Hilfe, die satt macht

Iserlohn. (as) Nairobi, eine Stadt der Gegensätze. Als quirliges Zentrum westlichen Zuschnitts renommiert die kenianische Hauptstadt in der Welt. Doch im Schatten der Skyline, direkt neben luxuriösen Villenvierteln, wuchert ein riesiger Slum. Hier kämpfen Frauen, Männer und vor allem Kinder ums tägliche Überleben. Und: Hier setzt die Hilfe des Iserlohner Kenia-Teams aus der Aloysius-Kirchengemeinde an. Die Iserlohner unterstützen das „Kibagare Good News Centre“. Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Schule, die den Kindern eine Perspektive und – vor allem – zwei Mahlzeiten am Tag gibt.

Kunsthandwerkliches haben Hans-Georg und Sophia Bergandt, Gaby Kaiser und Norbert Geile (v.l.) aus Kenia nach Iserlohn mitgebracht. Der Erlös aus dem Verkauf soll wiederum zurück in die Schule nach Nairobi fließen. (Foto: A. Schneider)
Kunsthandwerkliches haben Hans-Georg und Sophia Bergandt, Gaby Kaiser und Norbert Geile (v.l.) aus Kenia nach Iserlohn mitgebracht. Der Erlös aus dem Verkauf soll wiederum zurück in die Schule nach Nairobi fließen. (Foto: A. Schneider)

Vier Kenia-Reisende sind jetzt von einem Hilfsbesuch im „Kibagare Good News Centre“ zurückgekehrt. In ihrem Gepäck haben Sophie und Hans-Georg Bergandt, Gaby Kaiser und Norbert Geile gewaltige, oft bestürzende, immer aber auch hoffnungsfrohe Eindrücke mit nach Iserlohn gebracht. Einen Bericht und einen Film von ihrem Aufenthalt im „Kibagare Good News Centre“ wollen sie am Sonntag, 27. Oktober, nach dem 11-Uhr-Gottesdienst im Kindergarten St. Pankratius an der Aloysiusstraße allen interessierten und hilfsbereiten Iserlohnern vorstellen.

Bereits seit mehr als 25 Jahren unterstützt das Kenia-Team der Aloysius-Gemeinde das „Kibagare Good News Centre“. Die Iserlohner Helfer haben erlebt, wie sich das kleine Heim für 18 Kinder, die in Wellblechhütten hausten, in ein Schulzentrum für 650 Kinder verwandelt hat. In die dortige Grundschule, die „Primary School“, kommen viele Kinder zunächst einmal schlicht, um satt zu werden, denn hier gibt es eine Schulspeisung. Die angeschlossene höhere Schule, die „Secondary School“, ermöglicht vor allem Mädchen einen Weg in eine berufliche Zukunft und erspart vielen von ihnen so eine Ansteckung mit Aids.

Die Spenden aus Iserlohn helfen Schwester Leah, die das Centre leitet, einen Teil der Kosten für die täglichen Mahlzeiten der Kinder aufzubringen. Denn Porridge am Morgen und eine warme Mahlzeit mittags haben für die Mädchen und Jungen eine beinahe noch größere Bedeutung als der Schulunterricht. Erst das Essen gibt ihnen die Kraft zu lernen.

Wertvolle Uhren aus einem Nachlass hatten die Iserlohner im Gepäck. Schwester Leah (r.) gab sie weiter an Frauen und Männer, die ihr täglich bei der Arbeit im „Kibagare Good News Centre“ helfen. (Foto: privat)
Wertvolle Uhren aus einem Nachlass hatten die Iserlohner im Gepäck. Schwester Leah (r.) gab sie weiter an Frauen und Männer, die ihr täglich bei der Arbeit im „Kibagare Good News Centre“ helfen. (Foto: privat)

Begegnungen auf Augenhöhe

Aufwühlende Tage haben die vier Iserlohner in Nairobi erlebt. Tage mit, so formuliert es Sophia Bergandt, „Begegnungen auf Augenhöhe“. Denn die Reisenden haben sich nicht in einem schicken Hotel eingemietet, sondern lebten mit Schwester Leah im Konvent. Sie waren in der Schule, halfen bei der Essensausgabe. Oft schwappte ihnen beinahe ungläubiges Staunen entgegen, als die Kinder die vier Weißen sahen, die ihnen mit den besten Wünschen die gefüllten Teller in die Hand drückten. Wer weiß ist, das hat man in dem Slum wohl schnell verinnerlicht, ist reich und gibt sich kaum mit kleinen farbigen Kindern ab.

Doch genau das taten die vier Iserlohner. 46 Kindern bereiteten sie zudem den womöglich schönsten Tag deren Lebens. Das Quartett organisierte und finanzierte einen Ausflug in einen nahe gelegenen Giraffenpark mit anschließendem Picknick. „Die Kinder haben zum ersten Mal ein wenig von ihrem Land gesehen“, sagt Gaby Kaiser. Selbst der für den Ausflug engagierte Fahrer staunte, als er erstmals eine Giraffe sah.

Die vier Iserlohner waren dabei, als im „Kibagare Good News Centre“ ein neuer, sicherer Weg zur Kirche eingeweiht wurde. Und sie spendeten kleine Bäumchen, die am Rande des Wegs gepflanzt wurden, um ihn künftig zu beschatten.

Die Gäste packten mit an, als Schwester Leah an einem Samstag ein offenes Mittagessen für alle Kinder angeboten hatte. Rund 1.500 Kinder, manche hatten einen viele Kilometer langen Fußweg hinter sich, standen geduldig an und hofften, etwas abzubekommen.

Ungläubiges Staunen: Die Kinder hatten zum ersten Mal eine Giraffe gesehen. (Foto: privat)
Ungläubiges Staunen: Die Kinder hatten zum ersten Mal eine Giraffe gesehen. (Foto: privat)

Sachspenden im Koffer

Mit großem Gepäck waren die vier Iserlohner nach Kenia gereist. In den Koffern befanden sich Kleidung, Bunt- und Bleistifte, ein Hörgerät, Mobiltelefone, Brillen, Lupen, Schuhe und eine große Menge hochwertiger Uhren aus dem Nachlass eines Uhrengeschäfts. All diese Schätze überreichten sie Schwester Leah, um sie an Kinder und Mitarbeiter zu verteilen.

Auch auf dem Rückweg nach Iserlohn waren die Koffer nicht leer. Gaby Kaiser, Norbert Geile, Sophia und Hans-Georg Bergandt brachten traditionelle kenianische Handwerks-Arbeiten mit – Krippen in Kalebassen, Weihnachtskarten mit hauchzartem Bananenstaudenblatt-Motiven, Engelfigürchen, Ketten und viele andere dekorative Arbeiten.

All diese Schätze wollen sie am Sonntag, 27. Oktober, im St.-Pankratius-Kindergarten, aber auch beim Weihnachtsmarkt im Barendorf verkaufen und den Erlös wiederum dem „Kibagare Good News Centre“ zukommen lassen. Denn viel Geld ist nötig, um die Kinder satt zu bekommen und ihnen damit Hoffnung auf eine Zukunft zu geben.

Hier können auch Sie helfen

Über Spenden freuen sich die Iserlohner Helfer natürlich ebenso. Das Spendenkonto lautet: Kath. Kirchengemeinde St. Aloysius, Iserlohn, Bank für Kirche und Caritas Paderborn, Kontonummer 34280107, Bankleitzahl 47260307, Stichwort: Sr. Leah ASN, KGNC Nairobi.