von der Schulverwaltung, Hermann Noll und Martin Bürger-Neuman vom Immobilien-Management und Gesamtschulleiterin Barbara Brühl informierten sich. (Foto: Stadt Iserlohn)

Iserlohn. (Red./as) Die Errichtung einer zweiten Gesamtschule in Iserlohn bewegt weiterhin die Gemüter. Auch nach der Ratssitzung in dieser Woche steht fest, dass eigentlich noch gar nichts feststeht. Denn nun ist erst einmal wieder die Schulverwaltung am Zug. Gesucht werden sollen alternative Standortlösungen. Die Kosten wiederum ermittelt anschließend das Dortmunder Architektenbüro Assmann. Ob eine zweite Gesamtschule in Iserlohn günstiger zu haben ist als in den Räumlichkeiten der Hauptschule Hennen? Verwaltung und Politik werden sehen.

Die mit 25 bis 27 Millionen Euro prognostizierten Um- und Neubaukosten, die es laut Assmann-Gutachten benötigt, die Henner Hauptschule in eine vierzügige Gesamtschule zu verwandelt, hat auch bei der Elterninitiative „Pro 2. Gesamtschule“ Eindruck hinterlassen. Die Vertreter der Initiative staunen über die Assmann’schen Vorgaben – Passivhaus-Standard, vier Aufzüge und und und. Offen gefragt wird, ob hier eine Gesamtschule „de luxe“ entstehen soll.

Schlechte Bildung kann teuer werden

Den Vorstoß seitens der CDU Hennen, eine Sekundarschule im Henner Schulgebäude zu implantieren, weist die Elterninitiative weit von sich. Gefragt sei in Hennen keine Sekundarschule, sondern eine Schule, in der die Schüler auch das Abitur machen können.

An den Kosten soll nach Auffassung der Elterninitiative eine zweite Gesamtschule nicht scheitern. Denn: „Bildung kostet Geld! Bildung ist teuer. Aber keine Bildung oder eine schlechte Bildung für unsere Kinder ist noch viel teurer!“

Nun aber muss die Verwaltung noch eine weitere Aufgabe bewältigen. Herausgefunden werden soll durch eine verbindliche Befragung der Eltern des aktuellen dritten Grundschuljahrgangs im gesamten Iserlohner Stadtgebiet, ob demnächst überhaupt genügend Kinder für acht Gesamtschul-Züge angemeldet würden. Falls ja, muss die Stadt ohnehin eine zweite Gesamtschule errichten. Falls nein. Tja, was dann?

Während nun also im Rathaus die Köpfe qualmen angesichts der neuen Aufgaben, muss auf dem Gelände der Gesamtschule am Nußberg gehandelt werden. Denn: Es gibt einen dringenden Raumbedarf für die Oberstufe.

Die Oberstufe wurde vor 26 Jahren zwei- bis dreizügig geplant und eingerichtet. Sie ist aber tatsächlich nummerisch sechszügig. Dadurch entstehen große Kurse mit dreißig statt zwanzig Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig ist die Nachfrage für die Oberstufe an der Gesamtschule (Zahl der Anmeldungen) in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Die Gesamtschule ist dieser Nachfrage entsprechend ihrer Möglichkeiten nachgekommen, zum Beispiel durch Umwidmung von Räumen, Bildung von großen Kursen usw. Dennoch mussten für das Schuljahr 2011/2012 rund fünfzig Interessenten aus Platzgründen abgewiesen werden.

70 Schüler im Container?

Mittlerweile stellt sich die Situation so dar, dass im Schuljahr 2012/13 nur noch die „eigenen Schüler aus der Sekundarstufe I“ in die Oberstufe übernommen werden können. Fremde Schüler könnten nicht mehr aufgenommen werden. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre müssen siebzig bis achtzig Schüler abgewiesen werden. Aus diesem Grund wäre es notwendig, durch eine bauliche Erweiterung die Kapazitäten in der Gesamtschul-Oberstufe zu erhöhen.

Um diesem aktuellen Problem zu begegnen, hat der Schulausschuss im November letzten Jahres beschlossen, befristet so genannte Klassen-Container für die Gesamtschule am Nußberg anzumieten.

Dabei handelt es sich um fünf Container in denen drei allgemeine Unterrichtsräume, ein Mehrzeckraum und ein Hausaufgaben- und Arbeitsraum (Möglichkeit des Arbeitens in Freistunden) untergebracht werden. Separat wird ein Toiletten-Container aufgestellt. Insgesamt beträgt die Nutzfläche zirka 400 Quadratmeter. Damit wird die zusätzliche Aufnahme von sechzig bis achtzig Schülern ermöglicht. Seit Beginn dieser Woche wird die Container-Anlage, die nach den Sommerferien „in Betrieb“ gehen soll, auf dem Gesamtschulgelände errichtet. „De luxe“ sieht irgendwie anders aus.