Hoffnung bringen per Schiff

Hemer. (saz) Ihren kurz bevorstehenden 28. Geburtstag wird die Hemeranerin Dorothea Boldt auf einem Schiff an der Küste Afrikas verbringen. Was zunächst nach Urlaub klingt, hat damit nicht viel zu tun. Denn bei der „Logos Hope“ handelt es sich nicht um ein Kreuzfahrtschiff. Vielmehr haben sich die Crew-Mitglieder aus aller Herren Länder der Entwicklungshilfe verschrieben. Am 3. September 2016 legte das Schiff im Hafen von Tema in Ghana an. Dort ist auch Dorothea Boldt an Bord gegangen. Sie wird die kommenden zwei Jahre auf dem Schiff verbringen und Häfen auf der ganzen Welt anfahren. Während ihrer Vorbereitungsphase hatte sie noch Zeit gefunden, im Interview mit dem Wochenkurier über ihre Erwartungen, Ängste und persönliche Motivation zu sprechen.

Wk: Was hat dich dazu bewogen, zwei Jahre deines noch jungen Lebens auf einem Schiff weit weg von zu Hause zu verbringen?

D.B.: Ich war bereits Anfang des Jahres für einen dreimonatigen „Step-Einsatz“ auf dem Schiff. Die Arbeit, die wir dort geleistet haben, hat mich sehr bewegt. Seit meiner Ausbildung bin ich immer viel unterwegs gewesen und habe mich dabei sozial engagiert. Beispielsweise habe ich in Indien ein Jahr lang in einem Mädchenheim mitgearbeitet. Außerdem habe ich mehrere Jahre in Schottland in verschiedenen sozialen Einrichtungen gelebt. Mir ist es wichtig, Menschen zu helfen. Da stimme ich voll und ganz mit dem Motto der „Logos Hope“ überein.

Wie lautet das?

„Knowledge, help and hope“ – also „Wissen, Hilfe und Hoffnung“. Diese drei Begriffe beschreiben die einzelnen Aufgabengebiete der „Logos Hope“. „Wissen“ vermitteln wir mit dem Bücherladen an Bord, über den wir ärmeren Nationen die Literatur günstig zukommen lassen können, die ansonsten nicht erschwinglich waren. Dabei handelt es sich um alles Mögliche – von Kinderbüchern bis zu Nachschlagewerken. „Hilfe“ bringen wir beispielsweise in Form von Aufklärungsarbeiten im Bereich HIV oder auch akuten Projekten wie der Installation von Wasserfiltern. Dafür erkundigen sich ein paar unserer Mitarbeiter vor Ankunft des Schiffs bei Behörden und Kirchen über die aktuelle Interessenslage im jeweiligen Land. Eine ganz wichtige Aufgabe ist das Verteilen von „Hoffnung“.

Hoffnung ist nicht unbedingt etwas, was verteilt werden kann. Auf welche Art bringt ihr diese in die Länder?

Indem wir auf die Leute zugehen und den Kontakt mit denen suchen, denen es nicht gut geht. Dabei wollen wir Beziehungen aufbauen, Literatur verteilen, uns die persönlichen Probleme anhören. Einfach Hoffnung spenden. Die Menschen sollen merken, dass sich jemand für sie interessiert.

Du sagst, dass du gerne Menschen helfen möchtest. Das könntest du ja auch mit anderen Organisationen tun. Worin liegt deine Motivation, diese Arbeit gerade auf der „Logos Hope“ zu tun?

Vor allem der interkulturelle Austausch fasziniert mich. Ich lerne so viele verschiedene Kulturen kennen. Allein auf dem Schiff sind meist Menschen aus 60 verschiedenen Kulturen angestellt. Und dann fahren wir ja auch die unterschiedlichsten Länder an. So kann ich meine Wissbegierde über fremde und weit entfernte Länder und Menschen stillen.

Du willst also auch Neues kennenlernen?

Natürlich. Vor allem kann ich mich so auch selbst ein bisschen besser kennenlernen. In solchen Situationen lernt man Dinge über die eigene Person, die man im Alltag so nicht lernen würde. Das ist durch das Erleben fremder Kulturen eine besondere Herausforderung.

Sind diese Herausforderungen nicht auch ein bisschen angsteinflößend?

Dadurch, dass ich bereits einige Kulturen kennengelernt habe, hält sich die Angst im Rahmen. Allerdings werden wir auch Häfen in Südamerika ansteuern. Damit kenne ich mich noch gar nicht aus. Das wird auf jeden Fall spannend. Angst habe ich vielmehr davor, trotz der vielen Menschen auf dem Schiff allein zu sein.

Woher kommt diese Angst?

Auf dem Schiff ist ein ständiges Kommen und Gehen. Man hat irgendwann so vielen Menschen Tschüss gesagt, dass man sich vielleicht nicht mehr auf neue einlassen kann.

Gibt es etwas, was dir bei deiner Angst hilft? Vielleicht etwas, was du unbedingt mitnehmen musst?

Musik! Wenn es einem schlecht geht, kann man sich damit aufmuntern. Bei meinem letzten Einsatz auf dem Schiff habe ich gemerkt, wie wichtig Musik ist. Auch wenn sie nur nebenbei läuft, baut sie auf jeden Fall auf.

Du musst natürlich auch Dinge in Deutschland zurücklassen. Was wird dir besonders fehlen?

Das, was mir wirklich schwerfällt, zurückzulassen, könnte ich sowieso nicht mitnehmen: Freunde und Familie.

Fällt dir der Abschied von Deutschland sehr schwer?

Eigentlich nicht. Ich hatte schon immer eine große Abenteuer- und Reiselust, deswegen überwiegt im Moment die Vorfreude. Es gibt auf der Welt so viele Orte, die man noch sehen kann. Ich war jetzt fast dreieinhalb Jahre wieder hier in Deutschland. Nun meldet sich mein Fernweh erneut und ich habe das Gefühl, es ist an der Zeit, zu gehen. Aber eines ist sicher: Ich werde immer wieder hierher zurückkommen. Deutschland ist und bleibt meine Heimat.